Serie: Weihnachtsplaner

Berlin zum Verschenken

Die Hauptstadt zum Anbeißen, zum Trinken oder zum Kuscheln: Berlin als Marke verkauft sich gut und bietet inzwischen viele ausgefallene Geschenkideen

Wer sich auch nur in die Nähe eines Ortes begibt, an den es auch mal einen Touristen verschlagen könnte, kommt garantiert an einem Souvenirgeschäft vorbei. Die Dichte von Souvenirläden erinnert mitunter an die von Spätkaufläden. Taschen, T-Shirts, Gläser, Bären und Bücher werden da herausgetragen, am besten in Tüten, auf denen in großen Lettern „Berlin“ steht. Die Hauptstadt als Marke verkauft sich gut, und all das, was irgendeinen Bezug zu Berlin hat, ist verkaufstechnisch meist ein Selbstläufer. Doch die Palette an Mitbringseln und Geschenken ist längst über das obligatorische Sortiment hinausgewachsen, das es so oder ähnlich auch in jeder anderen Stadt geben könnte. Und damit sind die Präsente längst nicht nur eine Sache für Touristen, sondern auch für Berliner attraktiv, die sich oder Freunde und Verwandte in der ganzen Republik mit ihnen versorgen.

Den ersten Aufschwung im Berliner Souvenirgeschäft brachte der Fall der Mauer. Danach wanderten bald Mauersteinchen, Mauerschokolade, und Trabis im Taschenformat in die Auslagen der Souvenirläden. Bald folgte auch das Ostampelmännchen, das als eines der wenigen Relikte aus der DDR-Zeit erhalten blieb und sich schnell zum Symbol der Ostalgie entwickelte. Eine ganze Kollektion ist inzwischen um die grünen und roten Männchen herum entstanden: als Nudel, Gummibärchen, Putzschwamm, Bettzeug. Brotbox, Regenschirm oder Tasche bringt es heute Millionenumsätze. Und spätestens mit dem Ampelmännchen wurden Berliner Mitbringsel auf einmal auch für all jene schenkbar, die herkömmlichen Staubfängern für die Vitrine nichts abgewinnen können.

Aber auch das Ampelmännchen ist inzwischen längst Mainstream. Wer heute ein Stück Berlin kauft, will damit auch ein bestimmtes Lebensgefühl vermitteln: Berlin ist hip, anders, einmalig. So soll auch das Produkt aussehen: originell und möglichst nur in kleiner Auflage zu haben. Genau wie die Dinge, die es bei s.wert design in Mitte (s-wert-design.de) zu kaufen gibt. Bedruckte Kissen, Kleider, Schals und Decken gibt es hier, die Motive auf ihnen erkennt man oft erst auf den zweiten Blick. Was zunächst wie ein Blumenstrauß aussieht, sind Ost-Berliner Straßenlampen, die Tischdeckenserie „kleinkariert“ zeigt erst bei genauem Hinsehen die Silhouette von Musterhäusern, wie sie im Berliner Umland stehen. Besonders gut kommen bei den Kunden die Kissen mit Berliner Architekturmotiven an. Neu ist zum Beispiel das Kissen „East West“, auf dem Fernsehturm auf Funkturm trifft, und auch das Kissen „Gedächtniskirche“ , das keine Abbildung der Kirche ist, sondern deren Fenster in Form und Farbe andeutet.

In den Laden von Sandra Siewert und Dirk Berger kommen viele Stammkunden. Sie verschenken zum Beispiel jedes Jahr den auflagenlimitierten Kalender von „s.wert“. Kalender haben oft den Ruf eines Verlegenheitsgeschenks und werden am Anfang des Jahres zum halben Preis verramscht. In dem Laden an der Brunnenstraße sind die Kalender aber häufig schon ausverkauft, bevor das alte Jahr überhaupt beendet ist.

