Interview

Der Förderverein und seine Erwartungen

Thomas Ziolko ist seit 2004 Vorsitzender der Gemeinschaft der Förderer von Tierpark Berlin und Zoologischem Garten Berlin.

Seitdem ist die Zahl der Mitglieder von 500 auf 2000 angestiegen. Der 41-Jährige hat sich mit Morgenpost-Redakteurin Tanja Laninger über eine Neuausrichtung für Tierpark und Zoo unterhalten.

Berliner Morgenpost:

Herr Ziolko, was sollte der künftige Zoo- und Tierparkchef Andreas Knieriem aus Sicht der Förderer als erstes angehen?

Thomas Ziolko:

Er sollte zuerst mit den Mitarbeitern reden, dann mit Besuchern und schließlich mit allen gemeinsam ein Konzept entwickeln für Zoo und Tierpark.

Geht es etwas konkreter?

Unser Verein hat in den vergangenen Wochen mit Besuchern und Mitarbeitern Zukunftsdialoge geführt und mehr als 200 Vorschläge gesammelt. Eine Vielzahl betrifft den Service. So müsste die Beschilderung der Anlage, überhaupt das komplette Wegeleitsystem im Tierpark modernisiert werden. Es darf sich kein Besucher mehr verlaufen. Wir reden über 25 Kilometer Wegestruktur. Man kann thematische und Abend-Führungen anbieten. Das kostet wenig und lässt sich schnell umsetzen. Wichtig wäre außerdem, etwas einzuführen, was es längst in allen anderen deutschen Zoos gibt: dass man am Eingang mit seiner Eintrittskarte einen kostenlosen Lageplan erhält. Erst der nächste Schritt wäre die Umgestaltung von Anlagen.

An welche denken Sie?

Das gesamte Afrikanum hinter dem Elefantenhaus könnte man zügig zu einer Savannenlandschaft umgestalten. Man muss natürlich prognostizieren, wir hoch der Investitionsbedarf in sämtlichen Tierhäusern ist, vom Affen- über das Dickhäuter bis zum Krokodilhaus. Man sollte unterscheiden: Was lässt sich schnell machen, und wie hoch sind die Investitionskosten insgesamt. Ich bin mir sicher, dass Doktor Knieriem das schaffen wird. Er hat es in Hannover geschafft, er macht es in München, er schafft es auch in Berlin.

Aber woher soll das Geld kommen? Der alte Masterplan für den Tierpark kalkuliert mit einem Investitionsvolumen von 80 Millionen Euro.

Wenn man ein transparentes Verfahren praktiziert und die Masterplanung solide betreibt, dann werden Unternehmen den Prozess finanziell begleiten. Und auch das Land Berlin ist dann stärker in der Verantwortung und wird sich zur Mithilfe für die künftige Entwicklung von Zoo und Tierpark bekennen. Das haben Abgeordnete verschiedener Parteien schon seit Längerem bekundet.

Wie animieren Sie als Förderverein potenzielle Unterstützer, das Portemonnaie zu öffnen?

Wir bitten um Hilfe für ganz konkrete Projekte und haben eine Vielzahl von Angeboten. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Dieses Jahr wurde im Tierpark ein neues Röntgengerät benötigt. Unser Verein hat genau dafür zu Spenden aufgerufen und sehr schnell 50.000 Euro zusammengehabt. Das zeigt, dass die Menschen, wenn sie wissen, was benötigt wird, bereit sind, finanziell zu helfen. Das werden bestimmt auch Berliner Unternehmen machen, wenn ein solider Entwicklungsplan vorliegt. Und jetzt noch ein Vergleich: Der Zoo Duisburg hat keine Probleme damit, dass eines seiner Tierhäuser Air-Berlin-Haus heißt. Unser Tierpark hat wunderschöne Anlagen – was spricht dagegen, dass Unternehmen sich dort präsentieren? Kulturelle Einrichtungen machen das ja auch so.

Gibt es etwas, das Herr Knieriem als Zoochef in Berlin besser lassen sollte?

Doktor Knieriem wird mit dem Zoo Hannover und dem in München verbunden. Der eine ist ein Erlebniszoo, der andere ein Geo-Zoo, die Konzepte sind verschieden. So sollte es bleiben. Er wird sicherlich nicht bisherige Konzepte in Berlin kopieren, sondern die Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten und mit den Mitarbeitern hier gute Ideen verwirklichen. Wichtig ist, dass man wegkommt von der Ein-Mann-Show hin zum Mannschaftsspiel.

Beschreiben Sie damit die Art, wie der langjährige Direktor Bernhard Blaszkiewitz Tierpark und Zoo führt?

Der Tierpark und der Zoo müssen sich neu erfinden. Sie brauchen eine neue interne und externe Philosophie. Wir brauchen ein Klima der Kreativität und des Miteinander, um die kommenden Herausforderungen zu meistern.

Spüren Sie im Förderverein bereits Veränderungen, seitdem klar ist, dass ein neuer Chef kommt?

Wir haben schon davor Reaktionen erhalten, als Anfang August dieses Jahres bekannt wurde, dass der Vertrag für Direktor Bernhard Blaszkiewitz nicht verlängert wird. Seitdem verzeichnen wir eine ausgesprochen positive Mitgliederentwicklung. Wir haben mehr als 50 Neuaufnahmen, davon einige Wiedereintritte. Im Vergleich zum Jahr 2012 mit insgesamt 200 Neumitgliedern ist das eine riesige Entwicklung. Zoo und Tierpark kommen wieder ein Stück in die Gesellschaft zurück.

Stehen Sie persönlich schon in Kontakt mit Andreas Knieriem?

Wir haben bereits telefoniert und werden uns Ende Oktober in Berlin treffen. Ich habe menschlich einen sehr guten Eindruck, und ich höre auch aus der zoologischen Fachwelt nur Positives. Deshalb freuen wir uns als Förderverein auf die Zusammenarbeit mit ihm.