Interview

Unterricht ohne Noten? Was gelehrt wird, muss zum Kind passen

Bei mehr als 100 Angeboten fällt die Auswahl schwer

Fällt die Entscheidung für eine Schule in freier Trägerschaft, geht das große Rätseln los. Welche soll es sein? Wo ist das Kind gut aufgehoben? Ariane Bachmann sprach mit Iris Stegmann von der Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. Die Stiftung verwaltet 36 Schulen an 27 Standorten in Berlin und Brandenburg, die von knapp 10.000 Schüler besucht werden.

Berliner Morgenpost:

Wie finde ich die passende Freie Schule für mein Kind?

Iris Stegmann:

Schulen in freier Trägerschaft sind vielfältig. Es existieren viele Wege, erfolgreich zu lernen. Entscheidend für den Schulerfolg ist, dass Schüler, Lehrer und Eltern an einem Strang ziehen. Eltern sollten genau schauen, ob das Konzept zu ihnen und ihrem Kind passt. Im Grundschulalter spielt sicherlich die Länge des Schulwegs eine Rolle. Häufige Kriterien sind auch sprachliche Angebote und mögliche Schulabschlüsse. Das internationale Abitur etwa lässt sich nur an bestimmten Schulen machen. Auch wie das Ganztagesangebot einer Schule aussieht und ob es ein besonderes Profil gibt, ist oft entscheidend.

Läuft es in Freien Schulen anders als in staatlichen Einrichtungen?

Schulen in freier Trägerschaft leisten einen Beitrag zum öffentlichen Bildungswesen, die Kinder kommen dort ihrer Schulpflicht nach. Nach dem Grundgesetz haben freie Träger aber mehr Freiheiten in der Ausgestaltung des Unterrichts. Es sind deswegen nicht per se die besseren Schulen – es gibt auch gute staatliche Schulen. Wichtig ist die Vielfalt der Träger. Denn die Pluralität und die Konkurrenz der Konzepte bereichern das Bildungswesen.

Worin unterscheiden sich die mehr als 100 Freien Schulen untereinander?

Das Spektrum der Angebote ist groß. Es reicht vom grundständigen altsprachlichen Gymnasium bis zu freien Alternativschulen ohne Noten. Es gibt sehr unterschiedliche pädagogische Konzepte. Eine Reformschule, die auf individuelle und alternative Lernformen setzt, kann ebenso erfolgreich sein wie eine mit traditionellem Konzept. Wichtig, ist, dass die Menschen, die dort arbeiten, überzeugt sind von dem was sie tun. Der Bildungskonsens an den Schulen ist die Basis jeder „guten Schule“ – unabhängig von den Konzepten und Angeboten.

Das Wort „Privatschule“ klingt nach Exklusivität. Ist die Schule in freier Trägerschaft nur etwas für Kinder mit reichen Eltern?

Nein, definitiv nicht. Unsere Schulen haben – wie andere Schulen meist auch – zum Beispiel ein nach Einkommen gestaffeltes Schulgeld. Es beginnt bei 30 Euro im Monat. Kinder, deren Eltern Arbeitslosengeld erhalten, sind ganz vom Schulgeld befreit. Das Schulgeld berechnen wir erst, nachdem die Schule den Schüler aufgenommen hat. So ist sichergestellt, dass unsere Schulen für alle offen sind. Keine Sonderung nach Besitzverhältnissen – das ist übrigens rechtlich fest geschrieben.

Viele Eltern denken, wenn sie für die Schule zahlen, können mit einem besseren Umfeld rechnen. Geht diese Rechnung auf?

Schulen in freier Trägerschaft haben meist motivierte Pädagogen, die sich bewusst für diese Schule entschieden haben. Die Schule hat den Vorteil, sich ihre Lehrer aussuchen zu können. Und auch die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Eltern sind meist höher als in staatlichen Schulen. So entsteht eine hohe Identifikation aller mit „ihrer Schule“. Das wirkt sich auf das Schulklima und letztlich auch auf den Lernerfolg aus.