Kriminalität

Einbrecher im Visier

Die Polizei hat ihre Strategie im Kampf gegen Einbrüche verändert

Die Einbrecher kamen mit dem Fahrrad. Unauffällig in der Mittagszeit. Im Reihenhaus in Rummelsburg war niemand zu Hause. Die Männer hebelten mit einem Kuhfuß ein Fenster auf und kletterten ins Haus. Sie rissen Schubladen auf, machten sich die Taschen voll. Schmuck, Parfüm, ein Computer, Bargeld, eine Digitalkamera. Sie waren so beschäftigt, dass sie offenbar gar nicht hörten, wie die Frau des Hauses ihr durchwühltes Eigenheim betrat. Die 42-Jährige rief sofort die Polizei. Nach einigen Minuten waren Beamte da. Sie nahmen die Männer an Ort und Stelle fest. Beide, ein 22-Jähriger und ein 26-Jähriger, sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft.

Im täglichen Polizeibericht der Großstadt ist der Fall eine kleine Meldung. Jedoch gehört sie zu den Erfolgsgeschichten, die von der Polizei besonders gern veröffentlicht werden. Und tatsächlich gibt es nach Jahren negativer Meldungen über wachsende Einbruchszahlen einen neuen Trend: Acht Prozent weniger Einbrüche wurden nach dem Hoch von 2012 dieses Jahr bisher gezählt.

Konzepte erarbeitet

Wenn Innensenator und Polizeipräsident nun die erfolgreichen neuen Maßnahmen im Kampf gegen Einbrecher loben, gilt das unter anderem einem Team beim Landeskriminalamt, das sich eigens mit dem Thema befasst. Es ist beschäftigt damit, Konzepte zu erarbeiten, um Einbrechern das Leben schwerer zu machen. Zentraler Ansprechpartner der Polizei für die Einbruchsbekämpfung ist Inspektionsleiter Markus Henninger. Sein Job, den es seit anderthalb Jahren erst gibt, ist eine Reaktion auf die drastische Entwicklung der Einbruchszahlen in den letzten Jahren.

Die Strategie der Polizei hat sich zuletzt deutlich verändert. So wurde etwa die Kooperation mit der Staatsanwaltschaft intensiviert. Es gibt inzwischen klare Ansprechpartner bei der Staatsanwaltschaft für das Thema Wohnraumeinbrüche. Bestimmte Verfahren zu Einbrecherbanden werden im Zuständigkeitsbereich Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft bearbeitet. Und es gibt heute schneller einen Haftbefehl, wenn Einbrecher auf frischer Tat gefasst werden. Ohne Haftbefehl muss die Polizei mutmaßliche Täter nach spätestens 48 Stunden frei lassen. Gerade bei den sogenannten reisenden Tätern ohne Wohnsitz in Berlin bedeutet das aber oft, dass Tatverdächtige untertauchen können.

Strategisches Ziel der Polizei sei es, die „Kostenseite“ der Täter zu erhöhen, sagt Henninger. Gerade für die reisenden Täter, die sich ihre Aufenthaltsorte flexibel aussuchen können, solle Berlin ein „unangenehmes Pflaster“ sein. Zu der Strategie gehört auch, dass bei der Polizei personell aufgerüstet wurde. Seit Sommer arbeiten in allen Polizeidirektionen neue Zivilfahndereinheiten direkt für die Einbruchskommissariate. Sie beobachten Verdächtige, können sofort zugreifen oder besuchen auch mal polizeibekannte Wiederholungstäter zur „Gefährderansprache“ zu Hause. Auch die Beamten, die am Montag in Rummelsburg die Täter im Reihenhaus festnehmen konnten, gehörten zu der neuen „Operativkomponente Wohnraumeinbruch“, wie sie im Behördenjargon heißt.

Die Brennpunkte in der Stadt würden sich immer wieder leicht verschieben, sagt Henninger. Wilmersdorf, Charlottenburg und Schöneberg seien jedoch stets Hochburgen für Einbrecher. „Und generell gilt, dass entlang günstiger Verkehrsanbindungen, zum Beispiel in der Nähe von Autobahnen, viel eingebrochen wird, weil es gute Fluchtmöglichkeiten gibt.“ Geklaut werde vor allem Bargeld und Schmuck, auch kleinere Elektrogeräte. Alles, was sich schnell einstecken und wieder absetzen lässt. Wo die Ware landet, ist für die Polizei nur selten nachvollziehbar. „Schmuck wird sofort zum Pfandleiher gebracht oder eingeschmolzen“, sagt Henninger.

Auch wenn viele Einbrüche tagsüber geschehen, wenn die Bewohner bei der Arbeit sind – die Hochsaison der Einbrecher beginnt jetzt, im Herbst. Die Dunkelheit gibt Deckung und Täter können schnell erkennen, ob jemand zu Hause ist, wenn das Licht brennt. Henninger ist deshalb vorsichtig, die positive Entwicklung der Einbruchszahlen in diesem Jahr schon als Trendwende zu deuten: „Die dunkle Jahreszeit kommt gerade und mit ihr auch die professionellen Täter.“ Man sei aber auf dem richtigen Weg.

Doch auch die Berliner selbst könnten zum Schutz ihrer Häuser und Wohnungen beitragen, mahnt die Polizei. „Es fängt damit an, immer die Tür abzuschließen, auch wenn man nur kurz zum Bäcker geht“, sagt Georg von Strünck, Präventionsexperte der Polizei. „Einbrecher suchen nach einer leichten Gelegenheit, bei der sie wenig Krach machen müssen und schnell wieder draußen sind.“ Eine schnelle Maßnahme im Herbst und Winter sei es auch, mit Zeitschaltuhr und Lampe Anwesenheit zu Hause zu simulieren, wenn man abends nicht da ist. Langfristig rät von Strünck jedoch dazu, Türen und Fenster gezielt auf Sicherheitslücken zu überprüfen und gegebenenfalls Technik nachzurüsten.

Kostenfreie Beratung

Am kommenden Sonntag bietet die Berliner Polizei zum „Tag des Einbruchschutzes“ eine kostenfreie Sonderberatung an. Neben Polizisten erklären Experten von Fachbetrieben zwischen 11 und 18 Uhr im Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke in Tempelhof Möglichkeiten der Sicherungstechnik. Präventionsfachmann von Strünck verweist dabei auch auf die in den letzten Jahren gestiegene Zahl von abgebrochenen Einbrüchen. Die wachsende Versuchsquote zeige auch, dass immer mehr Berliner Vorsichtsmaßnahmen treffen würden, die Einbrüche erschwerten.