Gerichtverhandlung

Verliebt in den Hauptangeklagten

Im Prozess um die ermordete Pferdewirtin sagt die beste Freundin einer Angeklagten aus

Im Prozess um ein Mordkomplott gegen eine junge Pferdewirtin hat das Schwurgericht des Berliner Landgerichts einen Arzt als Zeugen vernommen. Er schilderte einen früheren Anschlag auf die 21-jährige Christin R. Denn bereits zehn Wochen vor ihrer Ermordung war sie mit einer Schnittverletzung im Krankenhaus behandelt worden. Es sei eine reine Glücksache gewesen, dass damals keine lebenswichtigen Organe getroffen worden seien, sagte der Mediziner am Montag vor Gericht.

Seit März verhandeln die Richter gegen den Freund der Ermordeten und seine Mutter – die mutmaßliche Messerstecherin – sowie gegen drei Mitangeklagte. Die angeklagte Mutter und ihr Sohn Robin H. sollen den Ermittlungen zufolge auf den Namen von Christin R. acht Risikolebensversicherungen über insgesamt 2,4 Millionen Euro abgeschlossen haben, die sie nach ihrer Ermordung kassieren wollten.

Umfeld der Fleischfachverkäuferin

Vernommen wurden außerdem Zeugen, die aus dem nahen Umfeld der mitangeklagten Fleischfachverkäuferin Tanja L. kommen. Die Frau ist in dem Prozess bislang als Einzige geständig und gab einen Vergiftungsversuch an der jungen Pferdewirtin zu. Ihre beste Freundin sagte im Prozess aus, die Angeklagte fühle sich heute als schlechter Mensch. Damals sei sie schwer verliebt in den Hauptangeklagten gewesen.

Tanja L. hatte zu Protokoll gegeben, sie habe Robin H. während eines Reitturniers kennengelernt. Wenige Tage später habe er ihr per SMS seine Liebe gestanden. Sie sei darüber sehr glücklich gewesen. Als von der Ermordung Christin R.s die Rede gewesen sei, habe sich das Verhältnis gewandelt. „Ich hatte große Angst vor ihm“, so Tanja L. „Er hat gedroht, er könne auch zwei Frauen töten. Das würde ihm nichts ausmachen.“

Tanja L. hatte sich dann auch auftragsgemäß mit Christin R. getroffen und ihr heimlich eine Flüssigkeit in ein Getränk gemischt, die ihr Robin H. gegeben haben soll. Es handelte sich um Kaliumchlorid, das zwar Übelkeit verursachte, aber nicht zum Tod der arglosen Pferdewirtin führte.

Später, so Tanja L., habe sie die Beziehung mit Robin H. beenden wollen. Aber sie sei ihm nicht gewachsen gewesen, wie sie sagt. „Ich fühlte mich von ihm beobachtet und unter Druck gesetzt. Ich habe nicht gewagt zu widersprechen“, sagte sie vor Gericht.

Tanja L. war dann auch dabei gewesen, als es am 20. Juni 2012 zu dem verhängnisvollen Treffen mit Christin R. auf einem Parkplatz vor dem Freibad Lübars kam. Auch Robin H. soll anwesend gewesen sein, als der Auftragsmörder Christin R. von hinten angriff und erwürgte.