Haushalt

Charité sucht neue Geldquellen

Um Millionen-Defizit auszugleichen, sollen Drittmittel für Infrastruktur umgeschichtet werden

In den vergangenen beiden Jahren hat die Charité Gewinne gemacht. Der Senat erwartet, dass sie auch am Ende dieses Jahres wenigstens ein ausgeglichenes Ergebnis, also eine sogenannte schwarze Null, vorlegt. Doch das wird schwierig: Dem Universitätsklinikum droht ein Millionen-Defizit. Der Fehlbetrag bewege sich „im mittleren einstelligen Millionenbereich“, sagte Charité-Sprecher Uwe Dolderer der Berliner Morgenpost.

Der Geschäftsverlauf in diesem Jahr sei ungewöhnlich, erläuterte Dolderer die Finanznot. Zum einen belaste die Schließung des Bettenhochhauses in Mitte und der Umzug in einen Interimsbau das Ergebnis. In der „Campus-Klinik“ stehen lediglich 339 Betten zur Verfügung, nur etwa halb so viele wie im Bettenturm. Weniger Betten bedeuten weniger Patienten, also auch weniger Einnahmen. Hinzu kommen die Umzugskosten. Zudem würden sich weitere Baumaßnahmen an allen Charité-Standorten negativ auf das wirtschaftliche Ergebnis auswirken, so der Sprecher. Dies seien außergewöhnliche Belastungen.

Grundsätzlich leide die Charité, wie alle Universitätskliniken in Deutschland, unter einer nicht ausreichenden Basisfinanzierung. Außerdem sei die Vergütung der Krankenkassen bei der Behandlung vieler Patienten nicht ausreichend. Das gelte vor allem für Fälle schwerer Krankheitsbilder und innovativer Behandlungsmethoden. Die daraus entstehenden Defizite müssten Universitätskliniken permanent ausgleichen, sagte Dolderer. Derzeit stünde die Charité finanziell nicht so gut da. Man hoffe aber aber auf „positive Effekte“ im vierten Quartal.

Um dennoch zur schwarzen Null zu kommen, sucht die Charité-Führung nach Geldquellen – vorsorglich, wie es heißt. Nun wird diskutiert, einen Teil der Drittmittel zu benutzen, um das Millionenloch zu füllen. Drittmittel sind Anteile an der Finanzierung von Forschungsprojekten, die entweder aus der Privatwirtschaft oder aus staatlicher Forschungsförderung stammen. Die Überlegung ist, Geld für Infrastrukturmaßnahmen aus dem Drittmittelbereich zu verwenden. Also Geld, das für sogenannte Gemeinkosten, etwa für Technik, Verwaltung oder Energie, vorgesehen ist. Charité-Sprecher Dolderer betont, es handele sich dabei nicht um Forschungsgelder. Bei Drittmitteln seien in der Regel 40 Prozent für Infrastruktur vorgesehen. Diese Infrastruktur stelle die Charité zur Verfügung.

Das Verfahren ist umstritten, zumal die Verwendung der Drittmittel nach den Vorstellungen von Charité-Chef Karl Max Einhäupl künftig durch das zentrale Controlling des Uni-Klinikums erfasst werden soll. Bislang obliegen Bewirtschaftung und Controlling bei Drittmitteln allein der Fakultät als Trägerin von Forschung und Lehre.

„Ich halte die Idee für völlig inakzeptabel“, sagt Anja Schillhaneck, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus. Würden Gemeinkosten von Drittmitteln für andere Zwecke abgeführt, sei die Forschungsfähigkeit der Charité eingeschränkt. Das Universitätsklinikum habe eine ausgezeichnete Drittmittelbilanz. „Irgendwann ist es für eine Fakultät aber nicht mehr sinnvoll und nicht mehr leistbar, Drittmittel einzuwerben“, warnt Schillhaneck davor, Geld umzuschichten. Sie will das Thema im Wissenschafts- oder im Hauptausschuss des Landesparlaments diskutieren.