BVG

Ab durch die Mitte mit der U6

Das Umsteigen und Laufen hat ein Ende. Friedrichstraße soll im Dezember ebenfalls wieder geöffnet werden

„Dieses freudige Ereignis konnten wir uns nicht entgehen lassen“, sagen Barbara und Jürgen Senst wenige Minuten nach 7 Uhr am Sonntagmorgen. „Wir mussten unbedingt mit der ersten U-Bahn nach der Streckeneröffnung fahren. Das ist für uns ein kleines persönliches Fest.“ Seit Sonntag wird die U-Bahnlinie 6 nach fast eineinhalb Jahren Sperrung wieder durchgängig zwischen Alt-Tegel und Alt-Mariendorf befahren. Das Pendeln und Umsteigen zwischen den Stationen Hallesches Tor und Französische Straße sowie Schwartzkopff- und Friedrichstraße hat nun ein Ende. Das Ehepaar Senst wohnt nahe dem Bahnhof Hallesches Tor. Mindestens dreimal in der Woche müssen sie zum S- und U-Bahnhof Friedrichstraße. „Wir sind ab heute je nach Tageszeit zwischen 15 und 20 Minuten schneller dort“, sagen sie. Sie seien extra früh aufgestanden, wollten aber gleich im Anschluss an die U-Bahn-Tour sich noch einmal zu Hause ins Bett legen. Echte Fans.

Pünktlich um 6.56 Uhr fährt der erste Zug am Halleschen Tor ab, passiert den neu gebauten Abschnitt zwischen Französischer Straße und Friedrichstraße und fährt planmäßig gegen 7.02 Uhr im Bahnhof Friedrichstraße ein. Ungefähr 16 Monate lang mussten die Fahrgäste an der Station Französische Straße aussteigen und die ungefähr 500 Meter über die Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße zu Fuß zurücklegen oder die Ersatzbusse benutzen. „Mein Chef wird sich wundern, dass ich heute viel zu früh auf der Arbeit bin“, sagt Janina K. Sie habe nicht gewusst, dass die U-Bahn ab Sonntag wieder durchfahren würde, und sich dementsprechend früher auf den Weg gemacht. „Kann ja nichts schaden, dann habe ich einmal Verspäten gut“, fügt sie lachend hinzu.

Wenige Stunden später rollen und rattern die Züge durch den Untergrund, als hätte es nie eine Sperrung gegeben. BVG-Mitarbeiterinnen verteilen Schokoherzen. Das Unternehmen bedankt sich für die Geduld bei seinen Fahrgästen. „Es ist eine wirkliche Zeitersparnis, dass die Züge wieder durchfahren“, sagen Karolina und Christoph Czarnota aus Reinickendorf. „Der Fußweg entlang der Baustelle in Mitte hat bis zu 20 Minuten gedauert.“ Mitarbeiter entfernen Hinweisschilder und Infotafeln, die den Fußweg zwischen den Bahnhöfen und den Pendelverkehr erklärten.

Grund für die Unterbrechung waren Bauarbeiten für den künftigen Umsteigebahnhof Unter den Linden, wo sich die Linien 6 und 5 demnächst kreuzen. Täglich werden bis zu 155.000 Fahrgäste erwartet. 2019 soll alles fertig sein.

Bereits Anfang Dezember – und damit Monate früher als bisher angekündigt – sollen Autos immerhin wieder entlang der Friedrichstraße die Straße Unter den Linden queren können. Das bestätigte die Sprecherin von Verkehrssenator Michael Müller (SPD), Daniela Augenstein. Die Baustelle bleibe zwar erhalten, der unmittelbare Kreuzungsbereich mit dem Boulevard werde aber zumindest auf einer Spur freigeräumt, so Augenstein. Damit wird eine entscheidende Blockade für den Nord-Süd-Verkehr in der Berliner Mitte aufgelöst. Seit eineinhalb Jahren ist die Friedrichstraße an diesem Knotenpunkt Sackgasse.

Während sich die Bahnpendler vor allem über die Veränderungen unter der Erde freuen, sind die Einzelhändler an der Friedrichstraße weniger begeistert über das Ende der U-Bahn-Unterbrechung. Nach Angaben eines BVG-Sprechers hätten einige Geschäftsleute den Wunsch geäußert, die Baustelle über die Weihnachtszeit bestehen zu lassen.

Ab Freitag S-Bahn-Sperrungen

Die Verschnaufpause für Fahrgäste wird indes nur kurz ausfallen. Bereits am kommenden Freitagabend, 22. November, wird die S-Bahn den Nordsüdtunnel für 16 Tage komplett sperren. Bis zum 9. Dezember, 1.30 Uhr, werden auf 7,5 Kilometer Länge verschlissene Schienen sowie eine defekte Weiche ausgetauscht. Auch eine Dauersignalstörung soll behoben werden.

In dieser Zeit wird der Zugverkehr auf den Linien S1 (Oranienburg–Potsdam) und S2 (Bernau–Blankenfelde) zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof unterbrochen. Die S25 (Hennigsdorf–Teltow) fährt im Süden nur zwischen Teltow und Anhalter Bahnhof, im Norden nur bis Gesundbrunnen und dann weiter als S45 über den Ostring in Richtung Flughafen Schönefeld. Gleichzeitig wird aber am 22. November die aktuelle baubedingte Unterbrechung der S25 zwischen Schönholz und Tegel aufgehoben. Betroffen von den Einschränkungen werden rund 80.000 Fahrgäste sein, die täglich die wichtigen Nordsüdlinien im Innenstadtbereich nutzen.

Die Bahn empfiehlt, den gesperrten Abschnitt mit der Ringbahn oder den U-Bahnlinien U6 und U8 zu umfahren. Um die Zwischenstationen zu erreichen, richtet die S-Bahn zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof zudem einen Ersatzverkehr mit Bussen ein, die allerdings erheblich mehr Fahrzeit benötigen werden. Die Sperrung des kurvenreichen Nordsüdtunnels ist laut Deutscher Bahn dringend notwendig, weil 15.000 Meter abgenutzte Schienen komplett ausgetauscht werden müssen. Ein Pendelverkehr ist während der Bauarbeiten aus Sicherheitsgründen nicht möglich. „Dafür ist der Platz im Tunnel zu eng“, sagt Projektleiterin Gabriele Neumann von der Bahntochter DB Netz.

Das zweite Gleis werde zudem gebraucht, um per Zug Material zur Baustelle zu bringen. Auch bei der U-Bahnlinie 6 sind die Arbeiten noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Zugsicherungstechnik für den neuen Kreuzungsbahnhof muss noch installiert und angeschlossen werden. Voraussichtlich im Frühjahr 2014 wird es für mindestens zwei Wochen erneut Pendelverkehr auf der U6 geben.