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Konzentrierte Mischung

Kooperation von Charité und Vivantes bei medizinischer Versorgung und Einkauf spart in diesem Jahr mehr als 35 Millionen Euro

Durch die Kooperation des Universitätsklinikums Charité mit dem landeseigenen Krankenhauskonzern Vivantes werden in diesem Jahr mindestens 35,4 Millionen Euro eingespart. Das geht aus einem Bericht der Senatsverwaltung für Wissenschaft an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hervor. Allerdings hatte der Senat im Jahr 2010, als eine intensivere Kooperation beschlossen wurde, eine Zielvorgabe von 45 Millionen Euro pro Jahr gemacht. Sie soll „durch gemeinsame Projekte zum Einkauf von Produkten beziehungsweise zur Erstellung medizinischer Leistungen“ erbracht werden, heißt es im ersten Halbjahresbericht des Jahres 2013.

Es seien bereits erhebliche Synergieeffekte erzielt worden, stellt Wissenschaftsstaatssekretär Knut Nevermann (SPD) fest. Dies gelte vor allem für den gemeinsamen Einkauf sowie das neue gemeinsame Labor. Der „Ergebniseffekt“ liege im Vergleich zum Bericht vom Oktober 2012 um etwa eine Million Euro höher, was der Kooperation im Geriatriebereich und bei der Strahlentherapie zu verdanken sei. Wichtig sei, so Nevermann, dass es sich bei den Kooperationsprojekten um strukturelle Maßnahmen handele, die ein jährliches Einsparvolumen ermöglichten. Rechne man dies auf die kommenden zehn Jahre hoch, liege es insgesamt bei mehr als 350Millionen Euro.

Für das im April eröffnete gemeinsame Labor von Vivantes und Charité wird das diesjährige Einsparvolumen in dem Bericht mit 9,4 Millionen Euro angegeben. In den kommenden beiden Jahren soll es 10,2 und 10,7 Millionen Euro betragen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Sachkosten. Das Labor gilt im Senat als „Erfolgsmodell für die Kooperation“. Darüber hinaus konnte beim Neubau des Laborgebäudes der Berliner Investitionshaushalt um 13 Millionen Euro entlastet werden. Im Zusammenhang mit dem Aufbau einer gemeinsamen Strahlentherapie am Standort des Vivantes-Klinikums am Friedrichshain würden sich Einsparungen von Investitionsmitteln bis zu zehn Millionen Euro ergeben, so Nevermann.

39 Stellen an Charité abgebaut

Im Bereich der medizinischen Versorgungsleistungen ist das Kooperationsprojekt bei der Geburtsmedizin im Südwesten Berlins bereits abgeschlossen. Der Betrieb der Neonatologie (Neugeborenenmedizin) und Geburtsmedizin im Charité-Klinikum Benjamin Franklin wurde eingestellt, die Versorgung erfolgt nun bei Vivantes. Das bringt der Charité eine Einsparung von 1,5 Millionen Euro pro Jahr und Vivantes einen Erlöszuwachs von einer halben Million Euro. Damit wurden an dieser Stelle der Charité allerdings auch 39Vollzeit-Stellen abgebaut.

Nun stünde die Kooperation bei der Strahlentherapie im Mittelpunkt der Anstrengungen, so der Staatssekretär. Dafür wurde bereits eine Gesellschaft gegründet, bislang als Tochter der Charité, die auch die medizinische Leitung übernehmen soll. Es ist ein Neubau geplant, der im Frühjahr 2015 in Betrieb gehen soll. Im Gegenzug sollen die Strahlentherapien von Vivantes in Moabit und der Charité in Mitte eingestellt werden.

Weitere Zusammenarbeit bei der medizinischen Versorgung gibt es in der Geriatrie zwischen dem Charité-Klinikum Benjamin Franklin und dem Wenckebach-Krankenhaus. Hier soll die bestehende Zusammenarbeit noch ausgebaut werden. Ferner wurde mit der Gründung des „Europäischen Kompetenzzentrums für die Behandlung von Eierstockkrebs“ ein neues Kooperationsprojekt begründet.

Große Potenziale beim Einkauf

Die größten Einsparungen sind im Bereich Einkauf erzielt worden. Hier werden in diesem Jahr fast 24 Millionen Euro an Einsparungen erzielt. In den kommenden zwei Jahren soll diese Summe auf knapp 27 beziehungsweise knapp 30Millionen Euro steigen. Zu diesem Bereich gehören beispielsweise auch eine gemeinsame Abfallentsorgung sowie die Postdienstleistungen. Hierfür wurden gemeinsame Ausschreibungen bereits abgeschlossen.

Allerdings könnten die Synergien in diesem Bereich auch nicht beliebig ausgeweitet werden. Bei Einkauf und Speisenversorgung bestehe die Notwendigkeit, so Nevermann, die in den vergangenen beiden Jahren ermittelten Kooperationspotenziale einer Prüfung zu unterziehen. Sowohl beim Einkauf als auch beim Catering seien „die Hebung weiterer Effekte in der ursprünglich avisierten Größenordnung nicht mehr als gesichert anzusehen“.

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist mit den Ergebnissen zufrieden. „Mit den 35 Millionen Euro haben wir die größte Wegstrecke geschafft. Allerdings kommt es uns bei der Kooperation nicht nur darauf an, dass Geld eingespart wird. Etliche Maßnahmen der engeren Zusammenarbeit führen auch zu einer qualitativen Verbesserung der Arbeit der Institutionen und bringen Vorteile für die Patienten. Die nächsten Maßnahmen, die teilweise bereits auf den Weg gebracht sind, werden uns hier auch noch einmal weiter bringen. Die Kooperation ist zum Vorteil beider Institutionen und der Patienten.“

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) erklärte, der Senat halte weiter an der Zielmarke von 45 Millionen Euro Einsparungen fest und sei zuversichtlich, diese zu erreichen. „Diese Kooperation ist vor allem zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Berlin wichtig“, sagte Czaja. In diesem Zusammenhang sei etwa die Stärkung der Onkologie am Standort Friedrichshain hervorzuheben. „Die Akteure arbeiten so gut zusammen wie noch nie. Das liegt auch an der Zusammenarbeit von Andrea Grebe und Karl Max Einhäupl“, lobte er die Chefs von Vivantes und Charité.