Verhandlungen

Charité geht mit Karl Max Einhäupl in die Zukunft

Am Montag entscheidet der Aufsichtsrat über neuen Vertrag für den Vorstandsvorsitzenden

Die Entscheidung fällt morgen: Am Montag berät der Aufsichtsrat der Charité über die Verlängerung des Vertrages mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Karl Max Einhäupl. Der Vertrag mit dem 66-Jährigen soll weitere fünf Jahre verlängert werden. Einziger Streitpunkt der Vertragsverlängerung ist eine mögliche Austrittsmöglichkeit für Einhäupl nach drei Jahren. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) sei gegen eine Klausel, die Einhäupl den vorzeitigen Ruhestand bei vollen oder reduzierten Bezügen ermöglichen würde, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. „Über Vertragsdetails wird der Aufsichtsrat am Montag reden“, sagte die Sprecherin der Senatsfinanzverwaltung, Katrin Bierwirth.

Einzelheiten zur geplanten Vertragsverlängerung wollte Aufsichtsratschefin und Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Sonnabend nicht kommentieren. „Der Aufsichtsrat hat sich im Frühjahr darauf verständigt, eine Vertragsverlängerung zu verfolgen“, sagte ihr Sprecher Thorsten Metter. „Die Aufsichtsratsvorsitzende wurde beauftragt, den Vertrag auszuverhandeln, dieser Auftrag war eindeutig.“ Der Aufsichtsrat werde dann abschließend am Montag darüber befinden. Einhäupl war am Sonnabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Erosion unter Kostendruck

Der Charité-Vorstand beklagt seit Langem die schleichende Erosion gerade hoch spezialisierter Universitätskliniken unter dem Kostendruck des Gesundheitssystems. Der Professor sagt für die kommenden Jahre ein Kliniksterben in Deutschland voraus, wenn am Finanzierungssystem nichts geändert werde. So exzellent die Charité in der Forschung und Spitzenmedizin auch ist, so groß sind die Klagen von Patienten und Mitarbeitern über Engpässe in Pflege und normaler Krankenbetreuung des Traditionshauses in Mitte.

Einhäupl wirbt darum, der Senat möge dem Traditionshaus jährlich Geld für Investitionen geben, um zu verhindern, dass sich die Probleme wie im Fall des völlig heruntergekommenen Bettenhochhauses zu einem riesigen Investitionsstau ballen. Die Vernachlässigung der Charité ging so weit, dass das Gesundheitsamt die Krankenhausküche an der Luisenstraße schließen musste, nachdem Dreck aus Ritzen ins Essen gefallen war. Hier streitet der Vorstand Seite an Seite mit den Arbeitnehmern. Es könne nicht sein, dass der Senat erwarte, die Charité solle das Geld für diese Investitionen selbst erwirtschaften, kritisiert der Personalrat des Klinikums.

Rückenwind für seine Forderung nach auskömmlicher Finanzierung erhält Einhäupl von der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) und der Landesvertretung des Ersatzkassenverbandes (VDEK). Bislang gebe das Land jährlich nur 60 Millionen Euro, die restlichen 34 von insgesamt 94 Millionen Euro würden zur Zahlung von Altinvestitionen eingesetzt.

330 Millionen Euro stehen der Charité zurzeit für Baumaßnahmen zur Verfügung, darunter 86 Millionen Euro für die jüngst eröffnete Vorklinik am Standort Mitte, 185 Millionen Euro für die Sanierung des Bettenhochhauses und 60 Millionen Euro für kleinere Sanierungs- und Verbesserungsmaßnahmen wie zum Beispiel eine Notstromversorgung. Einhäupl hatte stets gemahnt, dass dass Geld nur reiche, wenn nichts Wesentliches kaputtgehe. Insgesamt geht die Klinik von einem Sanierungsstau in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro aus.

Die Charité war wegen großer Defizite 2008 (minus 56,6 Millionen Euro), 2009 (minus 19,2 Millionen Euro) und 2010 (minus 17,8 Millionen Euro) ins Visier des Finanzsenators geraten. In einem harten Sparkurs besetzte die Klinik seit 2008 unter anderem mehr als 1000 Vollzeitstellen nicht neu. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Darüber hinaus wurden Abteilungen im Zuschnitt verändert und Einkäufe optimiert. Im Ergebnis machte die Charité wieder Gewinne (2011: 8,2 Millionen Euro). Allerdings arbeitet sie in der Personalausstattung nun am Limit. Wegen der Personalengpässe gab es auch am Sonnabend Proteste von Ärzten und Pflegern auf dem Alexanderplatz. Aber es gibt auch interne Probleme. Nach mehreren Pannen, Skandalen und Kommunikationsfehlern war die Charité und auch der Vorstandsvorsitzende selbst in die Kritik geraten. Einhäupl arbeitet seit 1992 an der Charité und ist seit 2008 deren Vorstandsvorsitzender. Er hatte zuletzt immer wieder durchblicken lassen, dass er trotz seines Alters gerne weitermachen würde. Aber nur, wenn ihn das Land nicht auf eine „mission impossible“ schickt, sondern mit einer Zusage für Zuschüsse zur baulichen Sanierung, die den wirtschaftlichen Betrieb sichert. Attraktiv wäre eine weitere Amtszeit für den früheren Chef des Wissenschaftsrates auch wegen eines Projekts, das Berlins Rolle als Vorreiter der medizinischen Wissenschaft stärken soll: die Zusammenarbeit der Charité-Uni-Klinik mit dem Max-Delbrück-Centrum (MDC) für molekulare Medizin.