Bezirksamtssitzung

Bezirksamt in der Botschaft

Zum ersten Mal tagten die Politiker in der israelischen Vertretung

Zu einer ganz besonderen Sitzung haben sich die Stadträte des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf am Dienstag getroffen. Erstmals kamen die Dezernenten mit Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) zu ihrer wöchentlichen Dienstbesprechung in der israelischen Botschaft an der Auguste-Viktoria-Straße in Schmargendorf zusammen. Eingeladen hatte der israelische Gesandte Emmanuel Nahshon. „Wir sind keine Diplomaten im Elfenbeinturm, sondern Teil des Bezirks“, sagt Nahshon. Mit dem Treffen im Botschaftsgebäude wolle man zeigen, dass das Haus Teil des öffentlichen Berliner Lebens sei und trotz der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen seine Türen für Besucher offen halte.

An die reguläre zweistündige Bezirksamtssitzung, die generell nicht öffentlich ist und in der Themen und Probleme aus dem Bezirk besprochen werden, schloss sich ein Austausch mit dem Botschafter Yakov Hadas-Handelsman an. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Pflege der Städtepartnerschaften und die Verlegung weiterer Stolpersteine. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf unterhält seit vielen Jahrzehnten intensive Beziehungen mit den Orten Karmiel und Or Yehuda. 2015 werden gleich zwei Jubiläen gefeiert: Dann besteht die Partnerschaft mit der Stadt Karmiel genau 30Jahre und mit der Stadt Or Yehuda 50Jahre. Zu diesem Anlass werden Delegationen aus Israel in Berlin erwartet.

Gute und enge Kontakte

Botschafter Yakov Hadas-Handelsman betonte die „guten und engen Kontakte“ zum Bezirksamt. So bestünden die zwei Städtepartnerschaften nicht nur auf dem Papier, sondern würden sehr gut funktionieren. Zahlreiche Delegationen aus Karmiel hätten bereits den Bezirk besucht, während auch Charlottenburg-Wilmersdorfer in Karmiel zu Gast waren. Es gebe aber auch Kooperationen im Alltag zwischen Israel und dem Bezirk. Zum Beispiel träfe man sich des Öfteren im Fußballstadion, sagte der Botschafter. Es sei die erste, aber hoffentlich nicht die letzte Sitzung des Bezirksamtes in seinem Hause gewesen.

Verabredet wurde ein neues gemeinsames Projekt zur Aufrechterhaltung der Erinnerungen: Der Berliner Otto Jogmin (1894–1989) wurde von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem posthum als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet. Er war Hausmeister an der Wielandstraße 18 und hatte dort ein geheimes Zimmer gebaut, in dem er viele Juden versteckte und sie vor dem Holocaust rettete. Um die Erinnerung an Otto Jogmin zu bewahren, solle ein Projekt mit der Sophie-Charlotte-Oberschule initiiert werden, sagte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann.

In Charlottenburg-Wilmersdorf war vor dem Zweiten Weltkrieg ein großer Anteil der Bevölkerung jüdischen Glaubens. An die Schoah erinnern heute 2132 Stolpersteine im Bezirk. Sie werden am 9. November wieder mit Kerzen und Blumen geschmückt. An diesem Tag lädt Reinhard Naumann außerdem dazu ein, gemeinsam auf Spurensuche zu gehen und jüdische Erinnerungsorte zu besuchen. Treffpunkt ist um 14 Uhr vor dem Theater am Kurfürstendamm.