Jubiläum

Die zwölf Geheimnisse des Shopping-Centers

50 Jahre wird das Europa-Center in diesen Tagen alt.

1500 Menschen arbeiten in dem Hochhaus mit den Büros, in den 76 Geschäften und Restaurants sowie dem Hotel Palace, das ebenfalls zum Center gehört. Durchschnittlich 25.000 bis 30.000 Besucher zählt das Europa-Center pro Tag. Doch wie funktioniert solch ein Haus? Die Berliner Morgenpost verrät Geheimnisse und Besonderheiten.

Bei dem Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ aus dem Jahr 1981 spielen Szenen auf dem Dach des Europa-Centers. Das hatte zur Folge, dass andere junge Leute, darunter viele Obdachlose, den Darstellern nacheifern wollten und sich ebenfalls vom Dach aus das Bahnhofsviertel von oben anschauen wollten. Die Center-Leitung musste besondere Sicherungsmaßnahmen treffen.

Im rund um die Uhr geöffneten Center, das zu jeder Tages und Nachtzeit betreten werden kann, werden Teilbereiche mit Video überwacht. Es gibt einen uniformierten Sicherheitsdienst, aber auch Aufpasser in Zivilkleidung. Über einen Generalschlüssel verfügen nur drei Personen: der Eigentümer, der Manager und der Leitwart, der bei Notfällen wie Feuer oder Havarien eingreift.

Schauspieler Günter Pfitzmann (1924–2003) arbeitete einen Tag lang als Center-Manager des Europa-Centers. Allerdings nur für die SFB-Fernsehserie „Direktion City“.

Der Szene-Club „Puro Lounge“, in dem vor allem immer am Donnerstag großer Partytag ist, erhält demnächst eine Dachterrasse. Sobald die behördliche Genehmigung vorliegt, können die Gäste den Sonnenuntergang direkt unter dem Mercedes-Stern genießen.

Kaum jemandem ist bekannt, dass die Wasseruhr im Erdgeschoss „Uhr der fließenden Zeit“ heißt. Es gibt asiatische Reisegruppen, die sogar mitten in der Nacht vorbeikommen, um sie sich anzuschauen. Die 13 Meter hohe Uhr erstreckt sich über drei Etagen. Die Zeit wird in einem Kreislauf durch flüssigkeitsgefüllte Glaskugeln angezeigt.

Im Untergeschoss des Flachbaus gibt es eine Fahrstraße rund um den Gebäudekomplex. Sie dient als Anlieferzone für die Geschäfte. Die Einfahrt befindet sich im Parkhaus an der Nürnberger Straße. Laster und Lieferfahrzeuge fahren unterirdisch Richtung Breitscheidplatz. Der Bierlieferant für das Restaurant Mövenpick fährt so unterirdisch vor und befördert die Fässer zum Schluss mit dem Aufzug nach oben. Für die 60er-Jahre eine höchst innovative Lösung.

Der Pool der Thermen am Europa-Center, die ein eigenes Gebäude auf dem Parkhaus besitzen, diente anfangs als Bassin für die Sprinkleranlage. Bei Feueralarm wäre daraus das Löschwasser gepumpt worden. Das ist heute anders. Löschwasser kommt aus der Leitung.

Das Kabarett „Die Stachelschweine“, 1949 in dem Künstlerlokal Badewanne unweit der Gedächtniskirche gegründet, gehörte im Europa-Center zu den ersten Mietern. Am 17. April 1965, also knapp zwei Wochen nach der Eröffnung des Hauses, gaben die Stachelschweine dort ihre erste Vorstellung. Titel: „Vor 20 Jahren war alles vorbei“.

Hauseigentümer Christian Pepper und sein Sohn sind häufig im Europa-Center, sie kaufen dort ein, besuchen Restaurants. Wer sie kennt, grüßt sie. Wer sie nicht kennt, läuft an ihnen vorbei. Die „Hausbesichtigung under cover“ hat Pepper vom Vater übernommen.

Um den Mercedes-Stern auf dem Dach kümmert sich die Daimler AG höchstpersönlich. Alle zwei Monate wird der Stern gewartet. Dabei wird er auch gereinigt. Die Putz- und Wartungsfirma schickt die Stuttgarter Zentrale des Unternehmens. Der Stern wurde erst einmal komplett ausgewechselt.

4800 Megawattstunden Fernwärme verbraucht das Europa-Center jährlich. Außerdem 4,7 Millionen Kilowatt Strom und 80.000 Kubikmeter Wasser.

Bevor der Betrieb morgens losgeht, der Bäcker öffnet um 7 Uhr, säubert der Reinigungsdienst frühmorgens die Passagen. Die Fenster werden zweimal im Jahr geputzt, mit einer Korbanlage, aus der die Reinigungsleute die Scheiben säubern. Fest angestelltes Technik-Personal, 17 Mitarbeiter, kümmern sich darum, dass alles funktioniert. Die Haustechnikzentrale befindet sich im Keller.