Wasserqualität

Nervengift in Wasserleitungen

In alten Häusern gibt es immer noch Bleirohre. Doch ab 1. Dezember gelten neue Grenzwerte

Das Berliner Trinkwasser, so betonen die Berliner Wasserbetriebe (BWB) stets, kann bedenkenlos konsumiert werden. Es unterschreitet die in der Trinkwasserverordnung enthaltenen Grenz- und Richtwerte für die Qualitätsbestimmung erheblich. Allerdings kann sich die Wasserqualität durch hausinterne Anlagen verschlechtern – zum Beispiel, weil alte Rohre zu einer Bleibelastung führen. Das soll sich mit dem 1. Dezember ändern. Dann gilt bundesweit ein verschärfter Grenzwert für Blei in Trinkwasser. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

Wo liegen die Grenzwerte? Der seit Dezember 2003 gültige Wert von 0,025 Milligramm pro Liter wird zum 1. Dezember 2013 auf 0,010 Milligramm mehr als halbiert.

Was bewirkt Blei im Trinkwasser? Blei ist ein Nervengift. Als bedenklich gilt insbesondere eine schleichende Aufnahme kleiner Mengen. Hierdurch können die Blutbildung sowie die Intelligenzentwicklung bei Säuglingen und Kleinkindern beeinträchtigt werden. Deshalb sind sie ebenso wie Schwangere besonders gefährdet durch erhöhten Bleigehalt im Trinkwasser.

Wo finden sich noch Bleirohre? Laut Auskunft der BWB gibt es im öffentlichen Trinkwassernetz keine Bleirohre. Das gesamte Netz vom Wasserwerk bis zu den Hausanschlüssen besteht aus Gusseisen, Stahl sowie in geringen Anteilen aus Beton. Dort, wo bei Hausanschlüssen von der Straße bis zur Wasseruhr, ab welcher die private Anlage beginnt, noch Bleirohre verlegt worden waren, wurden diese durch die BWB ausgetauscht. Für Wasserleitungen in Häusern allerdings galt Blei bis vor 100 Jahren als Standardinstallationsmaterial. Bis 1973 wurde bei Trinkwasseranlagen noch teilweise Blei verbaut. So können sich in Privat- oder Mietshäusern noch immer alte Bleileitungen befinden. Im Ostteil der Stadt dürfte dies laut Auskunft der BWB seltener der Fall sein, da schon beim Wiederaufbau nach Kriegsende weitgehend auf Blei verzichtet wurde. So gab es Ende 2012 im Ostteil der Stadt noch 74 Hausanschlüsse mit Bleigehalt, im Westteil waren es 965, überwiegend an Privathäusern. Diese Zahl hat sich seither erneut verringert, betrifft aber wiederum nicht die in den Häusern selbst verbauten Leitungen.

Wie viele Häuser sind betroffen? Konkrete Zahlen zu den Anlagen in den Berliner Wohnhäusern gibt es nicht. Auf die neuen Bleigrenzwerte angesprochen, reagiert man bei den Verbänden der Wohnungsunternehmer aber überrascht: „Das ist gar kein Thema mehr bei uns“, so die Geschäftsführerin des Bundesverbands freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen in Berlin und Brandenburg (BFW), Hiltrud Sprungala. Man gehe davon aus, dass das Problem bei der weit überwiegenden Mehrheit aller 240 Mitgliedsunternehmen in der Region erledigt sei. Auf 99,9 Prozent schätzt auch David Eberhard, Sprecher des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), den Anteil derjenigen, die Bleirohre inzwischen ersetzt haben. Die BBU-Mitglieder halten zusammen rund 35 Prozent aller Berliner Mietwohnungen. Wie häufig in privat bewohnten Eigentumshäusern noch Wasser durch Bleileitungen fließt, taucht in keiner Statistik auf.

Wie erkennt man Bleirohre?Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) rät, im Zweifel sichtbare Leitungen zum Beispiel im Keller vor und hinter dem Wasserzähler zu prüfen. „Bleileitungen sind silbergrau und im Gegensatz zu Kupfer- oder Stahlleitungen weicher. Sie lassen sich mit einem Messer leicht einritzen, haben einen dumpfen Ton im Klopftest und sind mit wulstigen Lötstellen verbunden“, so der Hinweis des Lageso. Hauseigentümer wie auch Mieter können außerdem Wasserproben bei den Wasserbetrieben analysieren lassen – Schwangere und Eltern von Kleinkindern sogar kostenlos.

Wer ist in der Pflicht zu handeln? Die Eigentümer der Wohneinheit sind in der Pflicht, Bleirohre bis zum 1. Dezember auszutauschen. Denn sie gelten laut Gesetz auch als Wasserversorger.

Was macht man bei Bleirohren? Tatsächlich bleibt nach Ansicht der Fachleute nur ein Austausch der Leitungen. Andere technische Lösungen wie etwa das Auskleiden der Rohre mit Epoxidharz sind im Einzelfall vom Gesundheitsamt zu prüfen und zu genehmigen.

Wie können Mieter sich absichern? Besteht der Verdacht, dass das Wasser noch aus Bleileitungen kommt, sollten die Mieter ihren Hauseigentümer oder die Verwaltung ansprechen. Auch als Mieter kann man gegebenenfalls die Leitungen auf ihr Material hin prüfen und Proben analysieren lassen. Sonst bleibt die Anzeige beim Gesundheitsamt.

Was, wenn Eigentümer nichts tun?Hauseigentümer, die wegen einer Vernachlässigung ihrer Pflichten angezeigt werden, würden durch die Behörden aufgefordert, innerhalb bestimmter Fristen Abhilfe zu schaffen und dies auch zu belegen. Andernfalls würden Mahnbescheide verschickt und Bußgelder erhoben.

Wo gibt es weitere Informationen? Bei den Gesundheitsämtern unter service.berlin.de/gesundheitsaemter/ oder den Wasserbetrieben unter bwb.de/content/language1/html/blei.php.