Bewerbermangel

Berlins Polizei zählt deutlich weniger Bewerber

Rückgang trotz Kampagne und verlängerter Frist

Bei der Berliner Polizei haben sich deutlich weniger Menschen beworben als im Vorjahr – trotz einer Kampagne und einer um gut zwei Wochen verlängerten Bewerbungsfrist. Rund 6000 Interessenten hätten sich für knapp 400 Stellen gemeldet, sagte ein Polizeisprecher. „Nun muss sich zeigen, ob die Bewerber auch die Anforderungen erfüllen.“ Die Frist, bis zu der Bewerbungsschreiben angenommen wurden, endete am Freitag voriger Woche.

Im vergangenen Jahr seien es für weniger Stellen – 350 insgesamt – noch etwa 7500 Interessenten gewesen. Als Gründe für die rückläufige Zahl nannte der Polizeisprecher die geburtenschwachen Jahrgänge, die jetzt die Schulen verließen, sowie eine größer gewordene Konkurrenz mit anderen Branchen.

„Wir punkten mit einem spannenden und abwechslungsreichen Beruf“, sagte der Sprecher. Es gebe ein breites Spektrum an Aufgaben. Mit der Kampagne habe die Polizei gezielt Interessenten werben wollen. Daraufhin hätten sich etwa 1000 potenzielle Auszubildende gemeldet. Auch habe die Behörde erstmals die Bewerbungsfrist verlängert – vom 31. Juli auf den 16. August.

Einstellen wolle die Behörde knapp 400 Polizeischüler: 216 für den mittleren Dienst, 120 für den gehobenen Dienst bei der Schutzpolizei und 60 für den gehobenen Dienst bei der Kriminalpolizei. Laut dem Sprecher kommt auf 18 Bewerber einer, der nach dem Auswahlverfahren schließlich angenommen werde. In der nächsten Zeit würden nun die angehenden Polizisten für den Ausbildungsbeginn im Oktober 2013 und April 2014 ausgewählt.

Der Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert, dass eine verlängerte Bewerbungsfrist nicht ausreichend sei, den Bewerberschwund im mittleren und höheren Dienst auszugleichen. „Sowohl die Politik als auch die Öffentlichkeit müssen die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten endlich wertschätzen lernen! Das zeigt sich dann beispielsweise in einem öffentlich ausgesprochenen Lob, aber auch in einer Bezahlung, die sich an der anderer Bundesländer messen lässt“, sagt der GdP-Landesvorsitzende Michael Purper. Wenn diesbezüglich nicht bald etwas geschehe, sehe er schwarz für einen stärkeren Zulauf von jungen Leuten zur Berliner Polizei und damit für die Sicherheit der Stadt, so Purper weiter. Bei der Berliner Polizei arbeiten nach eigenen Angaben derzeit rund 16.000 Männer und Frauen im Vollzugsdienst.