Geld

Max-Delbrück-Centrum mit Millionendefizit

Die Aktivitäten der Spitzenforscher sind schneller gewachsen als die Geldmittel – Kooperation mit Charité nicht gefährdet

Ein Aushängeschild der außeruniversitären Wissenschaft in Berlin ist in finanzielle Schieflage geraten. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) mit Sitz in Berlin-Buch hat das vergangene Jahr mit einem Defizit von zwölf Millionen Euro abgeschlossen. Das bestätigte MDC-Kommunikationschef Josef Zens. Das Gesamtjahresbudget des maßgeblich vom Bund finanzierten MDC liegt bei 98 Millionen Euro, davon 77 Millionen als Grundfinanzierung und 21 Millionen selbst eingeworbener Drittmittel aus anderen Quellen.

Das Kuratorium hat wegen der Finanzprobleme das für die Verwaltung zuständige Vorstandsmitglied Cornelia Lanz abberufen. Eine Prüfung des Aufsichtsgremiums habe „organisatorische Defizite“ gezeigt, die zu der „derzeitigen Lage“ geführt hätten, sagte Zens. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, das die Vorsitzende des Kuratoriums stellt, verwies auf die vereinbarte Vertraulichkeit. Ursache für das Defizit sei die Tatsache, dass im MDC die Wissenschaft im letzten Jahr schneller expandiert sei als Geld vorhanden war, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Der wissenschaftliche Vorstand und Chef des MDC, Walter Rosenthal, bleibt im Amt. In den vergangenen Jahren hatte das Institut neue Großgeräte wie einen leistungsstarken MRT-Scanner angeschafft, aus der ganzen Welt herausragende Wissenschaftler engagiert und neue Forschungsgruppen eröffnet.

Bis zum 23. August muss Rosenthal dem Kuratorium einen Plan vorlegen, wie er in den nächsten beiden Jahren wieder in die schwarzen Zahlen steuern will. Am 2. September sollen die Aufseher in einer Sondersitzung das Konzept bewerten. Ziel ist, dass die unbestrittene wissenschaftliche Exzellenz des MDC nicht unter dem Sparkurs leiden soll. Vorgabe des Kuratoriums sei es, „die Konsolidierung so anzulegen, dass spätestens Ende 2016 wieder ein Liquiditätsüberschuss erzielt wird“, hieß es aus dem Hause der Wissenschaftsministerin Johanna Wanka. Als erste Sparmaßnahme will Rosenthal allen Forschungsgruppen und auch der Verwaltung 20 Prozent ihrer Betriebsmittel streichen. Kleinere Bauvorhaben sollen nach hinten verschoben, noch nicht konkretisierte Berufungen vorerst ausgesetzt werden. „Weitere Ausbaupläne stehen auf dem Prüfstand“, so der MDC-Sprecher. Entlassungen von Mitarbeitern seien vorerst nicht geplant.

Eventuell muss das als gut finanziert geltende Institut auch beim Ministerium um mehr Geld nachsuchen. Im Hause Wanka will man ein Entgegenkommen nicht ausschließen. Die Frage könne aber erst beantwortet werden, wenn das Konsolidierungskonzept vorliege.

Das Interesse der Politik im Bund und in Berlin ist groß, dass die MDC-Forscher wegen Geldschwierigkeiten nicht abwandern oder ihre Arbeit nicht fortsetzen. Das MDC gilt als eines der leistungsstärksten biomedizinischen Forschungsstätten weltweit. In Berlin errichtet das MDC gerade mit Geld aus den Kassen des Landes Berlin und des Bundes das Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) auf dem Campus der Charité in Mitte. Dieses Projekt soll laut MDC-Sprecher nicht vom Sparkurs betroffen sein.

Ebenfalls unabhängig von den Finanzturbulenzen beim MDC ist das zweite große Expansionsvorhaben, nämlich das gemeinsam mit der Charité angestrebte Berliner Institut für Gesundheitswirtschaft (BIG). Die komplizierte Struktur des BIG stelle sicher, dass keiner der Partner Geld aus dem gemeinsamen Projekt abziehen kann. Darauf wurde bei der Konstruktion Wert gelegt. Damals fürchtete man jedoch eher, die klamme Charité könnte vom BIG finanziell profitieren.

300 Millionen Euro

Das BIG soll bis zum Jahr 2018 mit insgesamt 300 Millionen Euro finanziert werden und gilt wegen der Zusammenarbeit einer vom Bund geförderten Forschungsstelle mit einem unter Landeshoheit stehenden Universitätsklinikum als Vorbild für ähnliche Kooperationsvorhaben in Deutschland.

Der Versuch, die Erkenntnisse der Bucher Grundlagenforscher näher an die Krankenbetten der Charité zu bringen, gilt als große Hoffnung für die Wissenschaft und die Gesundheitswirtschaft weit über Berlin hinaus.