Hauptstadtflughafen

Schicksalstag für Geschäftsführer Amann

Vor der BER-Aufsichtsratssitzung am Freitag wird über den Verbleib des Technikchefs spekuliert

Beim Berlin-Brandenburger Flughafenprojekt BER in Schönefeld gibt es nicht mehr viel, was einen überraschen könnte. Die Rolltreppen sind zu kurz, im Bahnhof hält mehrmals in der Woche ein leerer Zug. Und ob der Lichtschalter wirklich funktioniert, lässt sich von außen kaum einschätzen, da das Terminal auch in der Nacht hell erleuchtet ist.

Doch es gibt Nachrichten, die selbst bei solch absurden Voraussetzungen noch für Erstaunen sorgen. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Flughafenchef Rainer Schwarz und Technikchef Manfred Körtgen könnte nun mit Technikchef Horst Amann ein weiterer Geschäftsführer vorzeitig seinen Posten räumen. Dieses Gerücht hält sich schon seit mehreren Wochen hartnäckig.

Nun könnte der Zeitpunkt für eine Entscheidung gekommen sein. Am morgigen Freitag kommt der Flughafen-Aufsichtrat zu einer außerordentliche Sitzung zusammen. Offiziell geht es darum zusätzliches Geld zu bewilligen, damit am neuen Hauptstadtairport BER endlich ein funktionsfähiges WLAN-Netz installiert wird. Die interne Kommunikation ist in der Tat ein großes Problem. Während des Probebetriebs brachen regelmäßig Systeme wie Gepäckabfertigung und Check-in zusammen, weil die elektronische Datenautobahn nicht zuverlässig funktioniert.

Vorgeschobener Grund

Bei der Budgeterhöhung geht es angeblich um eine Summe von insgesamt 21 Millionen Euro. Es ist ein überschaubarer Betrag, wenn man bedenkt, dass die Baustelle in jedem Monat ohnehin 30Millionen Euro kostet, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Bislang wurde solch eine Entscheidung im Rahmen eines sogenannten inoffiziellen Umlaufverfahrens geklärt. Dabei wurde der Sachverhalt schriftlich an die Mitglieder verschickt, die ihn mit ihrer Unterschrift abzeichneten. Doch ausgerechnet dieses Mal soll dieses Verfahren nicht ausreichen, sodass eigens eine Aufsichtsratssitzung einberufen wurde. Nur fünf Tage nach der Bundestagswahl haben einige Mitglieder des Aufsichtsrats eigentlich andere Dinge, um die sie sich vorwiegend kümmern möchten. Genau das sorgte aber für das Gerücht, dass es bei der Sitzung möglicherweise um mehr als nur den Auftrag zur Reparatur des Datennetzes geht.

Horst Amann hat selbst dazu beigetragen, dass dieser Eindruck entstanden ist. Er schrieb vorige Woche einen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der nach dem Ausscheiden von Matthias Platzeck (SPD) vorübergehend wieder den Aufsichtsratsvorsitz übernommen hat. In dem Schreiben schildert er die Zusammenarbeit mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn als nicht tragbar. Angeblich soll ihn Mehdorn schon im Juni zum Rücktritt aufgefordert haben. Amann fordert den Aufsichtsrat daher auf, ihn in der Auseinandersetzung mit Mehdorn zu unterstützen. Andernfalls sieht er sich außerstande, seine Arbeit als technischer Geschäftsführer auszuüben. Wie bei geheimen Unterlagen zum Flughafen bislang eigentlich immer der Fall, gelangte auch der Inhalt dieses Schreibens an die Öffentlichkeit. Seither ist endgültig jedem klar, dass es in der Führungsspitze der Flughafengesellschaft nicht auf Dauer so weitergehen kann. Entweder finden Mehdorn und Amann eine Form der Zusammenarbeit, die das Milliardenprojekt zu einem vernünftigen Abschluss bringt, oder der Aufsichtsrat kommt nicht umhin, eine weitere Personalentscheidung zu treffen.

Unterdessen sind Brandenburgs Grüne mit einem neuen Vorstoß für ein strengeres Nachtflugverbot am BER im Landtag gescheitert. In namentlicher Abstimmung votierten am Mittwochabend nur sechs Abgeordnete für ihren Antrag, 59 lehnten ihn ab. Die Landesregierung wurde darin aufgefordert, den Landesplanungsvertrag mit Berlin zum Jahresende zu kündigen, wenn die Verhandlungen über einen Verzicht auf planmäßige Nachtflüge zwischen 22 und 6 Uhr im Sinne des vom Landtag unterstützten Volksbegehrens bis zum 15. Dezember erfolglos blieben. Gegner des Antrags warnten vor irreparablen Schäden im Verhältnis zu Berlin.