Vermisstenstelle

Unbekannter Toter nach elf Jahren identifiziert

Zeuge sah ein Foto auf der Internetseite der Polizei

Annähernd elf Jahre lang hatte die Berliner Polizei das Foto eines unbekannten Toten auf ihrer Internetseite. Nach mehr als einem Jahrzehnt konnte nun die Vermisstenstelle des Landeskriminalamtes die Identität des Mannes klären. Ein Hinweis aus der Bevölkerung brachte die Ermittler den entscheidenden Schritt weiter, so eine Polizeisprecherin.

Der am 27. Juli 2002 leblos in Pankow aufgefundene Mann war zum Todeszeitpunkt 43 Jahre alt und obdachlos. Der Mann war auf dem Gelände der Alten Mälzerei an der Mühlenstraße entdeckt worden. Die Vermisstenstelle veröffentlichte bereits kurz nach der Entdeckung ein Bild des Unbekannten unter der Rubrik „Wir bitten um Mithilfe“ im Internet, jahrelang jedoch ohne konkretes Ergebnis. Wie der Mann starb, konnte nach Angaben der Polizei bislang noch nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Mord sei aber unwahrscheinlich, da er sonst nicht in der Vermisstenkartei geführt worden wäre. Ebenso wenig konnte die Polizei am Sonntag sagen, warum und wie genau der Zeuge den Toten nach so langer Zeit wiedererkannte.

In dem Zeugenaufruf wurde der Unbekannte als etwa 1,80 Meter groß und etwa 35 bis 50 Jahre alt beschrieben. Die Haare des Mannes waren hell, schütter, schulterlang, von links nach rechts über die Glatze gekämmt. Außerdem trug er einen Vollbart. Bekleidet war der Unbekannte mit einer blauen Arbeitslatzhose, einem hellen langärmligen Poloshirt mit braunem Muster sowie grauen Turnschuhen mit roten und blauen Streifen.

Fahndung per Netz

Für die Kriminalpolizei ist die Internetrubrik www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/index.html mit mehreren Untergruppen hilfreich. Unter „Zeugen gesucht“ stellt die Polizei dort häufig Bilder aus Überwachungskameras ein, die gesuchte Tatverdächtige zeigen. Jüngstes Beispiel sind Aufnahmen von zwei tatverdächtigen Männern, die am Freitag voriger Woche veröffentlicht wurden. Sie gelten als dringend tatverdächtig, am 17. Mai im U-Bahnhof Hermannstraße gegen 22.25 Uhr eine Sicherheitsmitarbeiterin so brutal geschlagen zu haben, dass sie mehrere Knochenbrüche im Gesicht erlitten und ein Zahn abbrach. Die Frau wollte die Personalien der Männer für ein Bußgeld wegen Rauchens feststellen, als sie plötzlich attackiert wurde.

Auf der Website finden sich außerdem Zeugenaufrufe zu vermissten Personen, etwa zum Fall des 68-jährigen Berliners Wolfgang Heuer. Der Demenzkranke verschwand am 18. Juni dieses Jahres in Hamburg. Der Vermisste war mit seiner Frau in der Hansestadt und gegen 17 Uhr aus dem Auto ausgestiegen, als sie den Wagen auf der Altmannbrücke verkehrsbedingt anhalten musste. Trotz sofortiger Suchmaßnahmen der Polizei fehlt seitdem jede Spur von dem Mann.