Geburtstag

Der Mann, der die CDU wieder an die Macht brachte

Frank Henkel, Innensenator und Landesvorsitzender, hat turbulente Zeiten in der Union erlebt. Am heutigen Sonnabend wird er 50 Jahre alt

Der Werbeslogan der Stadt – be Berlin – wird gemeinhin mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit verbunden. Der stehe für die neue Metropole. Dabei passt der Slogan zu Frank Henkel, seinem Stellvertreter, auch gut. Der siedelte 1981 nach genehmigtem Ausreiseantrag als 17-Jähriger mit seinen Eltern von Ost- nach West-Berlin über. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre, studierte an der Fachhochschule für Wirtschaft und der FU, arbeitete als Rundfunkjournalist bei dem ersten privaten Radiosender der Stadt und machte im vereinten Berlin politische Karriere. Eine Biografie, in der sich die überwundene Teilung der Stadt widerspiegelt. Am Sonnabend wird der Innensenator und CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel 50 Jahre alt.

Sein Aufstieg zum zweiten Mann in der Landesregierung war nicht kometenhaft, das hätte auch nicht zu ihm gepasst: 1986 Eintritt in die CDU, neun Jahre Fraktionschef in der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte, 2001 dann der Wechsel ins Landesparlament. Dort war er fast sieben Jahre lang Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, als die zerstrittene Hauptstadt-CDU im Herbst 2008 erneut in eine schwere Krise taumelte: Die Abgeordnetenhaus-Fraktion wählte ihren Vorsitzenden Friedbert Pflüger ab, nachdem der unabgesprochen Ambitionen auf den Landesvorsitz der Partei deutlich gemacht hatte. Frank Henkel wurde zu seinem Nachfolger gewählt, mit knapp 90 Prozent der Stimmen. Kurz darauf trat auch CDU-Landeschef Ingo Schmitt zurück. Am 18. November 2008, zwei Tage nach seinem 45. Geburtstag, stand Henkel an der Spitze der Berliner CDU. Das hätte man wenige Monate zuvor nicht unbedingt erwartet, aber als die Krise eskalierte, lief alles auf ihn zu.

In der Folgezeit gelang es ihm, Ruhe in die Partei zu bringen und sie als zukunftsfähig zu präsentieren. Gleichzeitig profilierte er sich als Oppositionschef. Vor allem auf dem Feld der Innen- und Sicherheitspolitik attackierte er den rot-roten Senat. Nach der Abgeordnetenhauswahl 2011 rechnete das politische Berlin mit einer rot-grünen Landesregierung. Die platzte schon nach dem ersten Koalitionsgespräch, die SPD ging auf die CDU zu. Die rot-schwarze Koalition kam schnell und unaufgeregt zustande, auch weil Klaus Wowereit und Frank Henkel offenkundig gut miteinander harmonierten. Bezeichnend ihre Auftritte vor den Medien in jenen Tagen. Betont gleiches Outfit: dunkles Sakko, weißes Hemd, offener Kragen, kein Schlips. Dazu der launige Spruch „Wir mögen bequemes Arbeiten.“

Nach zehn Jahren in der Opposition hatte der Chef die Hauptstadt-CDU unaufgeregt in die Regierung zurückgeführt. Seitdem musste Henkel einige Probleme mit Amtsträgern seiner Partei überstehen. Justizsenator Michael Braun verließ den Senat schon wenige Tage nach der Wahl, Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz nach neun Monaten. Staatssekretär Michael Büge musste als Mitglied einer umstrittenen Burschenschaft seinen Posten aufgeben. Auch in seinem eigenen Amtsbereich wehte der Wind teilweise kräftig von vorn, vor allem, als gravierende Pannen bei Polizei und Verfassungsschutz im Zusammenhang mit dem NSU-Skandal und der Arbeit von V-Leuten offenkundig wurden.

Andererseits hat er eine peinliche politische Altlast beseitigt, die Besetzung des Präsidentenpostens bei der Polizei, und den Kampf gegen kriminelle Rocker intensiviert. Vor einigen Monaten sagte Frank Henkel zur Arbeit von SPD und CDU: „Meine Bilanz fällt so aus, dass das Glas eher halb voll als halb leer ist. Was wir gemeinsam gemacht haben, kann sich sehen lassen.“ Sein Credo: „Wir räumen da auf, wo Berlin nicht funktioniert.“

Spitzenpolitiker werden permanent kritisiert, das gehört zum Job. Frank Henkel ist bisweilen anzumerken, dass ihn Kritik ärgern kann. Das hat ihm Sympathien eingetragen, auch bei Menschen, die mit der CDU nichts am Hut haben. Wer ihn begleitet, erlebt viele Situationen, in denen er Gefühle, Nachdenklichkeit, Zweifel offenbart – ob im Gespräch mit Frauen, die vor prügelnden Ehemännern ins Frauenhaus geflüchtet sind oder bei der Trauer um Jonny K. Auch wenn für ihn oft das Bild des Felses in der Brandung bemüht wird, Frank Henkel ist kein Machtpolitiker, an dem letztlich alles abperlt.

Er hat einen Wertedialog angeschoben, für den er durch Berlin tourt. Er weiß, dass Politik bedeutet, kleine Schritte zu machen, aber er hat einen Kompass. Im vergangenen Jahr wurde er, mit 48, Vater eines Sohnes. Dadurch habe sich sein Blick auf viele Dinge verändert, sagt er. Das alles macht ihn authentisch. Heute feiert er seinen Geburtstag, natürlich in Mitte. Die CDU richtet für ihn einen Empfang in „Clärchens Ballhaus“ mit mehr als 200 Gästen aus.