Gartenlust

Zeit für Herbstzwiebeln

Gabriella Pape über Erdgewächse und andere Spätblüher

Sie wissen ja, dass ich eigentlich ein Fan von lateinischen oder griechischen Namen und Fachwörtern bin, aber bei den Zwiebelpflanzen finde ich dies dann doch etwas schwierig. Ist Ihnen aufgefallen, dass Gartenfachleute und Experten verstärkt versuchen, das Wort Geophyten in den Umlauf zu bringen? Dass Geo Erde heißt, ist nun vermutlich allen bekannt und dass Phyton ein Gewächs ist, verrate ich Ihnen. Aber damit ist die Zwiebel oder Knolle als Erdgewächs noch immer nicht eindeutig definiert.

Sehr schön finde ich die Erklärung aus einer Enzyklopädie, danach sind Geophyten krautige Pflanzen, die sich vor ungünstigen Perioden, wie dem Winter, mit Hilfe unterirdischer Organe in der Erde verstecken. Auch ich wäre gerne ein Geophyt. Scherz beiseite, denn dieses Wort umschreibt alle drei Pflanzenarten, die im Winter ihre Vitalität in Speicherorganen unter der Erde erhalten, Zwiebeln, Knollen und Rhizome.

Ich möchte Ihnen heute jene Zwiebeln vorstellen, die auch noch bis Mitte/Ende Oktober blühen, wenn sie noch bis Ende September in die Erde kommen. Und das schaffen diese cleveren kleinen Dinger sogar trotz Herbstlaub. Ihr größter Feind wäre die Harke. Zuerst einmal möchte ich Ihnen den in Blau-, Violett- und Weißtönen blühenden Herbstcrocus Crocus Speciosus ans Herz legen sowie den Safrancrocus Crocus sativus, denn er verzaubert im Spätsommer und im Herbst vor allem trockene Standorte in eine Oase aus leuchtendem Violett, fast wie der Herbsthimmel auf Erden. Seine hell orangenen Griffel oder Staubgefäße, aus denen der Safran gewonnen wird, haben eine bestechende Leuchtkraft.

Allerdings möchte ich vor kommerziellem Anbau warnen, wenn ich mich recht erinnere benötigen Sie für 100 Gramm des edlen Stoffes etwa 15.000 bis 20.000 Blüten. Aus Sicht eines Geopytenverkäufers eine tolle Sache, finanztechnisch eher nicht ratsam. Damit gibt es aber eine plausible Erklärung für den Preis von Safran. Für ein paar Dutzend dieser kleinen Zwiebeln, sollten Sie unbedingt ein Plätzchen im Garten finden. Wie fast alle Zwiebeln, sollten Krokusse mindestens dreimal so tief gepflanzt werden wie ihre Zwiebeln groß sind. Also eine 2,5 cm große Krokuszwiebel sollte etwa acht cm tief in die Erde. Etwas tiefer wäre auch noch gut, wenn Sie ein Eichhörnchen-Problem haben. Aber wenn sie zu tief gesetzt werden, also bei zwölf bis 15 Zentimetern, versagt die Blüte. Viele Zwiebeln, vor allem die im Herbst blühenden, lieben trockene Böden und sind genau deshalb sehr leicht am Fuße von Bäumen oder in trockenen Wiesenflächen anzusiedeln.

Dazu gehören ebenfalls die Herbstzeitlosen, die man auch jetzt noch ganz schnell in den Boden bringen sollte, damit sie in etwa drei bis vier Wochen ihre bunten Köpfe durch das trocknende Herbstlaub recken können. Colchicum heißen die im Herbst blühenden und halten sich besonders gut in Bodendeckerpflanzungen oder Gras, da ihnen die vorhandene Bepflanzung hilft, die schweren, nackten Blütenköpfe aufrecht zu halten. Oft sieht man die Armen in nackt geharkten Beetflächen einsam vor sich hinschlackern.

Meine Favoriten für ganz trockene Baumscheiben und stark durchwurzelte Flächen sind die wilden Alpenveilchen auch Cyclamen hederifolium genannt. Sie kommen sowohl in Violettrosa als auch in Weiß vor und haben alle bezaubernde, ganz individuelle Blattmuster, so wie jeder Mensch einen eigenen Fingerabdruck hat.

Eines haben all die genannten Spätblüher gemeinsam: Sie blühen ganz ohne Nachthemd, ihre Blüten stehen völlig nackt im offenen Raum und deshalb lieben sie einen Mantel aus Laub, um ihre Scham zu bedecken. Bei Krokus und Alpenveilchen folgt das Laub kurz nach der Blüte, wogegen die Blätter bei der Herbstzeitlose völlig unabhängig von der Blüte erst im nächsten Frühjahr zum Vorschein kommen. Warum diese Erdgewächse das tun, hab ich allerdings noch nicht erfahren.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.