Gewalt

Mann wird verprügelt, weil er an roter Ampel anhält

Er hat sich an die Verkehrsregeln gehalten. Dafür wurde er brutal zusammengeschlagen.

Mohamed M. kann am Dienstag noch gar nicht fassen, was ihm einen Tag zuvor passiert ist. Es ist gegen 14 Uhr, Mohamed M. fährt mit dem Auto nach Hause. Er lenkt seinen silberfarbenen Opel in Wedding die Luxemburger Straße Richtung Osten entlang. „Ungefähr 50 Meter vor der Kreuzung Tegeler Straße sah ich, wie die Ampel auf Gelb springt“, erzählt der 36-Jährige. „Also habe ich gebremst.“ Da habe er den Mitsubishi bemerkt. Der Wagen schließt zu ihm auf, stellt sich neben ihn, die Fenster werden heruntergelassen, der Beifahrer spuckt auf den Opel. Man beschimpft Mohamed M. auf Arabisch. Der 36-Jährige versteht die Schimpftiraden, vor elf Jahren ist er aus dem Libanon nach Deutschland gekommen. Heute arbeitet er als Autohändler und wohnt mit Frau und zwei Kindern in Gesundbrunnen.

Als die Ampel auf Grün schaltet, will Mohamed M. weiterfahren, doch der Mitsubishi setzt sich vor ihn und bremst ihn aus. Fahrer und Beifahrer steigen aus und beleidigen den Mann weiter, weil er zu früh an der Ampel angehalten habe, wie es am Dienstag in der Meldung der Polizei heißt. Die Mitsubishi-Fahrer zerren den Mann offenbar aus seinem Auto. Während er mit einem der Männer diskutiert, habe er den anderen kurz aus den Augen verloren, sagt Mohamed M. „Plötzlich ist der mir in den Rücken gesprungen.“ Ein Schlag trifft den 36-Jährigen im Genick. Die Männer „hielten das Opfer fest und traktierten es auf brutalste Weise mit Faustschlägen, sodass es das Bewusstsein verlor“, heißt es im Polizeibericht. Mohamed M. geht zu Boden. Laut Polizei sagen Zeugen später, die Männer hätten ihn noch getreten, als er schon am Boden lag.

Er habe die Männer nicht gekannt, sagt Mohamend M. am Dienstag, nachdem er aus der Klinik wieder zu Hause ist. „Ich hätte nie gedacht, dass Menschen so aggressiv sein können.“

Augenzeugen hätten die Polizei gerufen und Erste Hilfe geleistet, sagt ein Polizeisprecher. Die Zeugen haben demnach auch gesehen, dass einer der Täter in dem Mitsubishi, der andere zu Fuß geflüchtet ist. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Weitere Zeugen des Vorfalls werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.