Literatur

Das historische Grün

Ein neues Buch erzählt die Geschichte der Berliner Parkanlagen. Der letzte Teil einer Trilogie ist mehr als ein Buch für Gartenfreunde

Der Ort der Präsentation ist perfekt gewählt. Das alte Orangeriegebäude am westlichen Ende des Körnerparks in Neukölln erlaubt einen Blick auf die Wipfel der imposanten Bäume des Parks, die unter dem grauen Septemberhimmel leise rauschen. Im Hintergrund plätschert der große Springbrunnen, die feinen Kiesel der Wege knirschen unter den Schuhsohlen der Spaziergänger.

Der beinahe hundert Jahre alte Park ist die ideale Kulisse, um den dritten Band einer grünen Trilogie vorzustellen. „Gartendenkmale in Berlin. Parkanlagen und Stadtplätze“ soll eine kleine Buchreihe zum Abschluss bringen, die die Geschichte der Gartendenkmale Berlins erzählt und die vom Landesdenkmalamt Berlin vor acht Jahren begonnen wurde. Den Anfang machte 2005 ein Band über Privatgärten. Es folgte zwei Jahre später eine Veröffentlichung über Berlins Friedhöfe.

Der letzte Band der Trilogie nun ist das umfangreichste Werk. Knapp 1200 Abbildungen von 178 Grünanlagen. 19 Autoren erzählen und dokumentieren mit Fotos, historischen Skizzen und Texten auf mehr als 500 Seiten die Entstehungsgeschichten von Parkanlagen und grünen Plätzen der Stadt, ihre Bedeutung und welche Maßnahmen in den vergangenen 35 Jahren ergriffen wurden, um die Parks zu erhalten.

Hommage an Ludwig Lesser

Katrin Lesser ist eine der Autorinnen und war an allen drei Bänden auch koordinierend beteiligt. Für die Garten- und Landschaftsarchitektin war die Arbeit mit Berlins Gartendenkmalen auch ein sehr persönliches Projekt. „Für mich schließt sich in diesem Band ein besonderer Kreis, weil ich die Werke meines Ur-Großvaters vorstellen durfte“, erzählt sie. Ludwig Lesser war der erste freischaffende Gartenarchitekt Deutschlands, der wegen seiner jüdischen Herkunft unter den Nationalsozialisten mit einem Berufsverbot belegt wurde.

Aber auch Thomas Blesing ist stolz auf das Buch. Denn den Titel des Bands ziert ein Bild des Körnerparks, der auch ein bisschen sein Park ist. Blesing ist unter anderem Bezirksstadtrat für Natur in Neukölln und damit auch für die Grünanlagen des Bezirks verantwortlich. „Es kommt nicht von ungefähr, dass wir mit dem Körnerpark auf den Titel gekommen sind. Das ist die Ernte, die wir gesät haben“, sagt er.

Einer, der jahrelang beim Säen geholfen hat, ist Klaus-Henning von Krosigk. Er hat sich dem Erhalt der Gartendenkmale verschrieben. „Wir waren von unserer Aufgabe beseelt“, erzählt er und meint die Jahre, in denen er als leitender Gartenbaudirektor Berlins das historische Grün unter seiner Verantwortung hatte. Diese Leidenschaft ließ ihn nicht los. Von Krosigk war maßgeblich an dem neuen Buch beteiligt. Und wenn man ihn später draußen schimpfen hört ob des ein oder anderen nicht nach seinen Vorstellungen gepflegten Gartendenkmals, nimmt man ihm diese Leidenschaft ohne Zweifel ab.

Kein reines Bilderbuch

Trotz der vielen Abbildungen soll das Buch kein Bilderbuch sein. „Es ist ein Buch für alle Berliner und die Wissenschaft“, sagt Katrin Lesser und spielt damit auf die mehr als 6000 Quellen an, die von den Autoren für ihre Beiträge genutzt wurden. Aber mal abgesehen von dem wissenschaftlichen Wert, erzählt das Buch auch von Berlins grünem Schatz, der ein attraktiver Standortfaktor ist, und zudem auch ein grund dafür, dass Menschen in Berlin leben und arbeiten wollen.

Es ist also ein Buch über das gartenkulturelle Erbe Berlins, das, wie Katrin Lesser sagt, „einen Teil der Berliner Lebensqualität“ ausmacht. „Man muss diese Orte nur entdecken.“

Katrin Lesser u.a.: Gartendenkmale in Berlin. Parkanlagen und Stadtplätze. Michael Imhof Verlag, 574 Seiten, 49,95 Euro