Schließung

Che-Guevara-Foto, Standuhren und Lampen aus dem „Bogota“

Die Einrichtung des Traditionshotels wird versteigert

Das Traditionshotel „Bogota“ im Haus Schlüterstraße 45 in Charlottenburg versteigert wegen Schließung am 1. Dezember Teile seiner Einrichtung. „Ich muss mich von vielen Dingen trennen, das ist ein Lernprozess“, sagt Inhaber Joachim Rissmann, der die Pension in dritter Generation führt. Gebote für die Versteigerung werden schon angenommen. Während eines Tages der offenen Tür am Sonntag können Besucher einen letzten Blick in das Hotel werfen, in dem der Fotograf Helmut Newton in den 30er-Jahren seine Lehre absolviert hatte.

Das „Bogota“ schließt, weil Rissmann Anfang des Jahres die Miete nicht mehr zahlen konnte. Hauseigentümer Thomas Bscher hatte ihm daraufhin fristlos gekündigt. Am 16. Dezember muss Rissmann das Haus, das bei Künstlern beliebt war, geräumt übergeben. Aber „Berlin“ wird nicht verkauft, immerhin. Das Klavier, das diesen Namen trägt, behält Joachim Rissmann. Die meisten anderen Einrichtungsstücke des „Hotels Bogota“ werden versteigert. So zum Beispiel das berühmte Che-Guevara-Foto von René Burri, ein Geschenk des Künstlers, zahlreiche Deckenlampen aus Messing und Standuhren aus reich verzierten edlen Hölzern.

Am 1.Dezember checken die letzten Gäste aus. Ein Gefühl, als ob ein bewohntes Museum ausgeräumt wird. Zum letzten Mal rücken Modefotografen ihre Beleuchtung zurecht, in Räumen, in denen bis 1938 die jüdische Fotokünstlerin Yva mit ihrem Lehrling Helmut Newton arbeitete. Eltern führen ihre Kinder durch die Zimmer, in denen die Nationalsozialisten einst Filme zensierten. Und in denen Stars wie Heinz Rühmann später den Alliierten erklären mussten, weshalb sie in den Nazi-Filmen mitspielten. Die Holzvertäfelung an den Wänden ist noch dieselbe wie damals. Das Licht ist gedämpft, in den Gängen erschallen gregorianische Gesänge vom Band.

So viele Besucher spazieren durch die fünf Etagen des Hotels, dass sich die Frage aufdrängt, wie es je an Einnahmen mangeln konnte. Die Auslastung lag bis zuletzt mit fast 60Prozent über dem Berliner Durchschnitt, sagt rissmann.

Das 1911 gebaute Haus gehört seit acht Jahren dem Investor Thomas Bscher. Vor Gericht einigte er sich mit Joachim Rissmann auf einen Vergleich, von den 290.000 Euro Mietschulden muss der Hotelier nur 100.000 Euro zahlen. Gleichzeitig wurde das Ende des „Bogota“ besiegelt.