Ausstellung

Kunst am Meer

Vor drei Jahren hatte sich Galerist Dieter Brusberg vom Kudamm verabschiedet. Jetzt eröffnet er eine Ausstellung in Ahrenshoop

Zwei Maler waren es. Paul MüllerKaempff und Oskar Frenzel suchten nach Motiven, wanderten auf dem Fischland an der Ostsee entlang. Dann, hinter einem Hügel, erblickten sie ein kleines Dorf, ein paar Fischerhäuser. Ahrenshoop. Und sie verliebten sich. Sie blieben, zogen weitere Künstler an, eröffneten eine Malschule. 1892 war das, mit Blick auf den Darß und die Kunst.

Aus dem Bauerndorf wurde eine Künstlerkolonie. Elisabeth von Eicken, Friedrich Wachenhusen, Thuro Balzer, Carl Rathjen, Alexej Jawlensky, Rudolf Schmidt-Dethloff, Gerhard Marcks lebten und arbeiteten hier. Und heute? Nach wie vor zeugen Künstlerhaus Lukas und Kunstgalerie Kunstkaten von anspruchsvollem Einfluss und intellektuellem Anspruch. Auch Kreative anderer Bereiche zeigen sich gern in Ahrenshoop, wie Schauspieler Jan Josef Liefers, Anna Loos, Rea Garvey, Gunther Emmerlich, Heike Makatsch und Christiane Paul sowie Autor Wolfgang Schreyer.

Seit Freitag ist der Ort um einen künstlerischen Bau größer. Mit der Ausstellung „Um uns ist ein Schöpfungstag – Von der Künstlerkolonie bis heute“ ist das neue Kunstmuseum offiziell eröffnet worden. Wie Museumssprecherin Heike Hagedorn sagt, soll die Schau eine Vorstellung vom künstlerischen Erbe der Malerkolonie geben. Vor zwei Wochen wurden die 120 Jahre Kunstgeschichte der Küstenlandschaft bereits mit einem Bürgertag im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel gefeiert. Bis nach Berlin habe sich das goldene Haus von Ahrenshoop schon herumgesprochen, erzählte Merkel in Ahrenshoop. Das in ihrem Wahlkreis liegt.

Doch es haben sich längst auch andere Häuser des Dorfes bis in die Bundeshauptstadt herumgesprochen. Wie das alte Kurhaus, heute Grand Hotel, bis zu Dieter Brusberg. Der Ex-Galerist Berlins, der in den 80er-Jahren seine Galerie am Kudamm zur kleinen Nationalgalerie West-Berlins gemacht und Kunstsammler wie Ulla und Heiner Pietzsch, Bernhard Sprengel, die Kuratoren der Sammlung Scharf-Gerstenberg, Udo Samel, Siggi und Sissi Loch zu seinen Kunden gezählt hat. Eigentlich hatte sich Dieter Brusberg 2010 mit einer letzten Ausstellung aus dem Geschäft verabschiedet. Doch als er im Urlaub an der See die laufende Ausstellung des Hotels gesehen habe, habe er keine Sekunde an den bereits vollzogenen Abschied gedacht. „Es hingen schreckliche Bilder hier“, sagt Brusberg. Und so sehr er Grand Hotel und Direktor Oliver Schmidt schätze – der Ehrgeiz hatte ihn erneut gepackt.

Ein halbes Jahr hat er an einem neuen Konzept gearbeitet. Sonnabendabend hat Dieter Brusberg die Ausstellung „Berlin am Meer – Eine Hommage an Ahrenshoop und sein neues Kunstmuseum“ in der Glashalle des Hotels eröffnet. Mit über 100 Werken von Berliner Künstlern wie Werner Heldt und Vincent Wenzel, für Gäste wie Bernd Stegemann, Renate Krößner, Lászlo Imre Kish, die Gastronomen Ingrid und Karl Wannemacher und Tatiana und Markus Semmler.

Der glücklichste Mensch an diesem Abend ist der Gastgeber gewesen: Oliver Schmidt. „Es liegt mir so daran, hier Berliner Kunst zu etablieren“, sagt er. Einen Besseren als Brusberg habe er dafür nicht finden können. „Das ist sein Vermächtnis“, sagt Schmidt. Brusberg und Schmidt: Zwei Macher waren es, die ein weiteres Stück Berliner Kunst ans Meer gebracht haben. Die Ausstellung läuft bis Ende Februar 2014.