Jahresbericht

Gedenkstätten als Touristen-Attraktion

Studie zeigt: 90 Prozent der Besucher kommen nicht aus Berlin

Über die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße können sich die Besucher per Smartphone führen lassen. Den Audioguide auf der mobilen Internetseite hat die Stiftung Berliner Mauer entwickelt, um den vielen ausländischen Besuchern auf Englisch und Deutsch ein Angebot zu machen.

Denn wie der am Dienstag veröffentlichte Jahresbericht Kulturmonitoring zeigt, sind 90 Prozent der Besucher in den Gedenkstätten Touristen, die meisten von ihnen kommen aus dem Ausland. „Die größten Besuchergruppen an der Bernauer Straße kommen aus Großbritannien, aus den USA, aus Frankreich und aus Skandinavien“, sagte Hannah Berger, Sprecherin der Stiftung Berliner Mauer.

Die Mauer-Gedenkstätte war eine der insgesamt 22 Einrichtungen die für das Kultur-Monitoring befragt wurden. Ziel der Erhebung ist es, den Kultureinrichtungen die Möglichkeit zu geben, noch gezielter bestimmte Besuchergruppen anzusprechen und neue Zielgruppen zu erschließen. Das Durchschnittalter der Besucher in den kulturellen Einrichtungen beträgt 47 Jahre. Am jüngsten sind laut Erhebung die Besucher der Gedenkstätten mit 40 Jahren. Allerdings wurden bei der Befragung keine Gruppen wie Schulklassen einbezogen. Überdurchschnittlich ist bei den Gedenkstätten die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen vertreten. Sie macht einen Anteil von 26 Prozent aus. Bei den Bühnen- und Orchesterveranstaltungen dagegen sind die über 60-Jährigen stark vertreten – mit 24 Prozent.

Auch bei der Herkunft der Besucher in den kulturellen Einrichtungen gibt es laut Studie große Unterschiede. Während bei den Orchestern, Opern und Theatern die Mehrheit aus Berlin kommt, machen die Besucher aus der eigenen Stadt in den Museen und Gedenkstätten die Minderheit aus. Bei den Museen sind es 16 Prozent, bei den Gedenkstätten sogar nur neun Prozent. Überrepräsentiert sind mit 59 Prozent in den Gedenkstätten die Besucher aus dem Ausland. In den Sprechtheatern stammen nur sechs Prozent der Besucher aus dem Ausland.

„Wir haben sehr viele Besucher aus aller Welt, weil unsere Gedenkstätte an der Bernauer Straße schon als Ort an sich wirkt“, sagte Hannah Berger von der Stiftung Berliner Mauer. Auch Menschen, die kein Englisch sprechen und Erklärungen nicht lesen können, würden deshalb gerade an die Bernauer Straße kommen. Die Stiftung versuche aber auch durch besondere Veranstaltungsprogramme, mehr Berliner zu erreichen. In der Veranstaltungsreihe Zeitzeugen-Café beispielsweise würden immer zwei Personen im Dialog über ein bestimmtes Thema wie etwa Fluchtversuche reden.

Im kommenden Jahr, zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, sollen diese Programme noch verstärkt angeboten werden. Auch spezielle Angebote für Familien soll es geben. Die Schulen sollen durch Fortbildungsprogramme für Berliner und Brandenburger Lehrer erreicht werden. „Die Angebote werden von den Lehrern gut angenommen“, sagte Hannah Berger.