Entschädigung

Ikea soll sich zu Zwangsarbeit in der DDR äußern

Uwe Lehmann-Brauns schreibt an Deutschland-Chef

Der schwedische Konzern Ikea hat sich aus der DDR Möbel und Möbelteile zuliefern lassen, die von Zwangsarbeitern hergestellt worden sind. Das haben Vertreter von Ikea Deutschland zwar schon im November 2012 eingeräumt. Dass es rund ein Jahr nach der Bestätigung der Vorwürfe aber noch keine Regelung über eine Entschädigung für die Betroffenen gibt, hält der Berliner Abgeordnete Uwe Lehmann-Brauns (CDU) für unbefriedigend. Er hat sich deshalb nun schriftlich an den Chef von Ikea Deutschland, Peter Betzel, gewandt.

Lehmann-Brauns möchte von der deutschen Tochter des schwedischen Konzerns Einzelheiten über die Kooperation mit der DDR erfahren. Sowohl der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, als auch DDR-Opferverbände hatten Ikea zuvor aufgefordert, Zwangsarbeiter zu entschädigen. „Soweit ich weiß, sind Ihrerseits konkrete Angebote zur Kompensierung jener Ausbeutung nicht gemacht worden“, schreibt Lehmann-Brauns an Ikea-Chef Betzel. Eine befriedigende Regelung sei aber „nur zu erwarten, wenn Zeit, Umfang und Einzelheiten der Fabrikation von Ikea-Möbeln in den Haftanstalten vorliegen“, so Lehmann-Brauns weiter.

Entschädigung offen

Der Parlamentarier möchte deshalb von Ikea wissen, über welche Dienststellen der damaligen DDR die Aufträge erteilt wurden und in welchen Haftanstalten diese Aufträge ausgeführt worden sind. Der Berliner Abgeordnete erkundigt sich auch, für welchen Stundenlohn politische Häftlinge die Möbelteile herstellen mussten und warum die Ikea-Führung keine Fragen an die DDR-Vertreter über die Herstellungsbedingungen gestellt hat.

Im November vergangenen Jahres hatte Ikea zugegeben, dass in den 70er- und 80er-Jahren politische Häftlinge und Strafgefangene in DDR-Gefängnissen an der Produktion von Komponenten und Möbelstücken, die an Ikea geliefert wurden, beteiligt waren. Das ergab sich aus einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die die Möbelkette selbst in Auftrag gegeben hatte. Laut der Studie, die nicht vollständig veröffentlicht wurde, hatte die Ikea-Zentrale in Schweden spätestens seit 1981 Hinweise darauf, dass Zwangsarbeiter an der Ausführung der Aufträge an die DDR beteiligt sein könnten. Deutschland-Chef Betzel hatte gesagt, er sei „tief betroffen“. Für Uwe Lehmann-Brauns ein unbefriedigender Umgang mit dem Problem. „Diese Äußerung kann als angemessene Lösung der Problematik nicht betrachtet werden“, schreibt er an Peter Betzel.

Bei Ikea wartet man hingegen auf die Ergebnisse einer weiteren Studie: Die Union der Opferverbände Stalinistischer Gewaltherrschaft (UOKG) untersucht derzeit, ebenfalls unterstützt von Ikea, wie Westfirmen von Zwangsarbeit in der DDR profitiert haben.