Oldtimer

Neue Halle für alte Autos

In Reinickendorf hat der Auto Classics Club ein Heim gefunden

Nur Kenner sehen auf den ersten Blick, um welches besondere Auto es sich handelt. Der silberfarbene Ford GT 40, entwickelt und gebaut 1963 und 1964 in Großbritannien, ist eine absolute Rarität. Nicht nur, dass der Rennwagen dieses Typs in den 60er-Jahren gleich viermal hintereinanderdas 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Es wurden zudem nur knapp 100 Exemplare bis 1968 überhaupt gebaut.

Heute gibt es weltweit nur noch wenige davon. „Vielleicht 20“, schätzt Jörn-Axel Meyer, der eines dieser seltenen Fahrzeuge besitzt. Jetzt sitzt er zusammen mit Ralf-Otto Limbach in dessen neuem Büro und tauscht sich über das Hobby aus. Beide wissen, dass man solch ein Auto „nur für sich selbst genießt – auf der Landstraße, in den Alpen“.

Limbach lebt mit seiner Frau und den drei Kindern erst seit vier Monaten in Berlin. In New York und Buenos Aires hat er gearbeitet, zuletzt wohnte die Familie in Verona. Fünf bis sechs Sprachen zu sprechen, bleibt da nicht aus. Doch jetzt hat sich der 51-Jährige, der unter anderem je zehn Jahre lang als Betriebswirtschaftler bei BMW und beim Volkswagen-Konzern beschäftigt war, seinen Lebenstraum verwirklicht.

Im Reinickendorfer Ortsteil Wittenau hat er einen Ort geschaffen für Autoliebhaber wie Jörn-Axel Meyer. In der denkmalgeschützten Industriehalle auf dem GSG-Gelände an der Lübarser Straße 40 treffen sich am heutigen Freitag mehr als 100 Menschen, um den neuen Treff zu feiern. Sie werden mit ihren Autos vorfahren. Jaguar, Porsche, BMW, Ferrari, Lamborghini, Borgward sind nur einige der Marken, die der Halle neues Leben einhauchen. Dort, wo vor 100 Jahren die 1832 gegründete Firma F.G. Dittmann Spezialfahrzeuge wie Postwagenaufbauten und Fernmeldewagen baute, stehen jetzt blitzende Karossen aus den 50er- und 60-Jahren.

Auto Classics Club Berlin GmbH heißt die Firma, die 83 Oldtimern in der 2400 Quadratmeter großen Halle und dem 400 Quadratmeter großen Nebenbereich mit Lounge und Terrassen eine gemeinsame Adresse gibt. Servicemitarbeiter Rainer Dumtzlaff pflegt die edlen Autos mit Fingerspitzengefühl. „Den Ford GT muss man ohne Wasser putzen. Das würde man aus den Vertiefungen und Ritzen gar nicht mehr rausbekommen“, sagt er fachkundig.

Ausflüge über den Kudamm

„Die meisten Oldtimer-Besitzer haben schon lange einen solchen Ort gesucht, nicht nur, um ihr Auto zu deponieren, sondern auch, um sich auszutauschen“, sagt der Geschäftsführer des Auto Classics Clubs, Ralf-Otto Limbach. Über Geld reden die Besitzer allerdings nur ungern. Oldtimer müssten nicht zwangsläufig etwas mit viel Geld zu tun haben. Der BMW 1602, mit dem er fahren gelernt habe, sei schon für ein paar Tausend Euro zu haben, berichtet Sammler und Exotenfreund Jörn-Axel Meyer. Den Ford GT 40 werde er aber „nie in seinem Leben verkaufen“, versichert er. Gute zwei Jahre hat er ihn. Die Ausflüge mit dem Fahrzeug sind zwar nicht häufig. Aber mal über den Kurfürstendamm oder auch den Lausitzring zu fahren, das mache schon Spaß. Auch sein zweites Oldtimer-Auto, ein Lotus 2/11, ausschließlich für Rennen gebaut, ist speziell. Gelb, ohne Windschutzscheibe und mit viel Power unter der Haube. Aber ohne Lüftung und Heizung. Beide Fahrzeuge haben aber eine Straßenzulassung, auch deshalb sind sie so selten. „Charaktervolle Autos“, nennt Meyer sie. „Man möchte auch ein bisschen Kultur erhalten, Autogeschichte“, sagt er.

Das Konzept des neuen Autoclubs findet Meyer gut. Vor allem, sich mit Gleichgesinnten über die Schätze, die man schon lange im Verborgenen hortet, auszutauschen, gefällt vielen Sammlern. Ralf-Otto Limbach, der die meisten seiner Oldtimer-Klienten im Internet in wenigen Monaten gefunden hat, will den Standort Wittenau als Nukleus anlegen. Von dort soll die Idee weiter wachsen. Er hatte in München, Hamburg und anderen Großstädten nach geeigneten Räumen für seine Idee gesucht. „Doch solche Hallen wie diese, pur, aus denen man etwas machen kann für diese spezielle Idee, gibt es am besten in Berlin“, sagt Limbach.

Auch er ist Klassikliebhaber durch und durch. Er besitzt einen Aston Martin DB 4, das Vorgängermodell des James-Bond-Autos aus den 60er-Jahren. Ein Porsche 911 von 1971 hat es ihm ebenfalls angetan. Beides seien sogar Gefährte für Familien. Natürlich sei es auch in seiner Familie so, dass seine Frau und die beiden Töchter nicht ganz so autoverliebt seien wie er und sein elfjähriger Sohn Max. Aber ein Ausflug am Wochenende mit der ganzen Familie in den Autos mache allen Spaß.

Und weil er das weiß, bietet er diesen Ausflugsservice mit Picknickkorb und ausgearbeiteter Route für seine Mitglieder an. Sollte das alte Gefährt dabei mal stehen bleiben und nicht mehr weiterwollen, holt Limbach die Ausflügler samt Pannenauto im Hänger zurück nach Berlin.