Die Berlin.Macher: Start-Ups im Porträt - Die Serie über Gründer und ihr

Ein Kranz für alle Fälle

Die Gründer von „Etagen-Erika“ liefern Balkonpflanzen und Gestecke bis vor die Haustür. Tipps für jede Jahreszeit inklusive

Die Blumen auf Berliner Balkonen sind häufig schlecht gepflegt oder gar vernachlässigt. Und selbst die Pflanzen, die mit den besten Vorsätzen in die Erde gesetzt worden sind, fristen oft ein trostloses Leben. Viele Balkonbesitzer haben keine Ahnung von Blumen, keine Zeit und keine Lust, sich der Pflege zu widmen. Für alle, die völlig ohne grünen Daumen auf die Welt gekommen sind, aber trotzdem einen blühenden Balkon haben möchten, ist Etagen-Erika eine Lösung.

Kein grüner Daumen, kein Auto?

„Viele hätten gerne einen schönen Balkon, wissen aber nicht, welche Pflanzen zu ihrem Balkon passen. Oder sie haben kein Auto, um mal eben 50 Liter Blumenerde zu transportieren“, sagt Susanne Feldbauer. Selbst aufgewachsen mit der Liebe zu Blumen, kam ihr 2012 gemeinsam mit Katrin Schübel die Idee, den Menschen gärtnerisch unter die Arme zu greifen. Schon kurze Zeit später, im Mai 2013, gingen sie mit ihrer Internet-Plattform „Etagen-Erika“ online. Seitdem bringen sie das Grün auf Berliner Balkons.

Etagen-Erika liefert saisonale Pflanzensets mit Erde und Pflegeanleitung zum Selbstpflanzen direkt auf den Balkon. Kein Tragen schwerer Erdsäcke in den fünften Stock, kein Grübeln, warum die Pflanze schon nach einer Woche aussieht, als hätte sie jeglicher Lebensmut verlassen. Bei der Auswahl der Pflanzen kann sich jeder Kunde individuell beraten lassen. So werden nur diejenigen Blumen oder Kräuter gepflanzt, die auch wirklich zu den Bedingungen auf dem jeweiligen Balkon passen. Auf der Website stehen verschiedene Pflanzensets zur Auswahl, die sich jeder selbst zusammenstellen kann. Bei Bedarf werden auch die passenden Kästen und Gefäße mitgeliefert. Sollte es doch einmal Probleme beim Anwachsen der Pflanzen geben, kann sich der Kunde vertrauensvoll an Pflanzendoktor Erika wenden. Einfach in einer Mail das Problem schildern und dann auf Hilfe warten. Erika erklärt dann, was möglicherweise beim Einpflanzen falsch gemacht wurde.

Im Moment beliefert Etagen-Erika Haushalte innerhalb des S-Bahn-Rings sowie in Potsdam. Von Frühjahr 2014 an soll auch Hamburg hinzukommen. Eine weitere Ausweitung auf München ist derzeit in Planung. „Für uns ist der Nachhaltigkeitsgedanke besonders wichtig. Dafür arbeiten wir eng mit Gärtnern aus der Region zusammen. Unsere Pflanzen sind alle winterhart, und wir garantieren aufgrund der Qualität jahrelange Freude an den Blumen“, sagt Katrin Schübel. Ausschlaggeben dafür sei die gute Züchtung. „Bei uns sind die Pflanzen nicht mit irgendwelchen Wachstumsbeschleunigern hochgezüchtet, um sie dann schnell zu verkaufen. Ein Lavendel blüht nun mal nicht im April. Der muss langsam angezüchtet werden, sonst hat er noch gar keine Wurzeln entwickelt“, erklärt Schübel weiter. Die Freundinnen waren in ihrem Bekanntenkreis schon öfter um Rat gefragt worden, wenn es um sterbende Pflanzen ging. „Wir haben uns schon immer viel mit Pflanzen und unseren Balkonen auseinandergesetzt. Bekannte haben mir längst tot geglaubte Blumen in Pflege gegeben, die ich dann immer wieder aufgepäppelt habe“, sagt Katrin Schübel. Bevor die beiden Etagen-Erika gründeten, waren sie in der Filmbranche tätig. Nach anfänglichen Versuchen, beide Jobs unter einen Hut zu bekommen, ist das Start-up nun ein Vollzeitjob.

„Für mich bedeuten Pflanzen Entspannung. Egal, wie stressig mein Arbeitstag war, wenn ich nach Hause komme und ein bisschen auf dem Balkon rumfriemel, ist alles wie weggeblasen“, sagt Susanne Feldbauer. Dieses Stück Entspannung möchten sie auch anderen näherbringen. Die Sets sind daher bei ihrer Lieferung auch noch nicht eingepflanzt. „Wir würden unsere Kunden um den ganzen Spaß bringen, wenn sie alles schon fertig nach Hause bekämen. Außerdem wollen wir auch ein größeres Bewusstsein im Umgang mit der Natur schaffen“, sagt Katrin Schübel.

Berlin ist wilder

Gibt es etwas Typisches für Berliner Balkons? „Die Menschen mögen hier gerne eine etwas wildere Bepflanzung. Ich denke, in München sind die Balkone strukturierter“, sagt Susanne Feldbauer. Katrin Schübel pflichtet ihr bei: „Vor allem pflanzen die Menschen hier ihre Blumen in alle möglichen Gefäße und Wannen.“ Ansonsten seien die Geschmäcker aber wahrscheinlich nicht so verschieden.

Jetzt, wo der Winter bevorsteht, hat Etagen-Erika das Angebot umgestellt – und bietet Adventskränze an. Aber nicht die gängigen. Ein Beispiel: Grüne Kerzen stehen auf vier kleinen Birkenstümpfen, garniert mit einem Fliegenpilz. Der Kunde kann aus insgesamt zwölf verschiedenen Sets wählen – der Versand erfolgt bundesweit. „Unsere Kränze sind anders als normale Weihnachtskränze. Einer ist aus Zeitungspapier, der andere aus Stoffresten. Wir hatten einige verrückte Einfälle“, sagt Katrin Schübel und lacht. Auch die Kränze gibt es in der Do-it-yourself-Variante. Wer mag, bekommt alle Utensilien nach Hause geliefert und kann sich selbst am eigenen Adventskranz versuchen. Ansonsten gibt es die Kränze aber auch fix und fertig, wobei Kerzenfarbe und Art des Kranzes frei kombinierbar sind.

Wer Lust auf Etagen-Erika analog hat, kann ab kommendem Donnerstag im neuen Pop-up Store auf der Kastanienallee 34 vorbeischauen. Dort können Adventskränze bestaunt und bestellt oder direkt mitgenommen werden. „Wir werden vor Ort auch unsere Kränze produzieren. Da kann man uns dann in Aktion sehen“, sagt Susanne Feldbauer. Bis Mitte Dezember ist Etagen-Erika noch im Laden von Mazooka in Prenzlauer Berg zu Gast.