Brandanschläge

Acht Autos brennen in Lankwitz in einer Nacht

Nach mehreren Anschlägen durch Brandstifter sind die Anwohner im Süden der Stadt in Sorge

Am Mittwochvormittag sind an der Lankwitzer Mudraststraße noch blauweißer Löschsand und schwarze Brandspuren am Boden zu sehen. Wenige Stunden zuvor in der Nacht standen dort am Straßenrand drei parkende Autos in Flammen. Angezündet. Inmitten einer Wohnsiedlung, direkt gegenüber einem kleinen Spielplatz. Drei Rentner schauen sich an diesem Morgen den Schauplatz an, auf dem Weg zum Einkaufen sind sie gerade. Nun also auch ihre Straße, sagen sie. Der Vandalismus habe überall inzwischen extreme Ausmaße angenommen. Sicher könne man sich ja nirgends mehr fühlen, sind die drei Männer sich einig.

Die Autos an der Mudraststraße sind nicht die einzigen, die in der Nacht zu Mittwoch in Lankwitz angesteckt werden. Nur einige Hundert Meter weiter, im Halbauer Weg/Ecke Briegerstraße fing es laut Polizei gegen halb zwei Uhr am frühen Morgen an. Ein VW, ein Seat und ein Mercedes-Lastwagen seien dort angezündet worden, hieß es. Um 1.43 Uhr wurde die Polizei alarmiert. Den Laster konnte ein Passant löschen, bevor daran noch größerer Schaden entstand. Die anderen beiden Fahrzeuge brannten laut Polizei vollständig aus und mussten von der Feuerwehr gelöscht werden.

Kurze Zeit darauf das Feuer an der Mudraststraße. Ein Mercedes, ein Toyota und ein Opel brennen, zwei weitere Autos, die in unmittelbarer Nähe stehen, werden ebenfalls von den Flammen in Mitleidenschaft gezogen. Wieder muss die Feuerwehr löschen. Die Bilanz: acht zerstörte Fahrzeuge.

Noch in der Nacht habe die Feuerwehr einige der verbrannten Wagen abgeschleppt, erzählt Hakki D., 50. Er ist Hausmeister in dem Häuserblock in der Mudraststraße, vor dem die Wagen angezündet wurden. Am frühen Morgen habe ihm eine Mieterin Bescheid gesagt und über den Anschlag auf ihr Auto informiert, erzählt Hakki D. „Als ich morgens dann die Autos angucken wollte, standen nur noch zwei schwer beschädigte Fahrzeuge da“, sagt der Hausmeister. Die Reifen und die komplette Vorderseite der Wagen seien stark lädiert gewesen. Die Besitzer der Fahrzeuge würden Leihwagen zur Verfügung gestellt bekommen, weiß Hakki D. „Aber alle sind unsicher, ob sie den Schaden komplett ersetzt bekommen.“

Brennende Mülltonnen

Hakki D. ist seit elf Jahren Hausmeister an der Mudraststraße. Die Kriminalität in der Gegend habe in der letzten Zeit stark zugenommen, sagt er. Das habe die Nachbarschaft deutlich beobachten können. Auch Brandstiftungen habe es schon gegeben. Erst vergangenen Monat seien an der Wedellstraße um die Ecke Mülltonnen angezündet worden. Aus Angst um sein eigenes Auto parke er nur noch auf einem Parkdeck, nicht mehr am Straßenrand, erzählt der Hausmeister. Am sichersten sei natürlich eine Garage, aber die zu mieten, könnten sich viele Anwohner im Kiez nicht leisten.

Tatsächlich hatte der Brand der Mülltonnen vor 14 Tagen an der Wedellstraße auch auf das hölzerne Müllhaus, einen Motorroller und ein Motorrad übergegriffen, bevor er gelöscht werden konnte. Die durch das Feuer verursachte Hitze hatte zudem einen Imbisswagen sowie ein Auto beschädigt. Und Anfang November hatte ebenfalls nur einige Hundert Meter weiter an der Felgentreustraße/Ecke Wichurastraße ein Auto gebrannt und dadurch Schäden an zwei weiteren Wagen verursacht.

Politische Motive schloss die Polizei in diesen Fällen aus. Auch bei den Brandstiftungen am Mittwoch gehen die Ermittler nicht von einem politischen Hintergrund für die Taten aus, bei denen dann der Polizeiliche Staatsschutz die Fälle übernehmen würde. In Lankwitz ermittelt dagegen ein Brandkommissariat des Landeskriminalamts. Wegen der zeitlichen und räumlichen Nähe der Feuer Mittwoch früh werde natürlich auch ein möglicher Zusammenhang der Fälle geprüft, hieß es. Auch frühere Vorfälle in der Nachbarschaft werden gewöhnlich bei solchen Ermittlungen auf Zusammenhänge und Muster überprüft. Nach Angaben der Polizei sind in Berlin seit Jahresbeginn 234 Fälle von Autobrandstiftungen bekannt. Bei 22 Fällen davon vermutet die Polizei einen politischen Hintergrund. Die Zählungen der Autobrände sind dabei kompliziert, zu einem Fall können mehrere brennende Fahrzeuge zählen. So kommt es, dass die Polizei bei den 22 politischen Brandfällen 35 Autos zählt, die „direkt angegriffen“ wurden, dazu gab es hier bei neun Wagen Begleitschäden. Bei den nicht politischen Brandstiftungen zählt die Polizei bei den insgesamt 212 Fällen 239 direkt angegriffene Fahrzeuge, 109 weitere Autos wurden durch diese Feuer in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt inklusive aller Kollateralschäden wurden 2013 also bisher 392 Fahrzeuge durch Brandstiftungen beschädigt. Der Wert liegt jedoch nicht über dem der Vorjahre.

Bis Anfang November konnte die Polizei in diesem Jahr 28 Personen ermitteln, die der Brandstiftung verdächtigt werden. 21 von ihnen wird vorgeworfen, Autos angezündet zu haben. Festnahmen von Brandstiftern mit politischer Motivation gab es in diesem Jahr bis Anfang November jedoch laut Polizei keine.