Gerichtsurteil

Sicherungsverwahrung für pädophilen Täter

Winfried K. sollte 2017 entlassen werden. Weil er weiterhin gefährlich ist, bleibt er nach Verbüßung seiner Strafe hinter Gittern

Winfried K. hat alles versucht. Es gab während der Verhandlung am Mittwoch ein beeindruckendes Zwiegespräch mit seinem Verteidiger, bei dem der vorbestrafte Sexualstraftäter große Reue zeigte und ernsthafte Bekundungen vortrug, sich bessern zu wollen. Die Moabiter Strafkammer sah es dennoch anders und folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft, gegen Winfried K. die Einweisung in die Sicherungsverwahrung auszusprechen. So wird also nichts aus seiner Entlassung im Jahr 2017. Stattdessen wird der 54-Jährige damit rechnen müssen, noch mindestens zehn Jahre hinter Gittern zu verbringen.

Winfried K. ist ein notorischer Rückfalltäter. Er hatte schon sehr früh „sein sexuelles Interesse für präpubertäre Mädchen feststellen müssen“, sagte der Vorsitzende Richter bei der Begründung der Anordnung der Sicherungsverwahrung. Winfried K. habe es jedoch nicht vermocht, dagegen anzugehen.

Stieftochter nachts missbraucht

1992 wurde er zum ersten Mal vom Berliner Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs von Mädchen verurteilt. Winfried K. hatte sich mehrfach an elf und zwölf Jahre alten Mädchen sexuell vergangen, darunter eine Stieftochter. Er hatte das Kind nachts geweckt, in ein anderes Zimmer beordert und dort missbraucht. Dafür erhielt er drei Jahre Haft.

Den zweiten Prozess gegen Winfried K. – er endete mit einer Strafe von vier Jahren und sechs Monaten – gab es im September 1999. Diesmal waren die Opfer die Töchter einer Bekannten. Und er machte sogar weiter, als ein anderes Mädchen den Eltern vom Missbrauch berichtete und Winfried K. deswegen von der Kriminalpolizei vernommen wurde. Das Gericht sprach damals gegen ihn ein unbefristetes Beaufsichtigungsverbot für Kinder aus. Zudem stand der Angeklagte unter Führungsaufsicht, musste sich regelmäßig bei einem Bewährungshelfer melden. Der wusste offenbar aber nicht, dass sich Winfried K. – eine weitere Auflage des Gerichts – einer Gruppentherapie für pädophile Männer unterziehen sollte. So fiel auch nicht auf, dass Winfried K. die Therapie nicht besuchte.

Im Juli vergangenen Jahres folgte die dritte Verurteilung. Wieder waren es die Töchter einer Bekannten – zwischen sieben und zwölf Jahre alt – die von Winfried K. in dessen Marzahner Wohnung missbraucht wurden. Die Mutter hatte den Täter vor Gericht als hilfsbereit geschildert. Sie habe keine Bedenken gehabt, die Mädchen bei ihm auch mal übernachten zu lassen.

Bei den Ermittlungen kam auch heraus, dass Winfried K. 2008 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine Stelle als Hausmeister in einer Marzahner Grundschule bekam. Später arbeitete er in einem – von Kindern gern besuchten – Nachbarschaftszentrum.

Die Staatsanwaltschaft forderte im Juli 2012 für Winfried K. neun Jahre Gefängnis plus anschließender Sicherungsverwahrung. Die Jugendkammer beließ es jedoch bei einer Strafe von vier Jahren und zehn Monaten. Die Voraussetzungen für Sicherungsverwahrung waren nach Meinung der Richter nicht erfüllt. „Das allerletzte Mittel des Strafrechts kommt nur bei schwersten Straftaten in Betracht“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Gewaltanwendung des Angeklagten sei im Vergleich zu früheren Sexualstraftaten weniger intensiv gewesen. Auch habe er jedes Mal sofort aufgehört, wenn die missbrauchten Kinder sich gegen seine Zudringlichkeit wehrten.

Die Staatsanwaltschaft ging gegen diese Entscheidung in Revision und bekam vom Bundesgerichtshof recht. Es wurde kritisiert, dass in der vorangegangenen Hauptverhandlung „die Frage der Gefährlichkeit des Angeklagten nicht hinreichend erörtert“ worden sei. Das müsse nun noch einmal von einer anderen Moabiter Strafkammer geprüft werden.

Gefahr eines Rückfalls

So folgte der aktuelle Prozess mit dem für Winfried K. ungünstigen Ausgang. Der Richter sagte bei der Begründung der Entscheidung, dass „dieser Fall auch tragisch“ sei. Der Angeklagte sei kein Täter, dessen Ziel es sei, andere zu quälen oder zu erniedrigen. „Es geht bei ihm ausschließlich um die sexuelle Komponente.“ Die Kammer folge jedoch dem forensisch-psychiatrischen Gutachter, der Winfried K. nach wir vor für stark rückfallgefährdet halte. Das Risiko, dass er sich nach der Haftentlassung erneut an Kinder vergreife, sei „extrem hoch“. Als Zeit für eine – wenn überhaupt erfolgreiche – Therapie habe der Gutachter mindestens zehn Jahre genannt.

Winfried K. hatte zu Prozessbeginn noch andere Erwartungen. Der gelernte Facharbeiter für Eisenbahntransporttechnik sprach davon, nach der Haftentlassung vielleicht wieder bei der Bahn anzufangen. „Die suchen ja jetzt dringend Leute“, habe er gehört. Daraus wird nun nichts werden. Winfried K. wird das Gefängnis mit hoher Wahrscheinlichkeit erst als Rentner verlassen.