Ermittlungen

Ein Toter bei Arbeitsunfall im Bahnhof Karlshorst

Sieben Tonnen schweres Brückenteil abgestürzt

Bei den seit Monaten andauernden Sanierungsarbeiten am S-Bahnhof Karlshorst ist am Sonnabend gegen 17 Uhr ein Brückenteil einer neuen Fußgängerüberführung herabgestürzt. Dabei wurden zwei Bauarbeiter schwer verletzt. Ein Bauarbeiter erlag noch am Abend seinen Verletzungen. Er war mit einer Beckenfraktur und schweren Schädel-Hirn-Verletzungen per Hubschrauber ins Unfallkrankenhaus Berlin (Marzahn) geflogen worden. UKB-Sprecherin Angela Kijewski bestätigte, dass der Patient am Abend im Krankenhaus verstorben sei. Der zweite Arbeiter hatte sich eine Wirbelsäulenverletzung zugezogen und wurde, ebenfalls mit einem Hubschrauber, ins Klinikum Friedrichshain gebracht. Ein dritter Bauarbeiter wurde leicht verletzt. Das Todesopfer soll um die 40 Jahre alt sein, offenbar wurde der Mann von dem Brückenteil direkt getroffen.

Der Unfall geschah, als ein vier mal zwölf Meter großes Brückenteil über dem Gehweg neben der den Bahnhof passierenden Treskowallee eingehängt werden sollte. Dabei wurden zwei Flaschenzüge benutzt, von denen einer nach ersten Erkenntnissen versagte oder möglicherweise fehlerhaft bedient wurde. Das sieben Tonnen schwere Brückenteil stürzte in die derzeit geschlossene Bahnhofshalle. Die Berliner Polizei ermittelt inzwischen wegen Baugefährdung, das Landesamt für Gesundheitsschutz, technische Sicherheit und Arbeitsschutz (LaGetSi) hat ebenfalls Untersuchungen aufgenommen.

Kriminalpolizei ermittelt

Auch die Kriminalpolizei habe Ermittlungen aufgenommen, sagte ein Sprecher der Polizei. Dabei stünden die Fragen im Mittelpunkt, ob es sich um einen Materialfehler gehandelt habe oder ob ein technisches Problem die Ursache gewesen sein könnte. „Möglich ist auch, dass das Gewicht der Brücke unterschätzt wurde“, sagt der Sprecher. Passanten waren von dem Unfall nicht betroffen.

Mit dicken Holzbohlen stabilisierten Technisches Hilfswerk und Feuerwehr am Abend das Brückenteil, das in der Bahnhofsvorhalle wie eine angelehnte Treppe hing. Rund 40 Kräfte des Technischen Hilfswerks sowie 30 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Wie es weggezogen werden kann, stand zunächst nicht fest. Die Einsatzkräfte seien zusammen schnell am Unglücksort gewesen, weil sie laut Feuerwehr zuvor ein gemeinsames Treffen hatten. Auf der Baustelle arbeiteten laut Feuerwehr rund 20 Männer. Ein Psychologe kümmerte sich um die Bauarbeiter, die mit ansehen mussten, wie ihre Kollegen getroffen wurden. Viele seien erschüttert, hieß es.

Der S-Bahnverkehr auf der Strecke ist wegen der Brückenbauten ohnehin bereits seit Tagen unterbrochen. Nach dem Unfall mussten auch von 17.30 Uhr an die Gleise der Regional- und Fernverkehrsstrecken voll gesperrt werden. Die Züge wurden über den Bahnhof Gesundbrunnen umgeleitet. Nach Angaben eines Bahnsprechers konnte die Vollsperrung um 21.20 Uhr wieder aufgehoben werden. Ob die seit dem 8. Oktober gesperrte Treskowallee wie geplant am Montag wieder geöffnet werden kann, gilt nach dem Unfall vom Sonnabend als eher unwahrscheinlich. Am Sonntag will sich die Bahn dazu äußern.