Tourismus

„Das Interesse an Berlin ist riesig“

Im ersten Halbjahr 2013 kamen etwa 5,3 Millionen Hotelgäste in die Stadt und buchten mehr als 12 Millionen Übernachtungen

Berlin zieht immer mehr Touristen an. Im ersten Halbjahr 2013 kamen etwa 5,3Millionen Gäste in die Stadt, die in Hotels und Pensionen übernachteten. Das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Von Januar bis Juni wurden etwa 12,4 Millionen Übernachtungen gebucht – 9,2Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2012. Die Marketing-Gesellschaft Visit Berlin hat am Freitag eine Zwischenbilanz für 2013 gezogen. Die Zahlen ermittelte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

Der entspannte Lebensstil zieht an

Bis zum Jahresende rechne man mit mehr als elf Millionen Hotelgästen in der Stadt und etwa 26 Millionen Übernachtungen, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin. „Bei einem jährlichen Wachstum von fünf Prozent können wir die 30-Millionen-Grenze bei den Übernachtungen schon 2016 oder spätestens 2017 erreichen.“

Kieker erklärte das Erfolgsgeheimnis so: „Das Interesse an der Stadt, die sich neu erfunden hat, ist riesig.“ Berlin sei eine Stadt des permanenten Wandels. „Eine Stadt, die sich von der Diktatur befreit hat.“ Attraktiv seien der entspannte Lebensstil, das Nachtleben, „wahrscheinlich momentan das interessanteste in Europa“, und dass es authentische Geschichtsorte gebe wie den Pariser Platz. „Berlin ist eine der letzten Städte, die sich in der alten Welt neu entwickelt“, sagte Kieker. „Andere europäische Großstädte sind komplett festgefügt.“ Etwa 58 Prozent der Übernachtungsgäste des ersten Halbjahres kamen aus Deutschland, 31 Prozent aus anderen europäischen Ländern und elf Prozent aus Übersee. Der durchschnittliche Berlin-Besucher sei zwischen 41 und 43 Jahre alt, sagte der Geschäftsführer. „Das hat uns überrascht.“ Eine große Gruppe von Gästen, die jedoch weniger im Fokus stehe, „sind wohlsituierte Deutsche, die sich in ihrer Hauptstadt informieren und Kultur genießen wollen, und die in einem guten Hotel wohnen möchten.“ Viele dieser Touristen seien älter als 60Jahre. Die ausländischen Besucher, etwa aus Großbritannien, Australien und Israel, seien wesentlich jünger.

„Wir investieren derzeit in Märkte, die Zukunft haben“, sagte Kieker. Indien, China und Brasilien gehörten dazu. „Dort leisten wir Aufbauarbeit, um Berlin auf die Landkarte zu bringen.“ Die Bemühungen hätten Erfolg, so Kieker. Bei den Gästen aus Brasilien habe man einen Zuwachs von 14 Prozent Übernachtungen erreicht und 40 Prozent bei israelischen Berlin-Besuchern. „In Paris dagegen muss man Berlin nicht mehr buchstabieren.“ Dort gehe es darum, einzelne Veranstaltungen zu promoten, und so Menschen in die Stadt zu holen.

Die Zahl der Berlin-Besucher, die in Hotels und Pensionen einchecken, hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht. Sie lag 1993 bei etwa drei Millionen und 2012 bei fast elf Millionen. Im gleichen Zeitraum habe sich das Angebot an Hotelbetten vervierfacht, sagte Michael Zehden, Aufsichtsratschef von Visit Berlin. „Es sind jetzt mehr als 130.000.“ Die Zahl werde in den nächsten drei Jahren auf 150.000 steigen. „Das schlägt sich im Zimmerpreis nieder.“ Ein starker Verdrängungswettbewerb sei im Gange. Anfang der 90er-Jahre „haben die Vier-Sterne-Hotels an der Budapester Straße einen Durchschnittspreis von umgerechnet 108 Euro gehabt“. Jetzt liege dieser Preis bei 84 Euro. Vergleichbare Hotels in Barcelona oder London seien erheblich teurer. „Wir bieten in Berlin mindestens den gleichen Service.“

Er habe deshalb Bedenken gegen die vom Senat geplante City Tax, sagte Zehden, der Geschäftsführer von Ahlbeck & Zehden Hotels ist. „Man kann nicht einfach fünf Prozent auf den Zimmerpreis aufschlagen.“ Auch Taxifahrer und Opernhäuser profitierten vom Tourismus, so Zehden. „Es kann nicht sein, dass nur die Hotellerie zur Kasse gebeten wird.“ Die City Tax von fünf Prozent sei in der parlamentarischen Beratung, sagte Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD) am Freitag. „Ich gehe davon aus, dass sie noch 2013 verabschiedet wird.“ Wahrscheinlich werde es Klagen dagegen geben. Schätzungen zufolge könnten die Steuer-Einnahmen pro Jahr bei 20 Millionen Euro oder mehr liegen. Geplant ist, dass 50 Prozent dieser Einnahmen dem Sport, der Kultur und dem Tourismus zugute kommen. „Aus meiner Sicht sollte man sich davor hüten, daraus eine dauerhafte institutionelle Förderung zu etablieren“, sagte Wowereit. Das Geld solle Projekten zur Verfügung stehen. Etwa für ein touristisches Leitsystem, das Besucher besser durch die Stadt führt.

Mehr Platz für Reisebusse

Im Zusammenhang mit steigenden Besucherzahlen werde die Anreise mit Bussen immer wichtiger, sagte Wowereit. „Das hatte man bisher noch nicht so richtig auf dem Schirm.“ Die Fahrten mit Linienbussen hätten rasant zugenommen. „Das ist für viele attraktiv, weil es vom Preis her unschlagbar ist.“ Deshalb müsse die Situation am Zentralen Omnibusbahnhof Berlin verbessert werden. Auch in der Infrastruktur Berlins müsse sich etwas verändern. „Wenn in einer Straße früher drei Busse standen, sind es jetzt zehn.“

Visit Berlin begeht in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Seit 2009 leitet Burkhard Kieker das Unternehmen. „Es ist gelegentlich ein ermüdender, aber kein schwerer Job“, sagte er. 180 Mitarbeiter hat die Firma derzeit. 2013 steht ein Budget von 16 Millionen Euro zur Verfügung. „Davon kommen rund sieben Millionen Euro vom Senat“, sagte Kieker. „Der Rest ist selbst verdient.“