Rekonstruktion

Prinz besucht Schlossbauhütte in Spandau

Berliner Architektenkammer kritisiert Braunfels-Entwurf

Ohne den Lauf der Geschichte könnte Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen das Berliner Stadtschloss sein Zuhause nennen. Bekanntlich kam alles anders. Eine emotionale Bindung zum Großprojekt Humboldtforum kann der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. bei der Besichtigung der Schlossbauhütte jedoch nicht bestreiten. Unter dem Dach der Schlossbauhütte in Spandau werden die Schmuckelemente für die Fassade des Humboldtforums hergestellt sowie Originale begutachtet und restauriert. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sophie Prinzessin von Preußen besuchte Prinz Georg am Montagvormittag den Rekonstruktionsort. „Ich habe natürlich nie in dem alten Schloss gelebt, aber ich kenne es noch aus Erzählungen meines Großvaters. Daher habe ich auch eine besondere Beziehung zum Humboldtforum“, sagt Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen.

Er befürwortet den Wiederaufbau des Stadtschlosses, auch wenn er sich diesbezüglich eher in der Rolle des normalen Bürgers sieht. „Unabhängig von unserer Familiengeschichte finde ich es als Bewohner von Berlin schön zu sehen, dass die Lücke in der Innenstadt nun geschlossen wird“, sagt der Prinz. In der Schlossbauhütte arbeiten Bildhauer und Restaurateure an den verschiedenen Objekten, unzählige Gipsfiguren lagern dort in Regalen. Nach der Zerstörung des Krieges und der Beseitigung durch die SED sind nur wenige Originalteile des Schlosses noch erhalten. „Einige waren in Museen, andere lagen einfach im Stadtbild herum oder waren von Privatpersonen nach Hause geschafft worden. Es kamen immer wieder Menschen auf uns zu, die meinten, sie hätten noch ein Teil des Stadtschlosses“, erzählt Carolin Herms von der Stiftung Berliner Schloss. Die neue Fassade wird daher aus einer Mischung aus rekonstruierten und Originalstücken bestehen.

Die Diskussion über das Großprojekt an der Straße Unter den Linden reißt indes nicht ab. Vor wenigen Wochen hatte der Architekt Stephan Braunfels eine radikale Umplanung gefordert. Um Kosten einzusparen, solle seiner Meinung nach komplett auf den geplanten modernen Anbau verzichtet werden. Das verantwortliche Architektenbüro um den Italiener Franco Stella sieht für den Ostflügel eine moderne Fassade vor, die fließend in die Barock-Fassade übergeht. Beim Vorstand der Stiftung Berliner Schloss, Manfred Rettig, stößt der Vorstoß von Braunfels auf deutliche Ablehnung. „Wir befinden uns bereits im Bau, eine Veränderung der ursprünglichen Pläne würde im Gegenteil zu einer Kostensteigerung führen“, sagte Rettig. Braunfels hatte sich ebenfalls an dem Wettbewerb für die Planung des Schlosses beteiligt. Die Architektenkammer widersprach der Darstellung Braunfels, er sei aufgrund von Verstößen gegen die Vorgaben ausgeschlossen worden.