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Problembau war früher

Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wird im Haus Cumberland am Kudamm „Übergabefest“ gefeiert

Ein Maler ist dabei, die steinernen Frösche in der Brunnenanlage im denkmalgeschützten Schmuckhof noch mit einer Schutzschicht gegen das Spritzwasser zu versehen, während andere Arbeiter damit beschäftigt sind, die großen Fensterfronten der Loftwohnungen im Erdgeschoss vom Baustaub zu befreien. Im Hof 5 ist ein ganzer Trupp Gärtner angetreten, um mit großen Felsbrocken und viel Erde eine Landschaft zu gestalten, aus dem Dachgeschoss dringt Baulärm. Dennoch: Am Sonnabend soll alles fertig sein, das Haus Cumberland erwartet schließlich 500 Gäste, darunter auch den Regierenden Bürgermeister.

Nach knapp zweieinhalbjähriger Bauzeit ist das Haus Cumberland am Kurfürstendamm weitgehend saniert und wird am Sonnabend seinen neuen Eigentümern übergeben. Eine von ihnen ist Elke Michel, die am Donnerstag ihre Wohnung im vierten Obergeschoss mit Blick auf den Schmuckhof offiziell „abgenommen“ hat. Das Übergabeprotokoll hält sie in den Händen. „Ich bin begeistert, bis auf wirkliche Kleinigkeiten ist alles perfekt geworden“, sagt die stolze Eigentümerin. Die 60-Jährige hat die Wohnung gemeinsam mit ihrem Mann erworben: „Wir wollen vorsorgen für die Zeit, in der uns unser Haus in Grunewald zu viel wird“, verrät sie. So weit sei es aber noch nicht. Vorerst werde die 160-Quadratmeter-Wohnung an eine Familie mit Kindern vermietet. „Hier ist wirklich eine Wohnoase entstanden, in der man sich trotz der urbanen Lage am Kudamm ganz geborgen fühlen kann“, sagt die Eigentümerin.

Dieses Lob hört Dirk Germandi sichtlich gern, „zumal ich selbst ganz begeistert davon bin, was wir hier geschaffen haben“, sagt er. Gemeinsam mit Thomas Bscher und Detlef Maruhn hatte Germandi das Gebäudeensemble am Kürfürstendamm im Juli 2010 übernommen. „Damals haben uns noch alle einen Vogel gezeigt, als wir von unseren Plänen berichteten“, erinnert sich der Bauherr an die schwierigen Anfänge. Wohnen direkt am Kurfürstendamm zu Preisen zwischen 3900 und 7500 Euro – „viele prophezeiten uns damals die Pleite“, so Germandi.

Zwar erwies sich die Bausubstanz des 1911/12 vom Architekten Robert Leibnitz als Boarding-Haus entworfenen Gebäudes als überraschend gut. Und das trotz der vielen Umbauten und des jahrelangen Leerstandes, den das Haus in seiner wechselvollen Geschichte über sich ergehen lassen musste. Als Herausforderung erwies sich dagegen die Bau-Logistik, die nötig war, um aus dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex der beachtlichen Bruttogeschossfläche von rund 30.000 Quadratmetern eine Wohnanlage zu machen. Schließlich sollten an den endlosen Fluren, die zumeist in kleine Zimmer mündeten, 166 hochwertige Wohnungen entstehen, zudem 17 Penthäuser im Dachgeschoss und im Untergrund eine Tiefgarage mit 136 Stellplätzen. „Und das alles unter den wachsamen Augen des Denkmalschutzes und mit möglichst wenigen Beeinträchtigungen für den Kurfürstendamm und die Lietzenburger Straße“, so Germandi. Doch bis auf einen Dachstuhlbrand in der Bauzeit lief für Germandi und seine Partner alles glatt. Die Wohnungen waren bereits Ende 2011 restlos verkauft. Neben Fußballnationalspieler Toni Kroos, der seine Wohnung weitervermietet, haben sich unter anderem ein bekanntes Berliner Kunstsammlerpaar sowie ein Vorstandschef aus der Automobilbranche im Haus Cumberland ihre ganz persönlichen Wohnträume in den bis zu 400 Quadratmeter großen Penthäusern verwirklicht.

Vor 100 Jahren ein echter Flop

Dabei hatte sich das Gebäude zumindest für seine Erbauer gleich nach der Fertigstellung als fataler Fehlgriff erwiesen. Die Geschäftsidee der „Serviced Apartments“ – derzeit in Metropolen wieder auf dem Vormarsch – war vor 100 Jahren ein echter Flop. Der Eigentümer musste Konkurs anmelden. Als erster echter Nutzer zog das Kaiserliche Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt ein, das kurz darauf einem Grand Hotel mit 700 Betten Platz machte. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzten das Reichswirtschaftsministerium und die Oberpostdirektion das Gebäude. Ihnen folgte in den 60er-Jahren die Berliner Oberfinanzdirektion. Nach deren Auszug 2003 stand das Gebäude bis auf die Geschäfte im Erdgeschoss leer und diente lediglich als schaurig-schöne Kulisse für diverse Kinofilme. Es blieb eine Problemimmobilie: Die Orco-Gruppe kaufte das Gebäudeensemble mit seinen fünf Innenhöfen, bevor sie in Folge der Finanzkrise in Schwierigkeiten geriet, für rund 40 Millionen Euro. Dirk Germandi und seine Partner übernahmen das Haus für 30 Millionen Euro und investierten knapp 100 weitere Millionen in den Umbau. „Und das Ergebnis ist einfach überwältigend schön“, sagt Germandi, der mit Frau Claudia natürlich auch selbst eine der Wohnungen für sich reserviert hat.