Flugrouten

Keine Diskussion

Fluglärmkommission und Gemeinden erteilen alternativen BER-Flugrouten vorerst eine Absage

Marcel Hoffmann kann nur fassungslos den Kopf schütteln. Stundenlang hat der Privatpilot aus Eichwalde am Konferenztisch der Fluglärmkommission in Schönefeld ausgeharrt. Eingeladen von den Gemeinden Blankenfelde-Mahlow, Wildau und Eichwalde. Die sind Fans einer Route, die der 63-Jährige neu ausgearbeitet hat. „Ich wollte meine Alternative nur zur Diskussion stellen“, sagt Hoffmann. Sein Vorschlag, der sich auf startende Maschinen auf der Südbahn Richtung Westen bezieht, sollte vor allem Menschen in der am stärksten vom Fluglärm betroffenen Gemeinde Blankenfelde-Mahlow entlasten. Aber auch die Dahlwitzer und Rangsdorfer hätten mit dem sogenannten Hoffmann-Modell erheblich vom Krach der Turbinen befreit werden sollen. Doch Hoffmanns Vorstoß läuft ins Leere.

Die Mehrheit der mit 32 Bürgermeistern und Vertretern der Luftbranche besetzten Kommission legte seine Variante am Montag zu den Akten. „Auf unbestimmte Zeit vertagt“, wie der Kommissionsvorsitzende Gerhard Steintjes sagt. Erst wenn der Flughafen in Betrieb sei, solle über Änderungen an dem umstrittenen Routensystem beraten werden.

Hoffmann selbst kam nur kurz zu Wort, durfte nicht ins Detail gehen. Per Abstimmung wurde ihm ein „Maulkorb“ verpasst. Was ihn grämt: „Als Kompromiss wurden die Anträge nicht als abgelehnt gewertet, sondern auf unbestimmte Zeit verschoben.“ Mehr als 20.000 Menschen könnten laut Hoffmann künftig vom Lärm verschont werden. Erneut schüttelt er den Kopf. „Zumal Flughafenchef Hartmut Mehdorn wie auch Vertreter der Deutschen Flugsicherung signalisiert haben, einer Debatte über veränderte Routen offen gegenüberzustehen.“ Immerhin das habe ihn versöhnt, so Hoffmann.

Steintjes verweist auf das demokratische Prinzip und die Mehrheitsentscheidung. „Die eine oder andere Gemeinde hat kein Interesse daran, dass das Bündel wieder aufgeschnürt wird.“ Die Kommission habe noch in Erinnerung, wie mühsam sie den geltenden Kompromiss ausgehandelt habe. Für Hoffmann eine frustrierende Reaktion. „Damit bleibt die gewonnene Zeit aus der Bauverzögerung ungenutzt, und viele Orte werden auch künftig niedrig überflogen werden“, sagt er. „Obwohl es vermieden werden könnte.“

Der Mann mit einer privaten Fliegerlizenz gilt unter den Experten der Branche als Kenner. Schon einmal hat er sich mit einer Routenlösung Gehör verschafft. Bei Abflügen von der Südbahn in Richtung Osten wird ein Teil der Maschinen gleich nach dem Start scharf rechts abbiegen – so Hoffmanns Variante, die die Fluglärmkommission aufgriff, und die von den Bundesbehörden schließlich übernommen wurde. Der Kurvenflug, so bestätigen Berufspiloten, sei in Sachen Flugsicherheit risikolos, Passagiere würden das Manöver kaum wahrnehmen. Die Entlastung für die Einwohner der Gemeinde Zeuthen dagegen sei erheblich. Die würden von einer hohen Dezibelzahl über ihren Köpfen weitgehend verschont bleiben.

Jetzt aber ist Hoffmann gescheitert. Obwohl auch sein neuester Vorschlag auf einer Kurve basiert. Danach sollen Maschinen, die auf der Südbahn Richtung Westen starten, im Winkel von rund 90 Grad gen Süden fliegen. Das dort überflogene Gebiet ist nur spärlich besiedelt. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) zeigt sich offen. „Wir brauchen aber einen Auftrag durch die Kommission“, so der Berliner DFS-Chef Hans Niebergall am Montag.

Ebenfalls vertagt ist die Empfehlung der Kommission zu den Routen, die die Flugsicherung zur temporären Nutzung der Südbahn vorgelegt hat. Ein Fall, der erst greifbar wird, wenn der Flughafen die stark frequentierte Nordbahn sanieren kann, also frühestens Ende Juni 2014. „Starts und Landungen würden dann ausschließlich von der Südbahn absolviert werden“, erklärt Niebergall. „Fünf mögliche Routen stehen zur Disposition.“ Routen, die der Kommission erst seit Montag vorliegen. „Zu kurzfristig, um entscheiden zu können“, gibt der Vorsitzende Steintjes den Konsens der Mitglieder wieder. „Die wollen sich einarbeiten.“ Und dann eine Bewertung am 18. November treffen, wenn das Gremium wieder tagen will.

Auf Eis gelegt ist auch die Debatte, welche Folgen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg für die Routen über Blankenfelde-Mahlow haben könnte. Die vom Fluglärm am stärksten betroffene Gemeinde hat im September einen Teilerfolg errungen: Zumindest von 22 bis 6 Uhr sollen von der Nordbahn startende Flieger in einer nördlichen Kurve das Gemeindegebiet meiden. Nun muss das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung eine Alternative berechnen. Doch die Behörde will abwarten, bis die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt. Und die Fluglärmkommission will dazu voraussichtlich ebenfalls am 18. November ein Votum abgeben.