Verkehr

Alles steht

Zehntausende Autofahrer im Stau, weil die A 100 gesperrt ist. Unfallverursacher mit Drogen erwischt

Der Berufsverkehr in Berlin hatte am Dienstag gleich mit drei Problemen zu kämpfen. Ein schwerer Unfall auf der A100, eine Bombenentschärfung in Potsdam und Kabeldiebe bei der S-Bahn legten weite Teile der Stadt über Stunden lahm. Besonders der Südwesten war von den Verkehrsbehinderungen betroffen. Die größten Probleme verursachte dabei ein schwerer Unfall auf der Stadtautobahn A100. Fast fünf Stunden lang musste die Autobahn in südlicher Richtung von der Polizei gesperrt werden.

Gegen 6 Uhr am Morgen war der mutmaßliche Unfallverursacher mit seinem Pkw Peugeot vom Kurfürstendamm aus auf die A100 gefahren. Der Polizei zufolge sagten Zeugen später aus, der 28-Jährige sei dabei deutlich zu schnell gefahren. Der junge Mann verlor dadurch offenbar die Kontrolle über seinen Wagen, prallte mit dem Auto gegen die rechte Leitplanke und wurde dann zurückgeschleudert auf die linke Fahrspur. Dort stieß der Peugeot mit einem weiteren Wagen zusammen. Beide Fahrzeuge kamen schließlich in der Mitte der Fahrbahn im Rathenautunnel zum Stehen, wo wiederum zwei andere Autos auf den Unfallverursacher auffuhren.

Cannabis im Gepäck

Der 28-Jährige, seine vier Mitfahrer und zwei weitere Autofahrer sind laut Polizei bei dem Unfall verletzt worden, der mutmaßliche Unfallverursacher schwer. Er musste mit einem gebrochenen Arm im Krankenhaus bleiben. Die übrigen Unfallopfer konnten ambulant behandelt werden. Der 28-Jährige bekam auf Veranlassung der Polizei im Krankenhaus außerdem noch Blut abgenommen – die Beamten hatten in seinem Peugeot eine kleine Tüte Cannabis gefunden, was zu dem Drogentest führte. Außerdem fand die Polizei in unmittelbarer Nähe des Unfalls einen Rucksack mit kleineren Drogenmengen, den die Beamten zunächst keinem der Mitfahrer im Unfallwagen zuordnen konnten.

Die A100 musste derweil in Richtung Neukölln komplett gesperrt werden. Die Begutachtung des Unfallortes durch die Polizei, die anschließenden Aufräumarbeiten der Feuerwehr und die Beseitigung von ausgelaufenem Öl dauerte Stunden. Bis 11 Uhr war die Fahrtrichtung Süden ganz gesperrt, erst um 13 Uhr waren laut Polizei auch die letzten Hindernisse beseitigt. Die weiteren Ermittlungen zum Unfallhergang übernahm der Verkehrsermittlungsdienst der örtlichen Polizeidirektion.

Die Vollsperrung führte zu langen Staus. Allein der Rückstau auf der A100 reichte gegen 7.30 Uhr nach Angaben der Verkehrsinformationszentrale bis zum Flughafen Tegel und dem Zubringer der A111 zurück. Vor den Autobahnzufahrten bildeten sich lange Schlangen. Auch in der Gegenrichtung stockte der Verkehr immer wieder, schnell waren zudem auch sämtliche Ausweichstrecken in der gesamten Stadt verstopft.

Wer beispielsweise von Zehlendorf Richtung Mitte unterwegs war, an anderen Tagen eine Strecke von einer halben Stunde Fahrtzeit, brauchte am Dienstagmorgen eineinhalb Stunden. Kaiserdamm, Spandauer Damm, Adenauerplatz – überall stauten sich die Autos über viele Kilometer. Dadurch zeigte sich einmal mehr, wie empfindlich die Verkehrsführung in der Hauptstadt auf Störungen auf der Stadtautobahn reagiert. Knapp 190.000 Fahrzeuge passieren den Autobahnabschnitt laut Verkehrszählungen jeden Tag. Damit gehört die Strecke zu den am meisten befahrenen Straßen in Deutschland.

Doch auch wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, brauchte am Dienstagmorgen im Südwesten vielfach länger als gewöhnlich für den Weg zur Arbeit. Schon am Montagabend stahlen Unbekannte auf der S-Bahn-Strecke zwischen Schöneberg und Yorckstraße Signalkabel wegen des darin enthaltenen wertvollen Kupfers.

Zwölf Stunden unterbrochen

Wie ein Sprecher der S-Bahn mitteilte, war der Streckenabschnitt der Linie S1 von 18Uhr am Abend bis in den Morgen gegen 6Uhr unterbrochen. Fahrgäste mussten auf andere Linien ausweichen.

Zwischen dem Potsdamer Hauptbahnhof und Babelsberg fuhren auf derselben Linie der S-Bahn am Vormittag ebenfalls keine Züge. Verantwortlich dafür waren jedoch keine Kabeldiebe, sondern eine Bombenentschärfung in der Brandenburger Hauptstadt. Die Arbeit an dem Weltkriegsblindgänger erforderte eine weiträumige Sperrung und Evakuierung in anderthalb Kilometern Umkreis um den Fundort. Der Verkehr in Potsdam sei streckenweise dadurch zum Erliegen gekommen, Chaos aber ausgeblieben, hieß es bei der Stadtverwaltung.