Schulspeisung

Gulasch und Gemüsepfanne im Massentest

Der erste Bezirk startet mit der Verkostung des Schulmittagessens. Das Verfahren schmeckt nicht jedem – Eltern fühlen sich schlecht informiert

Das große Testessen für ein besseres Schulessen hat begonnen. Gulasch und Gemüsepfanne in hundertfacher Ausführung werden Lehrer, Schüler und Eltern quer durch alle Bezirke probieren und dabei Punkte vergeben für Aussehen, Geruch, Mundgefühl und Geschmack. Den Anfang hat am Mittwoch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf gemacht. Insgesamt sind hier die Vertreter von 37 Grundschulen an zwei Terminen zu Tisch gebeten, damit sie die Bewerber für ihre jeweilige Einrichtung testen können. Testesser und Vertreter der Bezirksämter hielten sich am Montag jedoch extrem bedeckt über die Art der Bewerber und ihre Vorstellungen. Niemand will das aufwendige Verfahren durch unbedachte Äußerungen gefährden.

Berlinweit wird derzeit die Schulspeisung für 360 Grundschulen neu vergeben. Der logistische Aufwand in den Schulämtern der Bezirke ist enorm, denn es geht um mindestens 88.000 Mittagessen. Die Neuausschreibung ist nötig, weil der Preis für das Essen verändert wird. Während bisher eine Mahlzeit nicht mehr als zwei Euro kosten durfte und der günstigste Anbieter den Zuschlag erhielt, ist in der neuen Ausschreibung nun ein Festpreis von 3,25 Euro vorgesehen. Die Auswahl erfolgt über die Qualität. Ab Februar müssen die Eltern statt bisher 23 Euro dann 37 Euro pro Monat für das Schulessen zahlen. Dafür haben sie nun bei der Auswahl der Caterer mehr Mitspracherecht. Insgesamt haben sich mehr als 20 Anbieter an den Ausschreibungen beteiligt.

Die erste Massenverkostung für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf begann am Mittwoch um 16 Uhr im Oberstufenzentrum für Gastgewerbe. Es liegt an der Buschallee in Weißensee. Vier Stunden lang sollten die Essenkommissionen der Schulen Zeit haben, um die zwei Musterteller der Caterer zu begutachten. Dabei sollte es bei jedem Anbieter dasselbe Essen geben: Rinder-Gemüse-Gulasch mit Kartoffeln, Salat und Joghurtdressing und als vegetarisches Gericht Gemüsepfanne mit Reis, Obstsalat und Vanillequarkhaube. Im OSZ Gastgewerbe hat jeder Caterer einen Raum. Je nach Angebot serviert er das Essen vor Ort frisch zubereitet, aus Wärmebehältern oder nach dem sogenannten Cook and Chill Verfahren, wobei das gefrostete Essen vor Ort fertig gegart wird.

Schüler sollen mitkosten

Probiert wird das Essen von den vorher an den Schulen gewählten Ausschüssen, die mindestens aus drei und höchstens aus sechs Erwachsenen bestehen dürfen. Dabei sein sollen möglichst Vertreter der Pädagogen, der Eltern und der Schüler. Allerdings dürfen die Schüler aus vergaberechtlichen Gründen selbst keine Bewertung abgeben, sie sollen aber bei der Verkostung dabei sein und die erwachsenen Jurymitglieder beraten.

Doch schon vor dem ersten Testessen gab es Unmut an einigen Schulen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Geschuldet ist der Ärger vor allem der kurzen Vorbereitungszeit. „Wir haben erst am vergangenen Montag nach den Ferien den Termin für die Verkostung erfahren“, sagte Sibylle Stottmeyer, Leiterin der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule. So kurzfristig hätten sich die Elternvertreter nicht frei nehmen können. Auch die Schüler würden an der Verkostung nicht teilnehmen können. Der Weg von Hellersdorf bis nach Weißensee sei zu weit. Nach 20 Uhr hätte man die Kinder nach Hause begleiten müssen. Das wäre so schnell nicht zu organisieren, sagte die Schulleiterin. Vor allem die Eltern, die sich lange mit dem Thema Schulessen beschäftigt hatten, seien nun enttäuscht. Sollten einige Schulen nicht ausreichend vertreten sein bei der Verkostung, springt ein Team vom Bezirksamt ein. Einen Ausweichtermin gibt es nicht.

Viele Eltern fühlten sich nicht rechtzeitig informiert, sagte auch die Vorsitzende des Bezirkselternausschusses Dagmar Stoye. Einige hätten erst einen Tag vorher von dem Testtermin erfahren. „Dieses Vorgehen schadet der guten Idee, die Eltern zu beteiligen“, so Stoye. Auch die Handreichung der Senatsbildungsverwaltung für die Essensausschüsse stehe erst seit diesem Dienstag im Internet. Dabei sei darin erst erklärt, wie die Bewertung der Jurys abzulaufen habe. „Ursprünglich wurde versprochen, dass es für alle Essensausschüsse vorab in den Bezirken zentrale Schulungen geben soll. Jetzt sollen diese Schulungen erst stattfinden, wenn die Zuschläge für die Caterer erteilt sind“, sagte die Elternvertreterin.

Zutaten sind vorgegeben

Auch die Caterer sind nicht nur glücklich über das Verfahren, obwohl sie mit ihrem Boykott der vergangenen Ausschreibungen die Neuordnung selbst forciert haben. Für einen Preis von zwei Euro pro Mahlzeit sei die gewünschte Qualität des Essens nicht mehr zu liefern, argumentierten damals die Caterer. Nun müssen sich alle zu den neuen Bedingungen neu bewerben, was auch für die Anbieter eine große Herausforderung bedeutet. „Bei den Testessen in den Bezirken gibt es Termine, die sich überschneiden. Vor allem für kleine Caterer ist dieser Aufwand kaum zu stemmen“, sagte Rolf Hoppe, Sprecher des Verbandes der Schulcaterer Berlin Brandenburg.

Irritiert seien die Caterer auch durch die vorgegebenen Zutaten bei der Verkostung. Dadurch stehe fest, dass sich die Essen nur wenig unterscheiden würden. Insgesamt hält Hoppe wenig von der Verkostung. „Es ist klar, dass alle Caterer an diesem Tag versuchen, das Beste zu geben“, sagte Hoppe. Im Alltag könne das angebotene Essen ganz anders aussehen.

Die meisten Verkostungen finden bis Ende Oktober statt. In Friedrichshain-Kreuzberg beispielsweise beginnen die Tests ab Montag. Hier gibt es drei Termine für die 30 Grundschulen. In einigen Bezirken wie etwa Mitte sind die Bewerbungsfristen für die Ausschreibungen aber auch noch gar nicht abgelaufen. Doch die Zeit drängt. Nach der Verkostung müssen die Schulen noch die Umsetzungs-Konzepte der Bewerber bewerten. Die Ergebnisse müssen dann den Schulämtern mitgeteilt werden. Bis zum Jahresende sollen alle Zuschläge erteilt werden. Schließlich ist in den Mensen vor Ort bei einem Catererwechsel auch häufig ein Wechsel der Ausstattung nötig. Im Februar dann soll das neue, bessere Essen vor den Kindern auf dem Tisch stehen.