Gartenlust

Der Duft der Schneebälle

Gabriella Pape rät dazu, schon vor dem Winter zu pflanzen

Es gibt eine Reihe von Gehölzen, die man sich unbedingt schon vor dem Winter in den Garten pflanzen sollte, da man sonst ihre Winterpracht verpasst. Ein echter Favorit, der sich bereits in die nächsten Monaten von seiner besten Seite zeigt, ist der Schneeball. Und in der Tat gibt es eine Reihe von Arten, die richtig runde, schneeweiße Bälle produzieren, wobei Sie als Gartenbesitzer immer darauf achten sollten, dass die Bälle auch stark duften, denn dieser Duft verströmt sich im Frühjahr in einer Reichweite von bis zu zehn Metern.

Meine zwei Lieblinge sind zum einen Viburnum x bodnantense „Dawn“, der nicht weiß, sondern rosa blüht, dafür aber dieses Schauspiel auch tatsächlich zweimal zu bieten hat, einmal im März/April und mit einer zweiten Blüte ab November. Zwischendrin produziert er dann noch eine hinreißende rotviolette Herbstfärbung. In der übrigen Zeit würde ich ihn eher als unaufdringlich beschreiben, daher sollte er unbedingt in den Hintergrund und nicht in den Vordergrund eines Beetes gepflanzt werden. Er blüht an einem völlig nackten Busch, jedenfalls hat man das Gefühl, der Strauch blüht geradewegs aus den Ästen büschelweise, im Unterschied zu anderen Sträuchern.

Der zweite Strauch meiner Wahl ist V. farreri, der Duftschneeball. Er blüht zeitgleich mit dem vorher Genannten ebenfalls zweimal und beginnt mit einer rosafarbener Knospe, die dann in Weiß übergeht. Allerdings kann durchaus festgestellt werden, dass meine beiden Lieblinge keine ballartigen Blüten haben, da gibt es noch Artgenossen, deren Blüten eindeutig klarere Kugelformen aufweisen. Zum Beispiel mag ich auch den Osterschneeball sehr, der echte schneeweiße Bälle trägt, jedoch erst Ende April bis Mai blüht. Zu dieser Zeit ist im Garten schon so viel anderes los, dass der Schneeball für mich einfach zu spät kommt. Allerdings muss man ihm zugute halten, dass er immergrün ist und sich sogar in bitterkalten Gegenden hält.

Eine echte Plage dagegen ist der Gemeine Schneeball, der macht momentan seinem Namen alle Ehre, denn sein gesamtes Blattwerk wird jahrein, jahraus ab Mai von den Larven des Schneeballblattkäfers völlig skelettiert, was ihn spätestens Mitte/Ende Juni trostlos aussehen lässt. Dieses Schadbild tritt fast ausschließlich beim einheimischen Schneeball auf, daher würde ich den gefüllten Japanischen Schneeball (V. plicatum) empfehlen. Er zeigt zur gleichen Zeit, also im Mai/Juni, eine spektakuläre, schneeweiße Blüte. Bei Sturm gleicht das Ganze dann einer wüsten Schneeballschlacht. Eine nahe Verwandte ist der breit wachsende Etagenschneeball V. plicatum „Mariesii“ (den Namen habe ich mir ausgedacht, weil die Blütenstände auf den Ästen wie auf Etagen sitzen). Er wird in den Gartenbüchern und Katalogen immer als kleiner Strauch von 1,5 bis zwei Metern ausgewiesen, aber bitte glauben Sie denen nicht, denn an einem guten Standort und mit einem glücklichen Händchen kann er drei bis vier Meter hoch werden.

Wer also einen kleinen Strauch haben möchte, sollte den kleinen Bruder V. plicatum „Watanabe“ kaufen. Apropos späte Blüte: Ich finde, dass die späten Schneebälle kaum noch duften. Am schönsten duften meines Erachtens die ganz frühen Schneebälle, die noch am nackten Strauch blühen. Die übrigen blühen alle im grünen Kleid, und diese können auch noch im nächsten Frühjahr gepflanzt werden. Wenn Sie sich aber noch in diesem Winter etwas Duft im Garten wünschen, pflanzen Sie bitte jetzt noch.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.