Medizin

Charité für Einsatz bei Organspenden ausgezeichnet

Klinikum trotzt generellem Rückgang an Spenden

Die Charité-Universitätsklinik ist am Montag von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für ihren besonderen Einsatz bei der Organspende ausgezeichnet worden. „Entgegen dem bundesweiten Trend konnte die Charité die Zahl der Organspenden im vergangenen Jahr erhöhen“, sagte Detlef Bösebeck, Geschäftsführender Arzt der Stiftung. Während 2011 noch bei 22 Spendern Organe entnommen wurden, waren es 2012 bereits 26. Im bundesweiten Trend fiel die Zahl von 1200 im Jahr 2011 auf 1046 im vergangenen Jahr. Es ist bereits die zweite Ehrung für die Transplantationsmedizin an der Charité.

In Deutschland warten mehr als 11.000 Menschen dringend auf ein Organ. Die Zahl der Spender ist rückläufig. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) macht dafür nicht zuletzt die Manipulationen von Wartelisten für Organspenden verantwortlich. „Das hat viele verunsichert“, sagte Czaja bei der Übergabe der Auszeichnung. Nach Skandalen an verschiedenen Kliniken sei die Zahl der Transplantationen um 20 Prozent zurückgegangen, bestätigt Detlef Bösebeck.

Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass in den Transplantationszentren in Göttingen, Leipzig, München und Münster bewusst Krankendaten gefälscht wurden, um Patienten auf einen vorderen Platz der Warteliste zu setzen. Das geht aus einem Prüfbericht von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen hervor. Nur an fünf Kliniken haben die Kontrolleure keine Beanstandungen verzeichnet. Dazu gehört auch die Charité.

Einer der Gründe für den positiven Trend bei der Organspende an der Charité sei die niedrigere Ablehnungsrate, sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei. „Offensichtlich haben es unsere Mitarbeiter geschafft, besonders einfühlsam mit Angehörigen zu sprechen und die richtigen Fragen zu stellen.“ Er finde den generellen Rückgang der Organspenden besonders bedauerlich, „weil er nicht den Chirurgen wehtut, die betrogen haben, sondern den Patienten, die auf einer Warteliste stehen“.

Das unterstreicht auch Klaus-Dieter Gohdes, ein ehemaliger Patient. Nach einer verschleppten Grippe war sein Herzmuskel so entzündet, dass ihm ein neues Organ transplantiert werden musste. Er habe von einem anderen Menschen Lebenszeit geschenkt bekommen, betonte er, denn ohne ein neues Organ wäre er schon tot. Das könne er nicht hoch genug anerkennen.