Energiewende

Ein kleines Stadtwerk am Schöneberger Gasometer

Gasag heizt und kühlt das Euref-Gelände klimaneutral

Es klang fast wie eine Bewerbung um die Rolle des umstrittenen Berliner Öko-Stadtwerks, was Gasag-Chef Stefan Grützmacher am Mittwoch auf dem Euref-Campus um den Schöneberger Gasometer vortrug. Es sei eine „Aufgabe der Gasag, die Energiewende zu managen“. Deshalb werde der 160 Jahre alte und früher landeseigene Gasversorger vom Lieferanten zum „Berliner Energiemanager“.

Als Vorzeigeprojekt kann die Gasag darauf verweisen, dass sie die Gebäude rund um den Gasometer für die nächsten 20 Jahre CO2-neutral mit Wärme und Kälte beliefern wird und dabei auch noch fast so viel Öko-Strom erzeugt, wie auf dem Euref-Gelände verbraucht wird. Grützmacher unterschrieb mit Euref-Chef Reinhard Müller den Vertrag über das Modellprojekt. „Es ist wichtig, die Energiewende in die Städte zu holen“, so der Gasag-Vorstandsvorsitzende.

Euref-Gründer Müller sagte, es gehe auch darum, schon heute zu zeigen, wie das Thema Energiewende zu bewerkstelligen sei. „Die Leute wollen sehen, wie es funktioniert“, sagte der Unternehmer, der seit 2008 das marode Gelände um das Stahlgerüst zu einem Vorzeigeort für nachhaltige Energienutzung gemacht hat. Inzwischen arbeiten mehr als 1300 Menschen auf dem Gelände.

Die Gasag wird in drei Bauabschnitten bis 2018 eine zentrale Wärme- und Kälteversorgung für bis zu 25 Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 165.000 Quadratmetern errichten. In drei Blockheizkraftwerken nutzt die Gasag ihr in eigenen Anlagen in Brandenburg erzeugtes Biomethan, wo sie neben Wärme auch sauberen Strom erzeugt, der für 2300 Haushalte ausreichen würde. Moderne Brennwertkessel und Kältemaschinen sowie die dazugehörigen unterirdischen Leitungen machen die Investition von fast acht Millionen Euro komplett. Pro Jahr spart das Projekt nach Angaben der Gasag 5700 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid ein. Wenn diese Anlagen stehen, lassen sich auch Nachfragespitzen abdecken, wie sie beispielsweise während Günther Jauchs Talkshow im Gasometer anfallen.

Nach Angaben des Euref-Chefs zahlt er für die saubere Wärme aus dem eigenen Kraftwerk nicht mehr als für die Fernwärme von Vattenfall. Die Nutzer nicht zu überfordern sei eine Voraussetzung für den Erfolg der Energiewende, sagte Müller. Ganz ohne Subventionen funktioniert das aber auch zwischen Euref und Gasag nicht. Denn die Gasag speist den erzeugten Strom ins Netz ein und kassiert dafür 22 Cent nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, für das die Stromkunden gerade zu einer erhöhten Umlage verpflichtet worden sind. Aus den Gewinnen aus dem Strom lasse sich die Wärme subventionieren, sagte Jörn Heilmann, Geschäftsführer der Gasag Contracting GmbH.