S-Bahn-Netz

2014 droht bereits die nächste Sperrung im S-Bahn-Tunnel

Nach den Schienen müssen die Weichen erneuert werden

Nach dem Chaos ist vor dem Chaos. Wenn am frühen Morgen des 9. Dezember die ersten S-Bahnen über die erneuerten Schienen im Nord-Süd-Tunnel rollen, wird es wohl kein Jahr dauern, bis der viel befahrene Abschnitt des S-Bahn-Netzes erneut abgeklemmt wird. Wie Ulrich Burkhardt, Projektleiter der Bahntochter DB Netz, und Jens Hebbe, Leiter der Betriebsplanung bei der S-Bahn Berlin GmbH, am Dienstag bestätigten, muss der Tunnel der Linien S1, S2 und S25 bereits 2014 wieder für mehrere Wochen gesperrt werden. Während von Freitag bis zum 9. Dezember die Schienen erneuert werden, sind dann die Weichen dran, vor allem an den Stationen Potsdamer Platz und Nordbahnhof. Wahrscheinlich, so Hebbe, werde die Sperrung im kommenden Jahr sogar länger dauern als die nun anstehende. Außerdem soll der gesperrte Abschnitt dann bis zum Bahnhof Gesundbrunnen reichen. Die Arbeiten sollen frühestens im September 2014 beginnen.

Für Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbandes Igeb, ist das kaum nachvollziehbar. „Die Bahn muss sich schon fragen lassen, warum sie die Arbeiten nicht in einem Aufwasch erledigt“, sagte er. Aus seiner Sicht wäre dafür auch eine längere Sperrung vertretbar gewesen. „Zumal im Tunnel ja auch in den Wintermonaten ohne Unterbrechung gearbeitet werden könnte“, so Wieseke.

Die Bahn verteidigte ihre Planungen. Die Weichen im Tunnel seien wegen der engen Platzverhältnisse teilweise Spezialanfertigungen. Der Austausch erfordere daher „eine hohe konstruktive Vorleistung“. Laut Hebbe sind die Planungen noch in Arbeit. Der Austausch der Schienen – eigentlich für 2012 geplant, wegen der Sperrung der parallel verlaufenden U-Bahnlinie U6 aber verschoben – sei wegen des hohen Verschleißes aber nicht mehr aufzuschieben.

Nach Burkhardts Angaben sorgen die Platzverhältnisse im Tunnel schon beim jetzt beginnenden Schienenwechsel für erhebliche logistische Herausforderungen. Der Einsatz großer Gleisbaumaschinen ist nicht möglich. Die 60 Meter langen Schienenstücke müssen Stück für Stück angeliefert, montiert und verschweißt werden. Das treibt auch die Kosten in die Höhe. Allein 70.000 Euro gibt die Bahn für Brandwachen aus. Die menschlichen Feuermelder sollen auf den Bahnhöfen die automatischen Brandschutzanlagen ersetzen. Jene müssen wegen der Rauchentwicklung bei den Schweißarbeiten nämlich abgeschaltet werden.