Bildung

Mehr Kinder von der Schulpflicht zurückgestellt

Ingesamt 3573 Kinder gehen ein Jahr länger in die Kita

Immer mehr Eltern verschieben den Schulbeginn für ihre Kinder um ein Jahr. Die Zahl der potenziellen Erstklässler, die wegen mangelnder Reife zurückgestellt wurden, ist in diesem Schuljahr erneut gestiegen. Nach Angaben der Bildungsverwaltung gibt es insgesamt 3573 Rückstellungen. Das sind 13,2 Prozent aller Kinder, die zum August schulpflichtig geworden wären. Im vergangenen Jahr lag die Quote noch bei 10,4 Prozent, davor bei 9,3 Prozent.

Seit 2010 ist es wieder möglich, die Einschulung um ein Jahr zu verschieben, wenn die Kita und die Schulpsychologie diese Rückstellung befürworten. „Wir haben damit gerechnet, dass mehr Eltern davon Gebrauch machen werden“, sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung. Überraschend sei jedoch die Verteilung in den Bezirken. So hat ausgerechnet der bildungsbürgerliche Bezirk Pankow mit 16 Prozent die höchste Quote an Kindern, die noch ein Jahr länger die Kita besuchen. Dicht gefolgt ist Pankow von den Bezirken Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg.

Im Bezirk Neukölln dagegen, wo viele Kinder Sprachdefizite haben, werden nur 11,4 Prozent der Kinder zurückgestellt. Am wenigsten Zweifel an der Schulreife ihrer Kinder haben offenbar die Eltern in Charlottenburg-Wilmersdorf. Hier ist der Anteil der Rückstellungen mit nur 9,1 Prozent der schulpflichtigen Kinder am niedrigsten.

Die Senatsbildungsverwaltung geht nicht davon aus, dass die Zahl der Rückstellungen mit dem vorgezogenen Einschulungsalter zusammenhängt. Die jetzt erreichte Quote sei vergleichbar mit der in den 90er-Jahren, als die Kinder noch ein halbes Jahr später eingeschult wurden, heißt es. In den vergangenen drei Jahren wurde allerdings das Verfahren zunehmend vereinfacht. Zum kommenden Schuljahr soll der Antrag für die Eltern noch leichter werden.

Ab Montag müssen alle Eltern, deren Kinder zum Schuljahr 2014/15 schulpflichtig werden, ihre Kinder an der zuständigen Grundschule anmelden. Wer eine Rückstellung wünscht, kann das schon auf dem Schulanmeldebogen ankreuzen. In einem Flyer, der an Kitas verteilt wird, werden die Eltern über die einzelnen Schritte informiert. „Mir ist es wichtig, dass Eltern ein transparentes Verfahren zur Schulanmeldung und auch Rückstellung vorfinden. Wenn Kinder noch nicht schulreif sind, dann muss es die Möglichkeit geben, sie in der Kita weiter zu fördern. Eine Rückstellung ist kein Makel“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).