Horrmanns Gourmetspitzen

Klein-Korea am Kudamm

Restaurantkritiker Heinz Horrmann besucht das asiatische Spezialitätenrestaurant Hanok in Charlottenburg

In der Vielzahl der Leser-Zuschriften wird mir das Restaurant Hanok stets als bestes der koreanischen in Berlin geschildert. „Hanok“ heißt „koreanisches Haus“. Ich habe das fernöstliche Restaurant in Halensee schon besucht, da hieß es noch „Gung Jeon“. Als die neue Generation den Familienbetrieb übernahm, wurde das schwer auszusprechende Gung Jeon ins Hanok umgewandelt. Tochter Kwon, die jetzt das Spezialitätenrestaurant führt, war vorher Restaurantleiterin bei Drei-Sternekoch Dieter Müller auf der MS Europa. Sie renovierte das komplette Haus, richtete den Gastraum minimalistisch, aber authentisch wie ein Business-Lokal in Seoul ein. Mit Großbildern mit koreanischen Motiven an den Wänden, blitzsauberen Holztischen und einer schönen Straßenterrasse.

Ideal für das kleine Budget

Das also ist Klein-Korea abseits der Touristenläden und Szene-Kneipen. Für das kleine Budget sind die Preise ideal. Mittagstisch für 6,50 Euro, am Abend alle Vorspeisen unter zehn Euro, auch bei den Hauptgerichten nur wenige Ausreißer (Rinderfilet und Wildlachs). Ich probiere die komplette Palette der Hors d’oeuvre mit Kimchi-Spezial, einer herzhaften Mischung aus Chinakohl, Rettich, Frühlingszwiebeln und Knoblauch. Wer mag, kann die Schärfe noch mit einer Portion Chili verstärken. Etliche Salate und Sprossen in kleinen Schalen werden appetitlich serviert. Großgarnelen als Tempura auf Salat, das ist eine ganz spezielle Zubereitungsart. Nicht ein hauchdünn ausgebackener Teigmantel, wie man Tempura sonst kennt, sondern eine grobe, dickere Knuspermischung, aber geschmacklich und vom Produkt her allererste Wahl, ganz kross. Die kleinen Lachsschnitzel, leider sehr durchgebraten, werden auf viel Ingwer angerichtet, mit Reis und Krautsalat. Geradezu eine Fotoschönheit für Kochbücher sind die Spare Ribs (gegrillte Schweinerippchen), leider ist auch hier das Problem, dass sie einen Tick zu lang gegart sind.

Wer es extra scharf mag, sollte das Feuerfleisch, die Spezialität des Hauses, probieren. Dazu wird ein altmodischer Tischgrill vor mir aufgebaut, wie man ihn aus den 70er-Jahren kennt, und nach Wunsch Rinderrippe, Filet, Schweinebauch oder Geflügel darauf gegart. Geschmacklich wird das geröstete Fleisch mit scharfen Saucen und Gewürzgurken eigenwillig kombiniert. Und zwischendurch pikt man immer wieder in den marinierten scharfen Chinakohl, ganz ähnlich eingelegt wie das urdeutsche Sauerkraut. Durch das Reifen im Steintopf bekommt er sein spezielles Aroma. Das wird dann noch einmal durch die Marinade verstärkt. Bei allem, was auf den Tisch kommt, wird die akzeptable Schärfe durch Ingwer und Chili erreicht. Es ist aber nie so scharf, dass man nach dem Löschwagen ruft. Die für Magen und Darm gesunde Würze erlebe ich auch bei Eintöpfen und Fischgerichten. Hier ist die Dorade mit Sojasauce noch das beste Gericht. Die Dorade (aus deutscher Zucht) kommt unzerlegt und auf den Punkt gebraten auf den Tisch.

Wer es überhaupt nicht scharf mag und trotzdem hier speisen möchte, sollte den freundlichen Asiatinnen im Service einen Hinweis geben. Nun hat das Hanok nicht ohne Grund den Zusatz „Grill“. Den braucht man, um Bulgogi, die Grillplatte, zuzubereiten. Rind, Schwein oder Geflügel werden in dünne Scheiben geschnitten, mariniert und gewürzt. Das gibt auf dem Grill ein besonderes Aroma. Wer Tofu mag oder vegetarisch speisen möchte, wird sich über die Tofu-Scheiben, paniert und ausgebacken mit Ingwer-Sauce, freuen.

Ganz nebenbei: Desserts wie Früchte in Sirup, Eis und Pfannkuchen sind nur preiswerte Kleinigkeiten. Die Küche arbeitet landestypisch und authentisch. Die Köche versuchen erst gar nicht, ihre Gerichte auf die westeuropäische Gaumengefälligkeit zu verfremden. So sind zwangsläufig einige Aromazusammenstellungen für unsere Geschmacksnerven fremd.

Die Getränkekarte ist kaum erwähnenswert (die meisten Gäste trinken Bier), aber den Service muss man als besonders angenehm hervorheben. Wer mit den unpraktischen Stahl-Stäbchen (da lobe ich die hölzernen japanischen) nicht klar kommt, bekommt ohne Aufforderung sofort Besteck gebracht. Einmal im Jahr gerät das freundliche Serviceteam in Panik, wegen des Andrangs aus dem Heimatland. Zur Internationalen Funkausstellung ist das Hanok der zentrale Treffpunkt der koreanischen Aussteller und Produzenten. Die übrige Zeit ist das fernöstliche Restaurant mehrheitlich in der Hand der deutschen Gäste.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonntag für die Berliner Morgenpost