Berliner helfen

Lias langer, schwerer Kampf gegen den Krebs

Nach Operationen und Chemotherapien wünscht sich die Zehnjährige einen Urlaub mit der ganzen Familie

Fünf Meter lang ist die bunte Kette, die Lia doppelt und dreifach um den Hals gewickelt trägt. Anderthalb Jahre lang hat sie Tag für Tag Woche für Woche kleine bunte Plastik-“Perlen“ aufgefädelt. Kleine bunte Symbole, die ihr Mut gemacht haben, durchzuhalten und die schmerzhaften Behandlungen und schweren Nebenwirkungen zu überstehen. Denn die zehnjährige Lia aus Alt-Landsberg hatte Krebs.

Es begann im Oktober 2011 mit fürchterliche Schulterschmerzen. Nach unzähligen Arztbesuchen kam die Diagnose: als Folge eines Ewing-Sarkoms (Knochenkrebs) hatte sich ein apfelgroßer Tumor im Brustbereich gebildet. Zwei Tage nach seiner Entdeckung platzte er auf. Lia wurde operiert und danach mit einer schweren Chemotherapie behandelt, in deren Folge sie an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankte. In einer weiteren Operation im Juli vergangenen Jahres wurde der Resttumor, fünf Rippen und ein Teil der rechten Lunge entfernt. Bei dieser Operation musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden, anschließend wurde Lia sieben Wochen lang künstlich beatmet.

Starker Lebenswille

„Für das Beatmungsgerät habe ich die Perle selbst entworfen“, sagt Lia und zeigt stolz einen kleinen Löwenkopf aus der langen bunten Kette. Auch die sichtbare Narbe unterhalb des Kehlkopfes erinnert an die Wochen an dem Beatmungsgerät, in denen abwechselnd Mutter Nanette oder Vater Mirko am Krankenbett im Klinikum Buch saßen. „Lia hat einen unbändigen Lebenswillen, obwohl sie nach jeder Chemotherapie schwer krank geworden ist“, erzählt Nanette Prinz. Das Leben der 41-jährigen Grafikerin und das ihre Mannes, Polizist im Innendienst, ist bestimmt durch die Krankheit ihrer Tochter. Die Pflege haben sie so weit wie möglich selbst übernommen, so wie sie zwischen den Behandlungen nach Hause durfte. Sie haben gelernt, Kanülen zu wechseln, Mundschutz zu tragen und Besucher fernzuhalten, wenn Lias kleiner Körper durch die Chemotherapien so geschwächt war, dass jede Infektion lebensbedrohlich war. Bevor sie erkrankte wog Lia 37 Kilo, danach nur noch 26 Kilo. „Sie musste teilweise künstlich ernährt werden, weil nichts drinblieb“, erzählt ihre Mutter, „aber jetzt geht es aufwärts!“ Die letzte Chemotherapie, die zwei schwere Lungenentzündungen zur Folge hatte, endete im Februar. Seitdem geht es nicht nur mit dem Gewicht aufwärts: „Ich habe eine Zeugnis-Durchschnitt von 1,0“, erzählt Lia stolz. Sie besucht die fünfte Klasse und ihr Lieblingsfach ist Mathematik. Auf der Onkologie-Station in Buch gab es täglich ein bis drei Stunden Unterricht, wenn es ihr Gesundheitszustand zuließ. Ihre alte Klassenlehrerin kam anschließend zu ihr nach Hause, um Lia zu unterrichten. „Sie ist unglaublich wissbegierig. das hat ihr auch geholfen, das alles zu überstehen“, meint ihre Mutter. Endlos hat sie ihrer Tochter am Krankenbett vorgelesen, Geschichten vom Sams, Charlotta und Momo, um sie abzulenken und zu beruhigen. „Man lernt die Zeit die man miteinander hat einfach mehr zu schätzen“, meint Nanette Prinz. Sie ist dankbar für die Behandlung und die Hilfe, die Lia und ihre Familie im Klinikum Buch erhalten haben. Auch durch den Verein „Icke in Buch“, der sich die Mutperlen für die kleinen Krebspatienten ausgedacht hat.

Lia hat einen Bruder, den 14-jährigen Robin. Er sei in der Zeit von Lias Krankheit war sehr selbstständig geworden, meint seine Mutter. Unterstützung für die Familie kam von den Familienbegleitern der Björn-Schulz-Stiftung, die Robin zu Ausflügen oder zum Bikertreffen mitgenommen haben. „Wenn beide Eltern berufstätig sind, ist es sehr schwer, sich auch um das gesunde Kind ausreichend zu kümmern“, sagt Nanette Prinz. Als Grafikerin konnte sie ihre Arbeit im Krankenhaus am Laptop erledigt. Zur Zeit begleitet sie Lia zur Physiotherapie, zum Schwimmen und zu den Kontrolluntersuchungen.

Noch ist Lias Mutperlen-Kette nicht fertig. Eine Operation steht noch aus, bei der die fehlenden Rippen durch einen Titan-Ersatz rekonstruiert werden. Wenn sie das überstanden hat, kommt das Endstück: ein blau-oranges Blümchen. Für das nächste Jahr hat Lia einen großen Wunsch: ein Urlaub mit der ganzen Familie. Um Wünsche wie diesen zu erfüllen und krebskranke Kinder und ihre Familien zu unterstützen findet am 23. September 2013 eine Charity-Gala statt (siehe Info-Kasten). Lia und ihre Familie werden dabei sein.