Job

Anna Plagens, 32, Konditorin und Inhaberin von „Du Bonheur“ aus Mitte

„Nach dem Abitur 2003 habe ich mehrere Praktika gemacht und mich dann, als eine von mehreren interessanten Alternativen, für die Lehre in der Konditorei entschieden.

Um für den Fall, dass das doch nicht das Richtige gewesen wäre, keine Zeit zu verlieren, bin ich nach Frankreich gegangen und habe dort mein Französisch verbessert.

Nach den zwei Jahren Ausbildung im Elsass bin ich nach Wien umgezogen und habe dort ein Jahr lang in einem Restaurant gearbeitet. Die Arbeitstage waren aber immer unglaublich lang: Angefangen wurde morgens halb neun, und es ging bis abends um ein Uhr. Da war dann nur noch Zeit zum Schlafen. Nach zwei Jahren in einer klassischen Konditorei – in der ich wieder mehr mein Privatleben genossen habe – wurde es mir allerdings in beruflicher Hinsicht langweilig. Ich ging schließlich wieder zurück nach Frankreich gegangen, diesmal nach Paris und zu dem französischen Pâtisserie-Meister Pierre Hermé. Der gehört zu den besten Pâtissiers der Welt.

Eigentlich wollte ich dort nur zwei Jahre bleiben, aber mir sind dann schnell unglaublich gute Jobs in der Produktentwicklung angeboten worden – die konnte ich nicht ablehnen.

So habe ich dann doch fünf Jahre in Frankreich gearbeitet. In der Zeit habe ich es aber leider nicht geschafft, mir auch ein ausfüllendes Privatleben aufzubauen. Deshalb habe ich mich irgendwann gefragt, was möchte ich noch machen mit meinem Leben. Ich wollte vor allem einen stärker geregelten Arbeitstag. Deswegen habe ich mich entschlossen, nach Berlin zu gehen und mich selbstständig zu machen.

So gesehen hat das Privatleben bei mir immer den Ausschlag dafür gegeben, den Job noch einmal zu wechseln. Im April habe ich zusammen mit meinem Geschäftspartner Stephan Zuber den Laden an der Brunnenstraße eröffnet. Ganz im Stil einer klassischen Pariser Pâtisserie gibt es hier Éclairs, Pains aux chocolat, luftige Croissants und köstliche Tartelettes. Ich habe mich auch deswegen selbstständig gemacht, um das umzusetzen, was ich selbst will – und zwar ganz ohne Kompromisse.

Mir ist es wichtig, dass ich mich beruflich weiterentwickeln kann. Denn ich glaube, der Trend geht ganz allgemein im Arbeitsleben in Richtung Spezialisierung. Und man kann nur gut sein, wenn man wirklich das macht, was einem Spaß bereitet. Ich glaube, dass gerade in diesen Nischen eine bestimmte Leidenschaft dabei ist. Personen, die ihren Job mit Leidenschaft machen, haben auch am ehesten Erfolg.“