Wiedereröffnung

Blick frei aufs Bikinihaus

Das Traditionskino Zoo Palast macht den Anfang bei der Wiedereröffnung des restaurierten Baudenkmals

Die Gerüste sind verschwunden, die großen Buchstaben „Zoo Palast“ prangen wieder auf der Fassade. Restauriert. Auch die Leuchten auf der Fassade sind installiert. Im Eingangsbereich arbeiten die Glaser am Entree. Gleich nebenan wird noch an der großzügigen Freilufttreppe zur Dachterrasse für Bikini Berlin gebaut.

Die neue Shopping- und Gastronomie-Adresse an der Budapester Straße gleich gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, zu der auch der Zoo Palast gehört, will im Frühjahr an den Start gehen. „Die Bauabnahme hat termingerecht Ende September begonnen. Wir rechnen damit, dass die endgültige schriftliche Bestätigung der Bauabnahme seitens der Behörden für den Komplex Bikini Berlin in Kürze vorliegen wird“, sagte Kai-Uwe Ludwig, der Geschäftsführer von Bikini Berlin, auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Erst wenn die staatlich zertifizierten Experten den Bau geprüft haben und der gesamtverantwortliche Brandschutzbeauftragte abschließend grünes Licht bei der endgültigen Bauabnahme gibt, wird der Eigentümer des Bikini Berlin, die Bayerische Hausbau, die Mietflächen an die Nutzer freigeben. Dann erfolgt der Innenausbau der Läden und Restaurants. Erster bei der schrittweise geplanten Eröffnung wird der Zoo Palast sein. Hier hatte der Ausbau früher als in den anderen Räumen begonnen. Die eigentlich für den Oktober geplante Kinoeröffnung verschiebt sich jedoch in den November. Das genaue Datum soll demnächst bekannt gegeben werden. Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe, dem auch die Astor Film Lounge am Kurfürstendamm 225 gehört, hat nach der grundlegenden Sanierung neueste Kinotechnik einbauen lassen. Optisch stand das Eröffnungsjahr des Zoo Palastes, 1957, Pate. Originalfarben von damals schmücken den inzwischen restaurierten Innenbereich.

Insgesamt 1700 Sitzplätze in sieben Sälen wurden wiederhergestellt. Bezirk und Land hatten lange darüber mit dem Hauseigentümer, der Bayerischen Hausbau, verhandelt. Im Februar will die Berlinale im Zoo Palast wieder Filme zeigen. Neben den vier Kinosälen im denkmalgeschützten Altbaukörper, zwei aus den 50er-Jahren und zwei kleinere aus den 80er-Jahren, sind drei Neubaukinos entstanden.

Inzwischen geht auch die Vermietung der Flächen im neuen Bikini Berlin in die Endrunde. Italienische Schuhmode, avantgardistische Mode aus Pflanzenfasern wie Algen, Bambus, Eukalyptus oder Soja ziehen ein. Accessoires angesagter Trendlabels eines Stores aus Belgrad fehlen ebenso wenig wie ein Flagshipstore der Lautsprecher Teufel GmbH. In der ehemaligen Disco „Linientreu“ im Untergeschoss will die Berliner Firma auf 350 Quadratmetern eindrucksvoll ein Heimkino präsentieren. Und sogar die Sanitäranlagen haben bereits einen Betreiber gefunden: die holländische Firma 2theloo.

Bikini Pool mit Pop-up-Stores

17.000 Quadratmeter neue Fläche für Fashion, Lifestyle, Beauty und Gastronomie entstehen insgesamt im Bikini Berlin, dessen Schriftzug ebenfalls schon an der Stirnseite des Gebäudes prangt. Dabei setzen die Vermieter auf Bewährtes, aber vor allem auf Ausgefallenes. Bikini Pool ist dabei einer der Höhepunkte, dabei handelt es sich um eine Art modernen Marktplatz, der mit 20 viereckigen Holzboxen bestückt wird, sogenannten Pop-up-Stores. Das Umfeld ist passend: Viel Tageslicht und statt Edelstahl oder Naturstein sichtbare Betonrippendecken und pures, grün gestrichenes Stahlfachwerk, angelehnt an die Industriebauten aus den 60er-Jahren. Berliner Gehwegplatten auf dem Boden unterstreichen das architektonische Konzept. Die Holzboxen gibt es in unterschiedlichen Größen, von 19 bis zu 39 Quadratmetern. Die Mieten kosten 1850 bis zu 3100 Euro pro Box und Monat.

Darin können Newcomer ihre Ideen und Neuheiten präsentieren, erfahrene Unternehmen können aber auch neue Produkte oder Trends testen. Attraktiv für Geschäftsneulinge dürfte dabei auch die kurze Mietdauer sein. Sie beträgt drei Monate bis zu maximal einem Jahr. Der Wechsel ist Konzept dieses Marktplatzes, Bewegung im Pool ist erwünscht, damit die Kunden immer wieder Neues sehen. Die ersten Box-Mieter werden Schuhe, Lifestyle-Produkte und Kunst verkaufen. Events und Ausstellungen sorgen zudem für stetigen Wandel.

Oberhalb des zweigeschossigen Marktplatzes entsteht gerade die 7000Quadratmeter große Dachterrasse von Bikini Berlin, gleich gegenüber dem Affenhaus vom Zoo. Sie ist öffentlich zugänglich, wird begrünt und bietet den Flaneuren im nächsten Sommer Gelegenheit zum Besuch. Gastronomie inklusive. Beim Shoppingkonzept setzt Bikini Berlin auf Ausgefallenheit. Bis zu 65 Läden, davon 20 Prozent als Gastronomie, entstehen.

Bereits 2002 hatte die Bayerische Hausbau das Grundstück gleich gegenüber der Gedächtniskirche erworben. Doch die Pläne brauchten Jahre: Ende 2010 startete die Revitalisierung des denkmalgeschützten Ensembles zwischen dem Hochhaus am Hardenbergplatz und dem Kleinen Hochhaus, vor dem einst die Blaue Kugel stand. Der heutige Name Bikini Berlin, der sich als Marke etablieren soll, leitet sich von der Bezeichnung Bikinihaus ab. Die Berliner nannten das Haus so wegen seines einstigen von Säulen eingefassten Luftgeschosses im zweiten Stockwerk. Es teilte das Gebäude in einen oberen und unteren Bereich, den die Berliner mit der freizügigen Bademode des Bikinis assoziierten. Diese zweiteilig wirkende Architektur wurde wiederhergestellt.

Auch die Straßenfassade des Bikinihauses und die des Kleinen Hochhauses wurden originalgetreu im Stil der 50er-Jahre rekonstruiert. In den 80er-Jahren war sie hinter einer Kunststoffverkleidung verschwunden. Horizontal angebrachte Glasplatten in den Farben Sand, Bernstein, Schwarz, Marmorweiß und Steingrau dominieren die oberen Stockwerke, vertikal wurde die Fassade mit goldfarbenen Elementen eingefasst.

Aber auch die Fassaden an den neu erbauten Gebäudeteilen wie dem Kinoneubau, der Freitreppe zur Dachterrasse, dem Parkhaus sowie dem Neubau am Kleinen Hochhaus erhalten Neues aus Altem: Die nicht mehr nutzbaren farbigen Glasteile der 50er-Jahre wurden zerkleinert und auf die neuen Flächen aufgetragen. Die Nordfassaden des Bikinihauses sowie des Kleinen Hochhauses werden vollständig verglast sein – für einen unverstellten Panoramablick in den Berliner Zoo.