Nahverkehr

Die Weichen bei der Bahn stehen auf Winter

Auch die S-Bahn soll zuverlässiger fahren

Den vergangenen Winter hat Jens Homeyer in guter Erinnerung. Der war zwar kalt und lang, aber nicht ganz so schnee- und eisreich wie die Winter in den Jahren zuvor. Gerade einmal drei ICE-Züge musste Homeyer in dem von ihm geleiteten Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn auftauen lassen. Ein Grund dafür, dass zumindest in Berlin der Fernverkehr einigermaßen stabil und ohne größere Ausfälle lief. Anderswo sah dies längst nicht so gut aus. Zeitweise jeder vierte Zug ist nach Bahn-Statistiken im vergangenen Winter unpünktlich gefahren. Im bevorstehenden Winter will die Bahn nicht alles anders, aber vieles besser machen als in den Jahren zuvor.

„Eine Pünktlichkeit von 85 Prozent“, diese Zielvorgabe gab am Dienstag der Bevollmächtigte des Bahnkonzerns für Berlin, Ingulf Leuschel, für den Fernverkehr aus. Doch auch die Züge im Regional- und S-Bahn-Verkehr sollen zuverlässiger als in den Vorjahren fahren.

Insgesamt sieht sich die Deutsche Bahn gut auf Eis und Schnee vorbereitet. Mit einer besseren Personaleinsatzplanung und moderner Technik will sie chaotische Zustände wie etwa zum Jahresbeginn 2011 verhindern, als wegen zahlreicher technischer Probleme die Berliner S-Bahn nur noch nach einem „Notfahrplan“ fuhr. So stehen allein in Berlin 680 Mitarbeiter – größtenteils von privaten Dienstleistern – bereit, die das Schienennetz bei Bedarf von Eis und Schnee freihalten sollen.

Wichtigste technische Neuerung im ICE-Werk Rummelsburg ist die Außenreinigungsanlage für Züge, die so vergrößert wurde, dass dort ein kompletter ICE-2-Zug mit einem feinen Nebel aus warmen Wasser enteist werden kann. Die Kapazität reiche nun aus, um innerhalb von 24 Stunden sechs ICE von Eis und Schnee zu befreien, so Leuschel. Dadurch verringere sich die Zeit, die die Züge zur Wartung und für Reparaturen ungenutzt in der Werkstatt verbringen. Weiter investiert hat das bundeseigene Unternehmen auch in die Umrüstung der winteranfälligen Weichen. Insgesamt 5600 Weichen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern seien inzwischen mit Heizungen versehen, die Funktionsstörungen verhindern sollen. Bei der S-Bahn werden inzwischen 900 der insgesamt 1000 Weichen beheizt. Etwa 100 hätten zudem eine Verschlussfachabdeckung erhalten.

Als Sorgenkind gilt die noch für die DDR-Reichbahn entwickelte Baureihe 485. Die Züge fielen im vergangenen Winter reihenweise vor allem wegen Türstörungen aus. Die S-Bahn erhofft sich von einer Modifizierung der Türlaufleisten, dass das nicht mehr so oft vorkommt.