Nahverkehr

Höflicher Brief an die „sehr geehrten Vandalen“

Wie Bahnhofspersonal sich gegen Zerstörungen wehrt

Immer schön höflich bleiben. Das haben sich offenbar die S-Bahn-Mitarbeiter am Bahnhof Pankow-Heinersdorf gedacht – und gleich noch den Gegenbeweis zur These angetreten, dass die Angestellten des Staatskonzerns Deutsche Bahn humorlos seien. In dieser Woche hing auf dem Bahnsteig ein Schreiben, mit dem die S-Bahner auf ungewöhnliche Weise auf die verbreitete Zerstörungswut reagierten. Bemerkenswert schon die Anrede: „Sehr geehrte Vandalen“, gefolgt von einer Reihe Ausrufezeichen.

Weiter hieß es: „Dies ist eine Kamera zur Abfertigungsunterstützung des Zuges und dient der Sicherheit beim Ein- und Aussteigen.“ Gefolgt von dem Hinweis: „Eine Datenaufzeichnung der Kamerabilder ist nicht vorgesehen und auch eine Übertragung der Daten zur NSA und FBI ist NICHT möglich.“ Potenzielle Zerstörer wurden überaus freundlich gebeten, „das Zerstören der Kamera zu unterlassen“ und damit auch Leib und Leben von „Kindern, Senioren und unaufmerksamen Fahrgästen nicht unnötig zu gefährden“. Das Schreiben schloss mit dem Satz: „Vielen Dank für Ihr Verständnis!!!“

Dass die S-Bahn nun grundsätzlich neue Töne gegenüber Vandalen anschlägt, ist aber eher unwahrscheinlich. Um ein offizielles Schriftstück handelte es sich nämlich nicht, wie ein Unternehmenssprecher betonte. Möglicherweise sei da „ein Mitarbeiter etwas über das Ziel hinausgeschossen“. Richtig sei aber, dass in Heinersdorf die Abfertigungskameras mehrfach offenbar mutwillig zerstört worden seien. Das Schreiben, das mittlerweile auch im Internet kursiert, wolle die S-Bahn nun entfernen und das Problem „in anderer und geeigneterer Weise kommunizieren“, so der Sprecher. Einen ernsten Hintergrund hat die Eigeninitiative allemal. Durch Vandalismus entstehen den Nahverkehrsunternehmen Jahr für Jahr erhebliche Kosten. Allein 2012 mussten die S-Bahn und die BVG zusammen etwa zwölf Millionen Euro für die Beseitigung der Schäden ausgeben.