Privatschulen

„Ich finde meine Schule cool“

Kinder und Eltern schätzen die Privaten

„Privatschulen sind ein Auffangbecken für alle Schüler, die in staatlichen Schulen untergehen würden“, steht für Christine Zwick fest. Die beiden Kinder der Spandauerin lernen seit ihrem dritten Lebensjahr Englisch. „Sie haben es spielerisch in einer privaten Kita gelernt“, erzählt sie. Sie fand das sinnvoll, wollte den Nachwuchs nicht nur „zur Aufbewahrung“ abgeben. Christine Zwick schickte ihre Tochter Antonia und ihren Sohn Alexander damals in die International School Villa Amalienhof – eine Privatschule am westlichen Stadtrand, zu der ein Kindergarten gehört, in dem die Kleinen ausschließlich Englisch sprechen. Die beiden blieben die ersten vier Schuljahre in der Amalienhof-Schule. „Sie konnten bereits in der Vorschule lesen, rechnen und schreiben. Beim Wechsel in eine staatliche Einrichtung hätten sie sich gelangweilt“, sagt die 47-jährige.

Die Schule wurde der Alleinerziehenden – Angestellte eines Busunternehmens – mit dem Wechsel in die Oberstufe zu teuer. Zudem war nicht klar, ob der Abschluss eines deutschen Abiturs möglich ist. Also versuchte sie, die Kinder in eine staatliche Schule zu schicken. „Leider wurde dort nicht darauf eingegangen, dass sie vorher ausschließlich in Englisch unterrichtet worden sind“, erzählt die Mutter. Die Folge: Beide Schüler kamen im Unterricht nicht mit. Christine Zwick zog die Notbremse und suchte wieder nach einer Privatschule. Ihre Wahl fiel auf den Da-Vinci-Campus Nauen, wo die Geschwister vor zwei Jahren in eine Sprachen-Klasse aufgenommen wurden.

„Wir haben fünf Fächer in Englisch“, sagt Antonia (12), die jetzt die achte Klasse besucht. Ihr Bruder Alexander ist als Zehnjähriger in der siebten Klasse. Weniger Hausaufgaben, kein Unterrichtsausfall und engagierte Lehrer – Dinge, die laut der Familie den Unterschied zur staatlichen Schule ausmachen. Sonst gebe es auch ganz normale Probleme wie etwa Mobbing. „Nur damit wird anders umgegangen – ernsthafter und offener“, vergleicht Christine Zwick. Sie sei froh darüber, die richtige Schule für ihre Kinder gefunden zu haben. „Kann man es sich leisten, seinen Sohn oder die Tochter bis zum Ende auf eine Privatschule zu schicken oder nicht? Das sollte man vor einer Entscheidung vorab durchrechnen“, rät sie angesichts ihrer Erfahrungen. Privatschulen seien nicht über einen Kamm zu scheren. Man müsse die passende Einrichtung finden und dürfe bei Anfangsschwierigkeiten nicht gleich kapitulieren.

Eine konfessionelle Schule wählten die Kreuzberger Claudia und Paul Duwe für ihren Sohn Florian. Der 16-Jährige, der im August für ein Jahr zum Schulaustausch nach Texas gestartet ist, besucht seit 2009 die Katholische Schule Salvator in Waidmannslust. „Vorher war er an der Evangelischen Schule Berlin Mitte (ESBM). Evangelisch war auch der Kindergarten, den wir hier in Kreuzberg hatten“, sagt Paul Duwe. Seine Frau Claudia ergänzt: „Auf einem Info-Tag der Freien Schulen erfuhren wir von der Salvator-Oberschule. Nach den sehr guten Erfahrungen an der Grundschule stand für uns fest, dass die nachfolgende Schule auch konfessionell sein soll.“

Florians Eltern schätzen die Schulgemeinschaft mit ihren Wertvorstellungen, welche die Schüler und ihr Miteinander prägt. So helfen zum Beispiel ältere Schüler den Jüngeren beim Eingewöhnen in die neue Schule. Und an einem sozialen Tag engagieren sich die Kinder für eine Blindenschule in Indien.

Um den Schülern nach dem Schulwechsel das Kennenlernen zu erleichtern, gibt es zu Beginn der siebten Klasse eine Orientierungswoche außerhalb Berlins. Nicht nur das Engagement der Lehrer im Unterricht und darüber hinaus, sondern auch die schulischen Arbeitsgemeinschaften wie die Big Band oder Sportwettkämpfe wie das Langstreckenschwimmen an der Insel Scharfenberg begeistern die Eltern. Sie sind offenbar nicht die einzigen. „Es gibt jährlich viel mehr Anmeldungen als Plätze an dieser Schule“, betont der Vater, der bereits zwei erwachsene Kinder hat, die staatliche Schulen besuchten. „Dort ist auch gute Arbeit geleistet worden. Eine Vielfalt an Schulen ist jedoch wichtig, sodass Eltern und Kinder Wahlmöglichkeiten haben.“ Sie ist Ärztin, er Journalist. „Wir zahlen monatlich 80 Euro“, sagt Paul Duwe. Am Schulgeld müsse der Besuch der Privatschule jedoch nicht scheitern. Sozial schwach gestellte Eltern würden unterstützt.

Ein Schulbesuch nach dem Motto „elitäre Bildung für Reiche “? Zumindest für die Waldorfschule gelte dieser Slogan nicht, findet Viola Volkmann. „Die Aufnahme erfolgte, bevor überhaupt erfragt wurde, welches Schulgeld man zahlen kann“, betont die Mutter von Pia, die die Kladower Eugen Kolisko-Schule besucht. Die Freie Waldorfschule Havelhöhe ist ihre Wunschschule. „Allerdings denkt da jeder gleich an das Namentanzen. Das nervt“, findet die 15-Jährige. Sie finde ihre Schule „cool“ Es gehe viel entspannter, offener und netter zu. Außerdem gebe es weniger Leistungsdruck. Pia, die im vierten Schuljahr aus einer staatlichen Grundschule wechselte: „Nur weil es entspannter ist, heißt das ja nicht, dass wir weniger lernen. Und es gibt ja auch die Möglichkeit, das Abitur zu machen.“ Den Epochenunterricht findet sie toll. Und auch die Russischstunden mag sie: „Andere machen Latein. Aber ich kann dafür die kyrillische Schrift.“

Ihre Eltern sind froh über die Schulwahl ihrer Tochter, zu der das Pädagogik-Konzept passt. Viola Volkmann: „Für ihre Entwicklung war der Wechsel auf diese Schule gut. Sie war damals in der Grundschule ganz unglücklich und unausgeglichen. Jetzt ist sie zufrieden und selbstbewusst.“ Auch die Elternarbeit klappe gut. Durch monatliche Elternversammlungen sei man immer auf dem Laufenden. Wichtig für die Schulauswahl findet Viola Volkmann, dass das Kind sich dort wohl fühlt, es individuell gefördert wird und sich damit frei entfalten kann. Denn: „Was für den Einen gut ist, muss ja nicht zu dem Anderen passen.“