Besonders angesagt als Motiv für Berlin-Geschenke ist der Fernsehturm. So kam Robert Gumz vor zwei Jahren auf die Idee, das Wahrzeichen am Alexanderplatz zum Stunden- und Minutenzeiger einer Uhr zu machen. „Es war eigentlich so eine Schnapsidee, die in der Familie am Esstisch entstand“, erzählt er, doch daraus entstand letztlich Berlin Watch (berlin-watch.com). In vier Farben gibt es die Armbanduhr, schwarz, weiß, türkis oder pink, und sie kostet 49 Euro.

Der Fernsehturm ist aber auch über die Uhr hinaus ein beliebtes Geschenkmotiv. Selbst die Allerkleinsten lassen sich mit ihm schon beschenken – in Form von Haarspangen oder Haargummis (je 4,90 Euro). Und sollte es mit dem Haarwuchs noch nicht so weit sein, hat der Spielzeugladen „Die kleine Gesellschaft“ (kleinegesellschaft.de) in seinen beiden Geschäften in Mitte und Prenzlauer Berg auch eine Rassel (14,90 Euro) im Programm.

Auch bei Lorenz Huber fehlt der Fernsehturm nicht. „Berlin im Beutel“ heißt seine Geschenkidee, ein 15-teiliges Set aus Buchenholz mit Sehenswürdigkeiten und typischen Berliner Plätzen (berlin-im-beutel.de). Neben dem Fernsehturm enthält das Set den Reichstag, die Siegessäule, das Brandenburger Tor, die Eastside Gallery, die Spree, ein Hotel, eine Tram, Wiesen und drei Autos. Berlin im Beutel wird gern all denen mit auf den Weg gegeben, die aus Berlin wegziehen - falls die Sehnsucht nach der Hauptstadt sie mal überkommt. Neben dem Beutel, in dem die Sehenswürdigkeiten schon aufstellfertig sind (29,90 Euro), hat Lorenz Huber neuerdings auch die Edition Baustelle mit 52 Teilen im Angebot, in dem die Sehenswürdigkeiten mit dem mitgelieferten Kleber erst noch zusammengefügt werden müssen. Die Ausgabe kostet zwei Euro weniger als das fertige Set und verkauft sich als dezente Anspielung auf so manche Berliner Dauerbaustelle besonders gut.

Manche Berlin-Geschenke müssen aber gar nicht halten, sie dürfen vergänglich sein. Vor einem Jahr hat zum Beispiel Anke Siedschlag die Marke Berlin Chocolate Wall (berlin-chocolate-wall.de) entwickelt und verkauft seitdem bunt dragierte Schokoladenstückchen in einer Dose im Mauerdesign (6,90 Euro), die immer wieder aufgefüllt werden kann. An dem Stacheldraht, der die Box umspannt, kann sich heute niemand mehr verletzen, er ist aus Gummi. „Die Mauer vernaschen“ nennt die Unternehmerin das Motto, das hinter ihrer Kreation steckt.

Hochprozentiges fehlt bei den Berlin-Produkten natürlich auch nicht. Berliner Brandstifter (berlinerbrandstifter.com) heißt das Unternehmen, das Korn und Gin in edlen Glasflaschen anbietet. Gegründet wurde das Unternehmen von Vincent Honrodt, dessen Brennkünste auf eine lange Familientradition zurückweisen. „Honrodt brennt für Berlin“ heißt es etwas doppeldeutig auf der Website, und zugleich lässt sich der Name auch als Anspielung auf ein gewisses Krawall-Image der Hauptstadt lesen. Korn und Gin gibt es in zwei Ausführungen: als schlichte Flasche (Korn: 25, Gin 35 Euro) oder neuerdings als Geschenk-Edition mit dazugehörigen Rezeptideen (Korn: 33 Euro, Gin: 43 Euro). Zum Beispiel gibt es da eine Anleitung für „Burning Camenbert“ oder „Beschwipstes Aprikosenmus“.

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