Berliner helfen

Heißer Tee, frische Verbände und ein Bett für die Nacht

Kältehilfe für Berlins Obdachlose gestartet - Notübernachtungen sind geöffnet

In dieser Woche hat offiziell die Berliner Kältehilfe begonnen. Seit 24 Jahren stellt das Netzwerk von Kirchengemeinden, Diakonie, Caritas dem DRK in der kalten Jahreszeit Übernachtungsplätze zur Verfügung, um Menschen vor dem Kältetod zu bewahren. Die Organisation der Berliner Kältehilfe ist ein bundesweit einmaliges System, bei dem sich neben kirchlichen und freigemeinnützigen Trägern viele freiwillige Helfer engagieren. „Ohne die zahlreichen Ehrenamtlichen könnten wir bei Weitem nicht so viele Übernachtungsplätze anbieten. Ihnen gilt meine tief empfundene Dankbarkeit“, erklärt Susanne Kahl-Passoth, Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Auch der Verein Berliner helfen und die Berliner Morgenpost unterstützen die Kältehilfe der Stadt und rufen die Leser zu Spenden auf. Im vergangenen Jahr und im Winter dieses Jahres wurden insgesamt 135.000 Euro für die Notübernachtungsplätze der Stadtmission, der Gebewo, die ganzjährige Notübernachtungseinrichtung in der Franklinstraße, die medizinische Versorgung der Obdachlosen und verschiedene Tages- und Nachtcafés gespendet. In diesem Jahr wollen Kirchengemeinden, Diakonie, Caritas und DRK im Durchschnitt täglich 433 Schlafplätze für Obdachlose zur Verfügung stellen. Bis zum 31. März 2014 sollen 16 Notübernachtungen und 13 Nachtcafés Schutz vor der Kälte geben. Je nachdem wie hart der Winter wird, müssen zusätzliche Plätze geschaffen werden. Auch die Kältebusse der Berliner Stadtmission und der DRK-Wärmebus werden Hilfsbedürftige aufnehmen und zu Notübernachtungen bringen. „Viele wollen aber nicht in die Unterkünfte, haben Angst, bestohlen zu werden, oder sind psychisch nicht in der Lage, mit vielen Menschen in einem Raum zu sein“, sagt Joachim Fuchs, Referent für Wohlfahrtspflege beim DRK und zuständig für den Wärmebus. Der fährt seit 1. November jede Nacht die Bahnhöfe und bekannte Übernachtungsplätze in Parks und unter Brücken an, um den Obdachlosen Hilfe anzubieten. „Wenn sie nicht in eine Unterkunft wollen, bekommen sie zumindest eine heißen Tee oder einen Schlafsack“, erzählt Jörg Hemmen, der seit 2009 zur Besatzung des Wärmebusses gehört. Er und drei weitere Kollegen sind dafür als Honorarkräfte beim DRK angestellt, dazu kommen noch 28 ehrenamtliche Fahrer. Finanziert wird der Bus aus Lottomitteln der Glücksspirale und durch Spenden auch von Berliner helfen.

Joachim Fuchs vom DRK schätzt die Zahl der in Berlin auf der Straße lebenden Menschen auf 600 bis 800. „Mehr als die Hälfte davon kommen aus Osteuropa, dem Baltikum und Russland, die allermeisten aus Polen“, sagt er. Diese seien oft Saisonarbeiter, die auf Berlins Baustellen arbeiteten und in den Containern schliefen. „Machen dann im Winter die Baustellen dicht, landen sie auf der Straße“, sagt Jörg Hemmen. Er und seine Kollegen vom Wärmebus haben eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Obdachlosen beobachtet: „Offene Beine, nässende Wunden und Infektionskrankheiten sind keine Seltenheit.“ Die Besatzung des Wärmebusses gibt auch gespendetes Verbandsmaterial aus und fährt akute Fälle in die Notaufnahme. In den meisten Fällen ist hoher Alkoholkonsum Ursache des schlechten Gesundheitszustandes und verhindert oft auch die Aufnahme in den Notübernachtungen, denn dort herrscht Alkoholverbot. „Wir arbeiten aber auch in diesen Fällen sehr gut mit Krankenhäusern, der Polizei und dem Wachschutz zusammen, um zu verhindern, dass Menschen auf der Straße erfrieren“, sagt Jörg Hemmen. Doch wenn jemand nicht in eine Notunterkunft will, kann er dazu auch nicht gezwungen werden.

Wer eine hilflose obdachlose Person sieht, kann unter Tel. 0170 910 00 42 direkt den DRK-Wärmebus informieren. Bis zum 31. März 2014 ist er jede Nacht von 18 bis 24 Uhr im Einsatz. Täglich von 19 bis 23 Uhr ist auch das Kältehilfetelefon Tel. (030) 81 05 60 425 besetzt.