Arbeitskampf

Schleusenstreik für einen Tag

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen bestreikt Ver.di die Schleusen der Hauptstadt und ihres Umlands.

Die Arbeiter legten ihre Arbeit zum Teil bis zum Schichtende um 22 Uhr nieder, sagt Manfred Loos, Sprecher von Ver.di Berlin-Brandenburg. Ende Juli war der Betrieb von 17 Schleusen schon einmal für drei Tage eingestellt worden. Die Forderungen der Gewerkschaft sind dieselben geblieben. Ver.di fürchtet einen Wegfall von 3000 der deutschlandweit insgesamt 12.000 Arbeitsplätze im Zuge der geplanten Verwaltungsreform des Wasser- und Schifffahrtsamtes WSV. Trotz Zusagen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), die Stellen nicht streichen zu wollen, beharrt die Gewerkschaft auf einer tariflichen Regelung. Mit dem erneuten Streik der Schleusenwärter will Ver.di das Ministerium innerhalb einer Woche an den Verhandlungstisch bringen. Sonst, so Manfred Loos, sei auch ein bundesweiter Streik denkbar.

Betroffen von der Sperrung der Berliner Wasserwege sind die Ausflugsdampfer, aber zumindest in der Innenstadt findet der Betrieb wie gewohnt statt. Auf „vielleicht zehn Prozent“, schätzt Stephanie Merkel, 25, Mitarbeiterin der Reederei Stern und Kreis, den Anteil der Touristen, die aufgrund des Streiks ihre Fahrten nicht antreten. „Wir fahren leicht veränderte Routen“, sagt sie, „aber die beliebteste – die einstündige Stadtrundfahrt – findet statt wie geplant.“

Tatsächlich reiht sich am Reichstagsufer wie gewohnt Schiff an Schiff. „Schlimm ist der Streik für die Kollegen in Tegel“, erklärt Merkel. „Dort fallen die Fahrten nach Potsdam und die Tour in die Stadt aus.“ Ähnlich sieht es auch am Urbanhafen aus. Menschenleer liegt die „Spree Athen“ in der Sonne. Am Landwehrkanal ist an Bord der Schiffe außer leeren Stühlen nichts zu sehen. 50Schleusen in Berlin und Brandenburg stellten den Dienst ein. 250 Wärter legten die Arbeit nieder. Betroffen waren auch die Schleusen Spandau und Mühlendamm sowie die Stadtschleuse Brandenburg/Havel. Die Touristen stört das kaum. „Ich fahre einfach eine andere Route“, sagt Gisela Glöckner, 47. Und auch der Brite Tom Bargat meint, als er an Bord der „Poseidon“ geht: „Kein Problem, dauert doch nur einen Tag.“