Abschied

Gründer des Hightech-Zentrums „Fabrik der Zukunft“ gestorben

TU trauert um renommierten Wissenschaftler Günter Spur

Die Technische Universität trauert um einen ihrer großen Wissenschaftler: Im Alter von 84 Jahren ist am Montag in Kopenhagen Professor Günter Spur gestorben. Er gilt als Vater der „Fabrik der Zukunft“, wie das Produktionstechnische Zentrum (PTZ) am Spreeknie nördlich vom Ernst-Reuter-Platz genannt wird. Spur leitete das Hightech-Zentrum, in dem heute mehr als 400 Mitarbeiter in Forschung, Lehre und Entwicklung tätig sind und in dessen Umfeld rund 40 Firmen entstanden, bis zu seiner Emeritierung 1997.

„Mit Günter Spur verlieren wir einen hoch angesehenen und sehr engagierten Wissenschaftler, Hochschullehrer und Kollegen“, würdigte TU-Präsident Prof. Jörg Steinbach den Verstorbenen. Bis zuletzt sei er fast täglich am Institut gewesen und habe mit großem Engagement an wissenschaftlichen Fragestellungen gearbeitet. „Diese reichten weit über die Grenzen der Produktionstechnik hinaus“, so Steinbach weiter.

Spur, der an der Technischen Hochschule Braunschweig Maschinenbau mit der Fachrichtung Fertigungstechnik studiert hatte und danach kurz in der Industrie bei Gildemeister tätig war, genoss als Produktionswissenschaftler national und international hohes Ansehen. Das belegen nicht zuletzt acht Ehrendoktortitel, eine Ehrenprofessur und zahlreiche Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Akademien. Von 1965 bis 1997 leitete er das Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb (IWF) der TU Berlin und zusätzlich das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK). Dieses Institut hatte er 1976 gegründet, um die industrienahe Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Bewunderer nannten Spur, der als Pionier für den Computer-Einsatz in deutschen Fabriken gilt, einen „Papst der Automatisierung“.

Mit seinem Ansatz, Grundlagenforschung und industrielle Anwendung miteinander zu verbinden, hat Spur auf Nachwuchswissenschaftler großen Einfluss ausgeübt. Beeindruckende Zahlen zeugen davon: Fast 300 Promotionen und über 1300 Diplomarbeiten betreute er. Viele seiner ehemaligen Doktoranden sind heute selbst Professoren. Spur prägte eine Generation von produktionstechnischen Wissenschaftlern, die in Fachkreisen als ‚Berliner Schule‘ der Produktionstechnik bekannt ist.

Günter Spur war Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, hat sich auch für andere Hochschulen engagiert. So war er von 1991 bis 1996 Gründungsrektor der TU Cottbus, später auch der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Zu seinen zahlreichen Ehrungen gehört auch die Helmholtz-Medaille.

Spurs „Fabrik der Zukunft“, das PTZ am Spreeknie, hat sich zum Renommierprojekt entwickelt. 1986 wurde der Neubau bezogen, der eine Fläche von rund 15000 Quadratmetern hat. Allein das zentrale Versuchsfeld nimmt dabei 3850 Quadratmeter ein. Im Doppelinstitut aus dem IWF der TU und des IPK werden mehrere hundert Studierende ausgebildet. Die TU werde Günter Spur ein ehrendes Andenken bewahren, so Präsident Steinbach am Mittwoch.